Die Vollgeld-Initiative würde derzeit von einer Mehrheit des Volks abgelehnt.

Schweiz

Nein-Trend bei Vollgeld-Initiative

Bei der Abstimmung über das Geldspielgesetz zeichnet sich eine knappe Entscheidung ab. Die Vollgeld-Initiative würde derzeit von einer Mehrheit abgelehnt.

Das zeigt die zweite Tamedia-Umfrage zu den eidgenössischen Abstimmungen vom 10. Juni.

Wäre Mitte Mai entschieden worden, hätten 47 Prozent der Befragten «eher Nein» oder «Nein» gestimmt zum Geldspielgesetz. Ebenfalls 47 Prozent würden der Vorlage bestimmt oder eher zustimmen. 6 Prozent der Befragten haben sich noch nicht entschieden.

Damit hat das Lager der Befürworter seit der letzten Umfrage Ende April aufgeholt. Damals hatten 53 Prozent der Befragten das Geldspielgesetz abgelehnt. 42 Prozent sprachen sich für ein Ja aus.

Das vom Parlament verabschiedete Gesetz sieht vor, dass Schweizer Casinos künftig Geldspiele im Internet anbieten dürfen, ausländische Online-Casinos aber gesperrt werden. Weil dafür Netzsperren nötig wären, ergriffen Jungparteien das Referendum. Bundesrat, Parlament und Kantone sprachen sich hingegen einhellig für das Gesetz aus.

Graben zwischen Generationen

Wenig überraschend lehnen die Altersgruppen 18 bis 34 Jahre und 35 bis 49 Jahre das Gesetz am deutlichsten (54 beziehungsweise 49 Prozent) ab, wie die am Freitag veröffentlichten Resultate der Tamedia-Umfrage zeigen. Derweil stimmen die über 65-Jährigen der Vorlage mit klar 60 Prozent zu.

Am meisten Unterstützung erhält das Gesetz von Sympathisanten der CVP, Grünen und SP mit 58, 56 und 48 Prozent Ja-Absichten. Nahestehende der anderen Parteien lehnen die Vorlage derzeit ab. Am deutlichsten verwerfen Anhänger der SVP und der Grünliberalen das neue Gesetz.

Zudem dürfte sich der Röstigraben im Abstimmungsresultat abbilden. In der Deutschschweiz ist die Ablehnung am stärksten. Hingegen würde die Vorlage in den französisch- und italienischsprachigen Kantonen derzeit angenommen.

Nein-Lager wächst

Bei der Vollgeld-Initiative geht der Trend rund drei Wochen vor der Abstimmung in Richtung Nein. Bei der letzten Umfrage im April lagen Ja- und Nein-Stimmen noch im Gleichgewicht.

Um das geht es bei der Vollgeld-Initiative:

(Video: Telebasel)

Doch das Nein-Lager hat zugelegt: Heute würden 54 Prozent heute eher oder bestimmt ein Nein in die Urne legen, nach 45 Prozent im April. Zugleich schrumpfte das Lager der Befürworter von 42 Prozent auf 39 Prozent. Unschlüssig sind 7 Prozent.

Die Vollgeld-Initiative verlangt, dass nur noch die Nationalbank Buchgeld schaffen darf, Geschäftsbanken aber nicht mehr. Damit soll das Finanzsystem stabilisiert werden. Hinter der Initiative steht der Verein Monetäre Modernisierung (MoMo).

Grüne sagen deutlich Ja

Nur Sympathisanten der Grünen stimmen der Initiative deutlich zu. Von ihnen würden aktuell 65 Prozent ein Ja und 22 Prozent ein Nein in die Urne legen. Nahestehende der SP sind gespalten und halten sich mit einem Anteil von 47 Prozent Ja- und 45 Prozent Nein-Stimmen die Waage. Die stärkste Ablehnung zeigt sich bei Wählern der FDP mit 68 Prozent, BDP mit 64 Prozent, und SVP mit 60 Prozent Nein-Stimmen.

In einer klaren Mehrheit sind die Gegner der Vollgeld-Initiative nur in der Deutschschweiz. In der Romandie und in der italienischsprachigen Schweiz gibt es derzeit fast gleich viele Befürworter wie Gegner.

5 Kommentare

  1. es wird/wurde gelogen, dass sich die balken biegen/bogen: der schuldenminister sprach von “unseren banken, die absolut-top-seriös arbeiten”: banken gehören nicht mal in einem kommunistischen land den leuten. wären die banken UNSer eigentum, dann würde deren geldherstellung UNS ALLEN zu gute kommen. der schöpfungsgewinn der CHF geht heute aber primär in ausländische taschen von personen, die wir gar nicht kennen.
    VOLLgeld ist also DIE chance für eine demokratischere CH-Landeswährung.
    wir schweizer/innen haben schon gewonnen bezüglich mehr wahrheit im geldbereich (fake in lehrbüchern müssen umgeschrieben werden). diese wichtige arbeit muss weitergehen – bitte nicht locker lassen.Report

  2. Wenn die Schweizer erkennen würden, dass mit der Revision der Bundesverfassung im Jahr 1999 eigentlich die illegale Geldherstellung, also die Geldschöpfung, der Geschäftsbanken legalisiert würde, sähe das Resultat wohl anders aus! Die Gegner von Vollgeld arbeiten leider mit Lügen, Angstmacherei und unlauteren Mitteln. Sogar im offiziellen Abstimmungsbüchlein sind 20 Punkte schlichtweg falsch dargelegt! Beschwerde läuft! Ich stimme JA für die Initiative, weil ich genug habe von Bankenrettung, Casino-Spekulation und Neoliberal gesteuerter Politik! Für die einfachen Sparer und KMU’s und Gegen Hochfinanz und Grossaktionäre! VOLLGELD JA!
    R.Bloch, FrickReport

  3. Wer soll unser Geld herstellen? Niemand würde wollen, dass private, profitorientierte Banken selber Banknoten drucken können. Und allen ist klar, dass es uns allen und der Dtabilität zugute kommt, wenn nur die Nationalbank diese herstellt.Report

  4. Verrückte Welt. Jetzt soll Schweizer Franken der Schweizerischen Nationalbank ein “Experiment” sein? Das ist doch das Normalste, was die Vollgeld-Initiative fordert! Mit propagandistischer Wiederholung und Verwirrspielen gelingt es scheinbar doch, soviel Verunsicherung bei den Stimmbürgern zu schaffen, dass das Nein überwiegt. Schade! Hoffentlich ändert sich das noch.Report

  5. Wenn die Geldschöpfung demokratisch legitimiert ist und den Bedürfnissen der Allgemeinheit entsprechend gesteuert wird, dient sie der ganzen Bevölkerung und trägt zu einer Gesundung der Finanzwirtschaft bei. Dies ist dringend nötig und wird von vielen eingesehen. Deshalb Ja zu Vollgeld.Report

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Auch interessant