Der Kälteeinbruch Ende April 2017 machte den Himbeeren stark zu schaffen. (Bild: Telebasel)
Region

«In diesem Jahr gibt es keine Himbeeren»

Im Beeriland in Bottmingen gibt es dieses Jahr keine Himbeeren. Der Kälteeinbruch im letzen Sommer zerstörte zirka 30'000 Pflanzen.

Es war ein harter Schlag für Thomas Wiesner. Mit dem unerwarteten Kälteeinbruch Ende April 2017 fielen 80 Prozent seines gesamten Beeren-Ertrages auf einen Schlag weg. Bei den Himbeeren betrug der Ernteausfall gar 100 Prozent.

Die Freunde des «Selberpflückens» gingen also leer aus. Andere Self-Pick-Anlagen sind zwar mit einem blauen Auge davongekommen, müssen aber trotzdem jedes Jahr auf der Hut sein, um ihre Beeren zu schützen.

«Nun müssen die Kunden halt Brombeeren essen»

Dass Thomas Wiesner in diesem Jahr keine Himbeeren anbieten kann, sei ein bewusster Entscheid gewesen. Zudem sei nicht einzig der Frost Schuld, dass die Beeren auf 1,5 Hektaren abstarben. Denn: «Die Himmbeer-Pflanzen waren schon ein bisschen in die Jahre gekommen. Trotzdem hätten sie wohl noch zwei bis drei Jahre durchgehalten». Der Frost hat ihnen dann aber gleich den Rest gegeben.

Nach dem Schicksalsschlag entschied sich Wiesner, für diesen Sommer keine Ersatzpflanzen anzuschaffen. «Es war nicht so rosig, in Himbeeren zu investieren, wenn es nichts zu ernten gab. Jetzt setzen wir aber wieder. Dann sollte es im nächsten Sommer wieder gute Früchte geben.» Aber etwa 70 Aren weniger wie bisher. «Wir müssen auf die Kosten schauen», sagt Thomas Wiesner, und: «Jetzt müssen unsere Kunden halt Brombeeren essen». Er selber möge diese so oder so lieber.

Ständige Gefahr: Kirschessigfliege

Neben der plötzlichen Kälte gebe es aber noch eine Reihe weiterer Gefahren für die Self-Pick-Anlagen in der Region: Auch zu viel Regen oder zu heisse Temperaturen seien für eine ertragreiche Ernte hinderlich.

Und dann sei da noch die Kirschessigfliege. Sie habe es vor allem auf die besonders reifen Früchte abgesehen. Das Beeriland in Therwil gab bereits klein bei und schloss sein Angebot.

Lästige Kirschessigfliege: Das Beeriland in Therwil gibt es zur Zeit nicht mehr. (Bild: Screenshot)

Anders Thomas Wiesner in Bottmingen oder Paul Kellerhals, der seine Kulturen  in Füllinsdorf bewirtschaftet. Sie haben der lästigen Kirschessigfliege mit Kalk den Kampf angesagt. «Wir verwenden Kalziumhydroxid, also Löschkalk. Wenn man diesen über feuchte Blätter streut, erhöht sich so der pH-Wert», sagt Kellerhals.

Dies habe eine repellente Wirkung und würde die Mücke von der Eiablage in die Früchte abhalten. Netter Nebeneffekt: «Man hat keine Rückstände auf den Früchten und Blättern, somit können die Früchte bedenkenlos zu jeder Zeit gegessen werden», so Kellerhals weiter. Zudem würde der Löschkalk auch eine düngende Wirkung haben und gegen Pilzschäden wirken.

Die Kirschessigfliege hat es vor allem auf die besonders reifen Früchte abgesehen. (Bild: Keystone)

Trotzdem sei stetig Vorsicht geboten. Denn der richtige Zeitpunkt dürfe nie verpasst werden. «Hat sich eine grosse Menge Kirschessigfliegen angesammelt, ist es sehr schwierig, diese wieder loszuwerden.» Hygiene sei zu jeder Zeit das A und O um die Früchte über die Runden zu bringen. Dies bestätigt auch Thomas Wiesner, der ebenfalls mit Kalk gegen die Tiere vorgeht. «Wir haben uns in Italien extra eine Sprühmaschine anfertigen lassen, um den Tieren Herr zu werden.»

Gutes Erdbeer- und Brombeerjahr

Die Erdbeersaison im Beeriland in Bottmingen ist in vollem Gange. (Bild: Telebasel)

Trotz des Rückschlages und den stetigen Gefahren der Natur, können sich die Beerenbauern zur Zeit nicht beklagen. Die Erdbeerpflanzen seien zur Zeit voll behangen. Die Bedingungen ideal. «Ein bisschen Regen und den Tag über immer schönes Wetter. Die Beeren reifen gut, und es ist nicht zu heiss. Der Zuckergehalt optimal», so Thomas Wiesner.

Auch die Brombeeren seien schon bald reif. Ab zirka 10. Juli könne es losgehen.

Die Erntezeiten der verschiedenen Früchte. (Bild: Wiesner’s Beeriland Bottmingen)

Paul Kellerhals hält trotzdem fest: «Das Kultivieren von Beeren ist aufwendiger geworden und nicht mehr so einfach wie früher». Und auch Thomas Wiesner will sich noch nicht zu früh freuen. Denn: «Es braucht nur ein heftiges Gewitter mit Hagel und die ganze Ernte ist futsch».

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