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Der Telebasel News Beitrag vom 19. Juni 2018.

Basel

«Hahnenburger für fünf Franken – das ist zu viel»

Fünf Franken für eine Karaffe Leitungswasser - Gast-Abzocke oder Fairness gegenüber dem Beizen-Personal? In Basler Lokalen gehen die Meinungen dazu auseinander.

Ein Glas Hahnenburger und das Amtsblatt sollen in jeder Beiz gratis zu haben sein. Wie es ein mancher aus anderen Länder kennt, soll zudem dem durstigen Gast zur bestellten Mahlzeit das Wasser offeriert werden. Beide weit verbreiteten Annahmen treffen in Basel nur bedingt zu. Wer etwa im Stadthof fünf Deziliter Leitungswasser bestellt, wird mit fünf Franken zur Kasse gebeten.

Wasser gleich teuer wie eine Cola

Solche Preise seien völlig überrissen, findet Christian Mueller vom «Freistaat Unteres Kleinbasel» (FUK). Der Politaktivist, der bereits als Gegner des Wirtepatents aufgefallen ist, kann zwar nachvollziehen, dass Gastrobetriebe einen Grundstock an Ausgaben decken müssen.

«Fünf oder sieben Franken für einen Hahnenburger finde ich dann doch ein bisschen viel – insbesondere dann, wenn man schon konsumiert hat», sagt Mueller. Nicht nachvollziehbar ist in seinen Augen auch, dass Leitungswasser dann etwa gleich viel kosten soll wie ein Cola.

Wirteverband rechtfertigt Preise

Wirteverbandspräsident Joseph Schüpfer verteidigt gegenüber Telebasel diesen Preis bei ihm im Stadthof. Auf Anfrage von Telebasel, weshalb der Gast denn auch nach einem üppigen Menü beim Wasser zur Kasse gebeten wird, führt er die Mitarbeiterlöhne an. «Generell ist es so, dass jede Dienstleistung verrechnet werden muss». Das Wasser an sich falle somit nicht gross ins Gewicht, wohl aber die Arbeitskraft des Service-, Küchen- und Reinigungspersonals. Es sei aber jedem Betrieb selbst überlassen, ob und wie viel er für das Wasser berappen möchte.

In der Tat sieht die Sache von Beiz zu Beiz anders aus. Das Restaurant «Zum Kuss» offeriert etwa jedem Gast Wasser à discrétion. Dieses kostet auch fünf Franken, doch nur dann, wenn nichts anderes konsumiert wird. Der Aufwand, um ständig für frisches Wasser zu sorgen, sei bereits in der Berechnung mit drin, wie «Kuss»-Wirt Markus Engeler erklärt: «Wir erheben hier keine Gebühr, weil es schon in der Dienstleistung drin ist, aber in Tat und Wahrheit kostet uns das etwa 2000 Franken im Monat».

Gratis- versus Abzocker-Mentalität

In einem Punkt sind sich somit alle einig: Gratis ist selbst das Hahnenwasser nicht. Auf irgendeinen Weg müssen die Wirte schliesslich die erbrachten Dienstleistungen vergüten. «Ich habe auch etwas gegen die Gratismentalität», pflichtet daher Christian Mueller bei. Für «0815-Getränke» hohe Preise anzusetzen ist aber aus seiner Sicht nicht akzeptabel: «Ich habe auch etwas gegen die Abzockermentalität gewisser Gastronomen», fügt er daher an.

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