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Der Beitrag in den Telebasel News vom 29. Mai 2018.

Basel

Das Leben nach der Massenkündigung

Die 92-jährige Margrit Benninger musste letztes Jahr ihre Wohnung verlassen. Sie darf aber nach der Sanierung zurück. Am Burgweg hatten man weniger Glück.

Die Kündigung kam für die Rentnerin wie ein Hammerschlag. «Für uns war das eine Zerschlagung des ganzen Netzes, das wir gehabt haben», erinnert sich Margrit Benninger. «Das kann man an einem anderen Ort nicht wieder aufbauen». 22 Mietparteien mussten aufgrund einer Sanierung die Liegenschaft an der Mülhauserstrasse 26 verlassen.

Zerrissenes Nachbarn-Netz

Die betroffenen Mieter wehrten sich aber – mit Erfolg. Es kam zu einem Kompromiss mit der Eigentümerin Immobilien Basel-Stadt. Benninger und zwei weitere Bewohner dürfen noch dieses Jahr zurück ins St. Johann. Dies zum gleichen Mietpreis, allerdings mit einem Sanierungsaufschlag im dreistelligen Bereich.

Trotzdem ist Margrit Benninger, welche die Zeit momentan in einer Kleinbasler IBS-Wohnung überbrücken darf, froh über die Rückkehr zur Liegenschaft, in der sie fast 50 Jahre ihres Lebens verbracht hatte. Wie sie betont, ist ein gewachsenes Nachbarschaftsnetz für Senioren besonders wichtig: «Es sind ja schon Leute in den Wohnungen liegen geblieben und kein Mensch hat sich darum gekümmert. Daher haben wir dafür gesorgt, dass das nicht passiert», sagt die 92-Jährige.

Ausbildung in Gefahr

Weniger Mieterglück gab’s im Wettsteinquartier. Die Eigentümerin Pensionskasse Baselland hatte den Bewohnern m Burgweg 4 bis 14 gekündigt. Für Henry Gálvez war dies ziemlich einschneidend. Die günstigen Mieten – etwa 550 Franken für zwei Zimmer – erlaubten es ihm, berufsbegleitend seine Ausbildung zu finanzieren. «Jetzt bin ich in einer gewöhnlichen Wohnung, wo ich fast das Doppelte bezahle», sagt Gálvez.

Folgenreich war die Kündigung auch für Peter Meier alias «Schoggi-Peter», der im Dezember als letzter Mieter den Burgweg verlassen musste. Er zog die Sache erfolglos bis vors Bundesgericht weiter. Zwar konnte er einen Platz in einer Genossenschaft finden, doch die finanziellen Konsequenzen und der Verlust des Nachbarschaftsnetzes gehen ihm immer noch nahe. Paradox ist in seinen Augen, dass die Wohnungen noch immer für Zwischennutzungen zur Verfügung, er aber partout raus musste.

In den Telebasel News vom Montag bis Mittwoch steht die Betroffenensicht im Mittelpunkt – Der Report am Mittwoch setzt sich mit den Bedürfnissen und Anliegen der Vermieter auseinander. Am Donnerstag und Freitag geht es in den News um die Fragen, ob überhaupt Wohnungsnot herrscht und wie neuer Wohnraum geschaffen werden kann. 

Am Samstag fassen wir die Themenwoche ab 19:15 Uhr und dann stündlich in der Wiederholung in einer einmaligen Spezialsendung zusammen. 

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