(Keystone) / (Symbolbild: Keystone)
Schweiz

Berner Forschende sind dem Malaria-Parasiten auf der Spur

Forschende an den Universitäten Bern und Glasgow haben neue Erkenntnisse dazu gewonnen, wie sich der Malaria-Parasit im menschlichen Körper verhält.

Menschen, die mit Malaria infiziert sind, können zu Überträgern der Tropenkrankheit werden ohne selbst krank sein zu müssen – dann, wenn sie von einer nicht infizierten Mücke gestochen werden. Um die Infektionskrankheit dereinst ausrotten zu können, ist es wichtig zu verstehen, wie sich der Malaria-Parasit im menschlichen Körper verhält.

Die Infektionskrankheit Malaria gleicht einem Thriller, der sich im menschlichen Körper abspielt: Hauptakteur ist ein Parasit der Gattung Plasmodium. Die Parasiten werden durch den Stich infizierter weiblicher Anopheles-Mücken auf den Menschen übertragen. Dort vermehren sie sich im Blutkreislauf, zunächst ungeschlechtlich.

Hinterhältig an der weiteren Übertragung ist, dass Menschen nach einem solchen Mückenstich zwar infiziert sein können, aber nicht krank sein müssen. Äusserlich völlig unauffällig werden sie zu idealen Überträgerinnen und Überträgern, weil sie bevorzugt von Mücken gestochen werden, die das infizierte Blut aufnehmen und den Parasiten weiter verbreiten. Dazu haben in ihrem Inneren die Parasiten eine fatale Wandlung durchgemacht.

Rückzugsort Knochenmark

Ein Teil der Parasitenpopulation wandelt sich im infizierten Menschen in geschlechtliche Formen um – sogenannte weibliche und männliche Gametozyten. Diese zirkulieren im menschlichen Blut, bis sie von einer weiteren uninfizierten Mücke aufgenommen und weiter verbreitet werden.

Bereits bis anhin war klar, dass im menschlichen Blut nur reife Gametozyten zirkulieren. Ein Rätsel war bis jetzt aber, wo im Menschen sich die jungen Gametozyten verstecken um über mehrere Tage zu reifen. Denn der Mensch verfügt mit der Milz über ein Kontrollorgan, das die Gametozyten austricksen müssen.

Noch jung und unreif sind Gametozyten nämlich steif; würden sie im Blut frei zirkulieren, würde die Milz sie herausfiltern und entfernen. Um dem zu entgehen, ziehen sich Gametozyten zu einem sehr frühen Zeitpunkt ins Knochenmark des infizierten Menschen zurück. Auch dies haben Forscher bereits vermutet.

Doch jetzt haben die Forschenden in Bern und Glasgow gemeinsam herausgefunden, wie die Gametozytenbildung genau funktioniert: Mariana De Niz hat mit ihrer Doktorarbeit in Bern und dann als Postdoc in Glasgow die Expertise beider Teams vereint. In Filmaufnahmen zeigt sie, wie sich geschlechtliche Parasitenformen durch Blutgefässe zwängen und sich dann im Knochenmark etablieren.

Dort profitieren sie von einem optimalen Nährstoffangebot: Sie bedienen sich sogenannter Makrophagen, Ammenzellen, die eigentlich die Entwicklung neuer roter Blutzellen unterstützen sollen.

Übertragung blockieren

Nächster Schritt der Forschenden soll nun sein, «die Parasiten an eben dieser Wanderung zu hindern», lässt sich Volker Heussler, Professor am Institut für Zellbiologie der Universität Bern in einer Medienmitteilung der Uni von Mittwoch zitieren.

Und Professor Matthias Marti von der Universität Glasgow ergänzt, bei mit Malaria infizierten Personen solle gezielt dagegen vorgegangen werden, «dass sich Parasiten im Knochenmark einnisten». Damit kann zwar die infizierte Person die Malaria nicht loswerden, aber diese Person würde kein Malaria mehr übertragen, heisst es in der Mitteilung der Universität Bern weiter.

Das Ziel ist also, die Übertragung von Malaria zu blockieren. Dies sei «ein wichtiger Aspekt bei der Ausrottung von Malaria» – vor allem vor dem Hintergrund, dass in den Malariagebieten viele Infizierte nicht krank und deshalb klinisch unauffällig sind.

«Nur wenn diese klinisch unauffällige Population von Malaria-infizierten Personen erfolgreich behandelt werden kann, ist eine Ausrottung dieser Tropenkrankheit überhaupt möglich», schreibt die Uni Bern in der Mitteilung. Die Basis für die Forschung auf diesem laut Universität Bern neuen Gebiet sei durch die nun im Fachjournal «Science Advances» publizierte Arbeit gelegt.

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