Neben Ferdinand Hodlers Bildern werden im Kunstmuseum Basel erstmals Dokumente des Autors Carl Albert Loosli zu sehen sein. (Bild: Keystone)

Basel

Hodler und Loosli treffen sich im Kunstmuseum wieder

Autor Carl Albert Loosli war Ferdinand Hodlers erster Biograph. Im Kunstmuseum sieht man erstmals Dokumente aus seinem Archiv neben Frühwerken des Malers.

Zum hundertsten Todesjahr Ferdinand Hodlers zeigen die Museen landauf landab ihre Prunkstücke, die grosse Hodler-Schau «Parallelismus» in Genf und Bern ist ein Triumph der Farbe und des Symbolismus.

Das Kunstmuseum Basel geht einen anderen Weg: In einer kleinen, Kabinettausstellung präsentiert es selten gezeigte Frühwerke Hodlers in Kombination mit noch gar nie gezeigten Dokumenten aus dem Loosli-Archiv: Briefe, Notizen, Fotos. Die Materialien geben Einblick in die Werk- und Wirkungsgeschichte der eher düsteren, noch dem Realismus verpflichteten Gemälde des jungen Hodler.

Der Philosoph von Bümpliz

Das betrifft zum Beispiel das grosse Porträt von Hodlers Stiefschwester Maria Krebs-Schüpbach von 1876, das der Maler mehrfach überarbeitete, weil es der Abgebildete so sehr missfiel, dass sie es auf dem Estrich versteckte.

Oder ist die um 1890 entstandene lesende Rückenfigur, die früher «Ruhe von der Arbeit» hiess und Hodlers Onkel Friedrich Neukomm zeigt, wirklich ein Porträt oder doch eher ein Genrebild, wie der früher Titel nahelegt – ähnlich der berührenden «Armen Seele» gleich daneben?

Viel von dem, was heute über Hodler bekannt ist, wurde von Loosli überliefert. Vieles, das Hodlers Legende ausmacht ebenso. Als diese Bilder entstanden, waren sich die beiden noch nicht begegnet. Carl Albert Loosli kam 1877 zur Welt. Unehelich geboren, verbrachte er seine Jugend bei Pflegeeltern und in Jugendanstalten.

Loosli lebte in Bümpliz und arbeitete als Schriftsteller, Publizist und Journalist. Seiner unbeugsamen Haltung und seiner Kritik an sozialen Missständen wegen, machte er sich einen Namen als «Philosoph von Bümpliz», ein gefürchtet spöttischer allerdings, der in Dialekt und Standardsprache schrieb.

Loosli beschäftigte sich intensiv mit der bildenden Kunst und stand der, von ihren Gegner ihres Stammlokals wegen so genannten, «Bubenbergclique» nahe, zu der neben Hodler Maler wie Cuno Amiet, Max Buri oder Emile Cardinaux gehörten. Auf Vorschlag Hodlers wurde Loosli Zentralsekretär der Gesellschaft schweizerischer Maler, Bildhauer und Architekten GSMBA.

Das versiegelte Archiv

Die beiden Berner hatten sich 1898 im Restaurant Kornhauskeller kennengelernt. Loosli verteidigte Hodler im «Freskenstreit» um Marignano-Wandbilder für das Landesmuseum. Der Schriftsteller fand im 24 Jahre älteren Maler einen väterlichen Freund, Hodler erkannte in Loosli einen Biographen und Mitarbeiter, der um seinen Nachruhm besorgt sein würde. So überdauerte die Beziehung der beiden Duzfreunde zwei Jahrzehnte. Erst Hodlers Tod 1918 beendete sie.

Danach bemühte sich Loosli um den Nachlass Hodlers und hoffte, seine Forschungen publizieren zu können. Zwischen 1921 und 1924 gab Loosli zwar eine vierbändige Studie zu «Leben, Werk» Hodlers heraus, doch der Autodidakt wurde von den akademischen Kreisen weder unterstützt, noch seine Arbeit gewürdigt.

Deshalb liess Loosli das Archiv nach seinem Tod 1959 für 50 Jahre versiegeln, so dass es zur grossen Unbekannten der Hodler-Forschung wurde. Erst im Zusammenhang mit der Arbeit am jüngst fertiggestellten Werkkatalog des Malers wurde das Archiv, fünf Jahre vor Ablauf der Sperrfrist, geöffnet.

(sda/ Martin Bieri)

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