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Der Telebasel Report vom 13. Juni 2018.

Basel

Report: Scheitert Gateway-Terminal am Naturschutz?

Das Projekt Gateway Nord steht von allen Seiten her unter Druck. Unterschätzt wurde in der öffentlichen Debatte bisher der Naturschutz.

Wer in der Schweiz ökologisch wertvolle Flächen zerstört oder vernichtet, der ist gemäss Natur- und Heimatschutzgesetz dazu verpflichtet, für ökologischen Ausgleich zu sorgen. Wer beispielsweise ein Biotop von 100 Quadratmeter vernichtet, um darauf ein Haus zu bauen, der muss an anderer Stelle wieder ein Biotop von 100 Quadratmetern anlegen. Was aber, wenn nicht nur ein 100-Quadratmeter-Biotop sondern gleich eine 110‘000-Quadratmeter-Fläche überbaut wird?

Der Schotterboden des ehemaligen Rangier-Bahnhofs ist ein Paradies für Flora und Fauna. (Bild: Telebasel)

Projekt Gateway Nord vor grosser Herausforderung

Genau vor dieser Aufgabe stehen derzeit die Projektherren des geplanten Container-Terminals Gateway Nord in Basel. Das Mammut-Projekt soll die stetig wachsende Container-Flut in die Schweiz abfangen und im Terminal auf Bahn, Schiff und Strasse verteilen. Weil diese Anbindung an Strasse, Schiene und Wasser schweizweit einzig und allein auf dem DB-Areal im Norden Basels gewährleistet sei, käme als Standort für den Terminal keine Alternative in Frage. Nun: Der Platz ist da, die Anbindung ist perfekt – wo also liegt das Problem?

Das Problem liegt darin, dass ebendieses DB-Areal grösstenteils unter Naturschutz steht. Mehr noch: Als Teil des Bundesinventars für Trockenwiesen und -weiden mit nationaler Bedeutung geniesst das Areal gar maximalen Schutz.

Florian Röthlingshöfer, Umweltverantwortlicher des Projekts Gateway, besichtigt mit Beat Lampart, Projektleiter, das DB-Areal. (Bild: Telebasel)

«Fast 400-500 Tier- und Pflanzenarten leben hier»

Wer als Laie über das DB-Areal beim Zoll Otterbach schlendert, wähnt sich im falschen Film: Ökologisch wertvoll? Einmalig in der Schweiz? Nationale Bedeutung? Das ungeschulte Auge sieht auf der angeblich derart bedeutsamen Fläche vielleicht ein paar braune Büsche, Gras, Schotter, alles, was man auf einer gewöhnlichen Wiese halt so sieht.

«Hier leben 400-500 Tier- und Pflanzenarten», wirft Biologe Martin Frei jedoch ein. Durch seine Geschichte als Bahnareal sei der trocken-warme Schotterboden ein regelrechtes Paradies für Flora und Fauna. Gerade Tiere wie die Schlingnatter oder die Gottesanbeterin fänden auf dem PEZA-Areal gesuchte Bedingungen vor. Zudem sei das Areal zentraler Wanderungskorridor für Tier- und Pflanzenarten in der Rheinebene. «Vom Aargau bis weit hoch in Deutschland», seien die Lebewesen unterwegs, erklärt Frei.

Bundesrecht versus Bundesrecht

Was passiert also, wenn nationale Wirtschaftsinteressen auf bundesweit geschützte Natur trifft? Dies regelt die Trockenwiesen und -weiden-Verordnung:

Entscheidend für die Aufhebung des Schutzziels sind also die Standortgebundenheit sowie das nationale Interesse des Projekts. Genau um diese beiden Begriffe dreht sich denn auch das politische Ringen. Sind es tatsächlich so viele Container, wie die Befürworter sagen? Wäre eine terminal-lose Zukunft wirklich ein Wirkungstreffer für die nationale Wirtschaft? Könnte man diese Fragen mit«Nein» beantworten, würde das nationale Interesse wohl fehlen. Oder gibt es am Ende in Genf gar einen zweiten Standort, der dieselbe Aufgabe erledigen könnte? Gibt es gar in Basel ein zweites Areal, auf dem das Terminal zu stehen kommen könnte? Falls hier ein «Ja» resultieren würde, wäre auch die Standortgebundenheit nicht mehr gegeben.

Die aktuelle Tendenz zeigt in die Richtung, dass die Initianten sowohl die Standortgebundenheit, wie auch das nationale Interesse glaubhaft nachweisen können. Das Projekt liegt zurzeit aber noch zur Prüfung beim Bund. Ende 2018 soll, Stand heute, entschieden werden, ob das Projekt bewilligt wird oder nicht.

Das DB-Areal: Riesig – und gerade deshalb extrem wertvoll für die Natur. (Bild: Telebasel)

Folgen für Projekt und Natur

Sollten die Voraussetzungen für eine Bewilligung bezüglich Standort und nationalem Interesse gegeben sein, heisst das aber noch lange nicht, dass die geschützte Trockenweide einfach zerstört werden darf. Die Auflagen, welche der Bund für derart wichtige Flächen macht, sind massiv. In erster Linie muss also für die gesamte Fläche Ersatz gefunden werden. Und zwar nicht irgendeinen Ersatz, sondern einer, der sowohl in der gleichen Gegend liegt, wie auch die gleiche ökologische Funktion wahrnimmt. In einem derart dicht besiedelten Raum wie Basel scheint das ein schier aussichtsloses Unterfangen zu sein. Wird aber nicht entsprechender Ersatz gefunden, wird das Millionen-Projekt Gateway Nord nicht gebaut. Punkt.

Also: Wie weiter? Scheitert das Grossprojekt am Ende gar am Naturschutz?

Der Report liefert Antworten und zeigt, wie sehr das Thema Ersatzflächen die Stadt Basel künftig noch beschäftigen wird.

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