Ein Blick in die Augustinergasse in Basel. (Bild: Keystone)

Basel

Wohnungsnot in Basel-Stadt

Seit Jahren herrscht in Basel-Stadt Wohnungsnot. Hier gibt's die wichtigsten Zahlen und Fakten zum Wohnen im Kanton.

Es herrscht Wohnungsnot – seit Jahren

Am 18. August 2017 jubelte das Basler Präsidialdepartement: «Die nach wie vor hohe Wohnungsproduktion im Kanton Basel-Stadt vermochte das Bevölkerungswachstum innert Jahresfrist gut aufzufangen, so dass der Leerwohnungsbestand erneut leicht zugenommen hat. Er ist von 452 auf 546 Einheiten gestiegen. Die Leerwohnungsquote – also der Anteil leerer Wohnungen am gesamten Wohnungsbestand – liegt nach 0,4% im Vorjahr jetzt bei 0,5%.»

In den Jubel nicht einstimmen mochte der Basler Mieterinnen- und Mieterverband: «Mit 0,5 Prozent Leerstandsquote herrscht Wohnungsnot, wie schon seit Jahren», hiess es in einer ersten Reaktion auf die statistischen Zahlen.

Bereits Ende der 80er und Anfang der 90er Jahre herrschte in Basel-Stadt Wohnungsnot, zu dieser Zeit betrug die Leerstandsquote zwischen 0,2 und 0,5 Prozent. Ab Mitte der 90er Jahre erholte sich die Situation wieder, woraufhin die Quote bis ins Jahr 2005 auf 1,5 Prozent stieg. Seither ist wieder ein Abwärtstrend wahrnehmbar – mit einem Tiefststand im Jahr 2014 (0,2 Prozent).

Seit 1970 steigt die Anzahl Wohnungen im Kanton Basel-Stadt kontinuierlich. Abgesehen von einem Jahr, als die Zahl leicht rückläufig war (1996: 103’774 und 1997: 103’744 Wohnungen). Im letzten Jahr gab es gesamthaft 109’490 Wohnungen, das sind 700 mehr gegenüber dem Vorjahr.

(Grafik: Telebasel)

Vergleicht man die obenstehenden Grafiken miteinander, wird ersichtlich, dass trotz mehr Wohnungen die Leerstandsquote in den letzten Jahren nur minim zugenommen hat.

Wenig leere Wohnungen im Klybeck

Die prozentual wenigsten leeren Wohnungen gibt es in den Wohnvierteln Am Ring, Bachletten, Gotthelf, Klybeck und Matthäus – mit je einer Leerstandsquote von 0,3 Prozent. Die meisten leeren Unterkünfte gibt es hingegen in Bettingen und in den Vorstädten (je 1,2 Prozent) sowie im Clara-Viertel (0,9 Prozent).

(Grafik: Telebasel)

Mit einer Anzahl von 11’153 Wohnung ist das Gundeli das Quartier mit den meisten Residenzen. An zweiter Stelle folgt Riehen (10’340) und an dritter St. Johann (10’077). Die wohnungs-ärmsten Viertel, beziehungsweise Gemeinden, sind: Bettingen (503), Kleinhüningen (1’361) und Grossbasler Altstadt (1’435).

(Grafik: Telebasel)

Wohnfläche nimmt wieder ab

Die durchschnittliche basel-städtische Wohnfläche pro Person hat von 1980 bis 2010 um sechs Quadratmeter zugenommen (von 36 auf 42,1 Quadratmeter). Nachdem die Wohnfläche bis ins Jahr 2010 noch kontinuierlich gestiegen ist und einen Höchststand erreicht hat (42,1 Quadratmeter), müssen sich die Basler in den letzten Jahren wieder mit weniger Fläche begnügen:

(Grafik: Telebasel)

Schweiz: So viele leere Wohnungen wie noch nie

Blickt man jedoch auf die gesamte Schweiz wird ersichtlich, dass so viele Wohnungen wie noch nie leer stehen. Am 1. Juni 2017, dem Stichtag der Leerwohnungszählung des Bundesamts für Statistik, waren 64’893 Wohnungen unbesetzt. Das sind 15 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Leerwohnungsziffer betrug per Stichtag 1,47 Prozent. Sie ist im achten Jahr in Folge angestiegen. Im Vorjahr lag die Ziffer noch bei 1,3 Prozent.

Die höchste Leerwohnungsanteil war mit 2,89 Prozent im Kanton Solothurn zu beobachten. Darauf folgten die Kantone Appenzell Innerrhoden (2,36 Prozent) und Aargau (2,34 Prozent). Wie bereits im Vorjahr wurden prozentual am wenigsten Leerwohnungen im Kanton Zug registriert (0,43 Prozent). Nur wenig höher war der Anteil in den Kantonen Basel-Stadt (0,5 Prozent) und Genf (0,51 Prozent).

Vier Wohn-Initiativen

Gleich mit vier Initiativen wollen der Mieter-Verband, linke, soziale und kirchliche Organisationen nun in die Wohnpolitik des Kantons Basel-Stadt eingreifen. Mit den Vorlagen sollen Mieterrechte gestärkt, mietgünstige Liegenschaften vor dem Abriss oder teuren Sanierungen bewahrt, das Recht auf eine Wohnung als Menschenrecht in der Verfassung festgesetzt werden. Die Bürgerlichen, Arbeitgeber- und Hausbesitzerverbände lehnen die Initiativen ab. Am 10. Juni wird dann darüber abgestimmt.

Telebasel Themenwoche

In den Telebasel News vom Montag bis Mittwoch steht die Betroffenensicht im Mittelpunkt – Der Report am Mittwoch setzt sich mit den Bedürfnissen und Anliegen der Vermieter auseinander. Am Donnerstag und Freitag geht es in den News um die Fragen, ob überhaupt Wohnungsnot herrscht und wie neuer Wohnraum geschaffen werden kann. 

Am Samstag fassen wir die Themenwoche ab 19:15 Uhr und dann stündlich in der Wiederholung in einer einmaligen Spezialsendung zusammen. 

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Was geschah bisher