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Der Telebasel News Beitrag vom 13. Juni 2018

Basel

Polizisten werben mit Scientology

In Basel verteilt die Christliche Polizei-Vereinigung eine Gratis-Broschüre. Diese verweist auf eine Anti-Drogen-Organisation mit Nähe zu Scientology.

Sie liegt beispielsweise in  Coiffure-Salons auf und sieht auf den ersten Blick aus wie eine harmlose Drogenaufklärungsbroschüre. Die Christliche Polizei-Vereinigung Schweiz (CPV) empfiehlt darin Eltern und Pädagogen mehrere weiterführende Websites – darunter auch den Verein «Sag Nein zu Drogen».

Was als Hilfeleistung für Drogenabhängige und deren Angehörige daherkommt, hat aber einen pikanten Hintergrund: Der Verein stellt sich auf der eigenen Website als unabhängig dar. Bei Scientology Schweiz steht hingegen explizit, dass man diese Gruppierung mit Info-Material ausstatte. Damit ist «Sag Nein zu Drogen» auch schon in Basel im Rahmen von Stand-Aktionen in Erscheinung getreten.

Einem Tarn-Verein auf den Leim gegangen

«Der Verein ist eine Tarnorganisation von Scientology – das ist eigentlich schon lange bekannt», betont Thomas Erlemann von der «Gewaltfreien Aktion gegen Scientology Basel». Erlemann sagt, er habe bei diesen Stand-Aktionen schon hohe Scientology-Mitglieder gesichtet. «Ziel dieser Organisation ist, an labile Menschen und Eltern mit drogensüchtigen Kindern heranzukommen».

Christliche Polizisten, die für Scientology werben – wie passt das zusammen? Scientology Basel war für eine Stellungnahme nicht erreichbar, wohl aber die Polizei-Vereinigung. «Der CPV war nicht bekannt, dass der Verein ‹Sag Nein zu Drogen› im Zusammenhang mit Scientology steht», schreibt der CPV-Präsident Felix Ceccato auf Anfrage von Telebasel. «Der Inhalt der Webseite ist für uns sachlich und zielführend für die Drogenprävention – deshalb ist diese Webseite unter den Links aufgenommen worden», so Ceccato.

Rolle einer SVP-Nationalrätin

Inzwischen hat die CPV den Link zum umstrittenen Verein von der Website entfernt und versichert, diesen in künftigen Broschüren nicht mehr aufzuführen. Dennoch hinterlässt die Broschüre einen schalen Nachgeschmack. Gleich eine Seite vor der Link-Empfehlung wirbt SVP-Nationalrätin Andrea Geissbühler für eine härtere Drogenpolitik. Der Tagesanzeiger kritisierte diese Politikerin bereits vor Jahren für ihre mangelnden Berührungsängste bei dem Verein «Sag Nein zu Drogen».

Anti-Drogen-Kampf als Andockstelle

Diese Taktik von Scientology, sich bei anderen Drogen-Initiativen anzuhängen, ist Otto Georg Schmid, Leiter der Beratungsstelle Relinfo, bestens bekannt. Ein Bündnis zwischen christlichen Organisationen wie der CPV sei aber nicht wahrscheinlich: «Freikirchennaher Glaube und eine Scientology-Mitgliedschaft schliessen sich de facto gegenseitig aus», erklärt der Religionsexperte.

Offenbar sei es aber dem Verein «Sag Nein zu Drogen» gelungen, sich bei anderen Anti-Drogen-Initiativen wie etwa Andrea Geissbühlers «Dachorganisation Drogenabstinenz» anzudienen. Das entspreche der Strategie von Scientology seit den Tagen des Gründers L. Ron Hubbard, nämlich sich über Frontorganisationen «in virulente soziale Diskussionen einzubringen und damit in der Öffentlichkeit als positive gesellschaftliche Kraft wahrgenommen zu werden».

2 Kommentare

  1. Ist das nicht ein bisschen sehr viel Verschwörungstheorie? Der Verein sag nein zu Drogen besteht schon mehr als 25 Jahre in der Schweiz und verteilt Informationen über Drogen. Wenn man sich die Mühe nimmt und die Informationen mal anschaut, dann findet man einfach sachliche Informationen über Drogen. Keine Werbung und auch keine ideologische Werbung für Scientology. Es wird auch kein Geheimnis daraus gemacht, dass der Verein von Scientology unterstützt wird.
    Ist das nicht krank? einfach weil etwas gutes von Scientology unterstützt wird, ist das eine teuflische Sache. Es wäre zu empfehlen, dass man die Sache selber anschaut und dann darüber befindet ob es gut oder schlecht ist.Report

  2. Sehr gut, bitte weiter so denn es kann gar nicht genug Aufklärung geben! Wer etwas dagegen hat, der soll es doch einfach besser machen. Ich kenne pesönlich Menschen, die durch den Kosum von sogenannten weichen Drogen eine schwere Psychose bekommen haben. Der Kosum hat ihr Leben ruiniert. Statt einer völlig idiotischen Legalisierungsdebatte braucht es noch viel mehr Aufklärung!Report

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