Sorgte für Ärger in der Nau.ch-Redaktion: Der Artikel über die Gründe des Stromausfalls im Joggeli vom 7. März 2018. (Screenshot)

Basel

Kündigungsflut bei Nau.ch

Kurz nach der Lancierung des Newsportals «Nau.ch» hängt der Haussegen schief: fast die ganze Regionalredaktion Basel hat nach internen Differenzen gekündigt.

Gross war die Spannung bei der Lancierung des Newsportals «Nau.ch» im vergangenen Oktober. Mit Zugang zu zahlreichen Bildschirmen in Trams, Bussen und vor allem Tankstellen in der Schweiz wollte das Portal die Werbekunden um sich scharen.

Viel Live, viel Bewegtbild, direkt aus den Regionen der Schweiz – so wollte man sich von der Konkurrenz abheben. Eigens dafür hat man in St. Gallen, Zürich, Bern oder Basel Lokalredaktionen aufgebaut. «Hyperlokal», sei die Devise, sagte CEO Yves Kilchenmann gegenüber der «Handelszeitung».

Auflösungserscheinungen in Basler Redaktion

Heute wird klar: Spannung gab es einzig intern. Während der Auftritt von Nau.ch in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen wurde, rumorte es im Team umso mehr. Von der anfänglich fünf-Personen-starken Basler Redaktion hätten deren vier bereits wieder gekündet. Übrig geblieben sei einzig ein Praktikant, hiess es Gerüchten zu Folge. Dem Vernehmen nach hätten sowohl der Leiter der Redaktion, Fabio Back, wie auch die zweite Reporterin, Katja Kopyto, gekündet. Ebenfalls nicht mehr angestellt seien zwei der drei Praktikanten.

Stromausfall-Story führt zu Differenzen

Auf Anfrage von Telebasel bestätigt der ehemalige Leiter der Basler Redaktion, Fabio Back, die Gerüchte um seinen Abgang: «Ja, ich arbeite nicht mehr für Nau.ch». Auch die Abgänge von Kopyto und zweier Praktikanten seien Tatsache.

Die umstrittene Passage:

Der journalistische Coup stellte sich als Ente heraus. (Screenshot)

In der Journalisten-Szene wird schon länger spekuliert, dass der Grund für Backs Abgang mit der Berichterstattung von Nau.ch zum Stromausfall im Basler Joggeli zusammenhängt. In einem vielbeachteten Artikel glaubte Nau.ch-Chefredaktor Micha Zbinden zu wissen, dass der Stromausfall im Match gegen den FC Zürich von den FCB-Fans mutwillig herbeigeführt worden sei. Es schien der erste investigative Coup des jungen Newsportals zu werden. Doch: Die Behauptung entpuppte sich als falsch, Zbinden fühlte sich gar genötigt, sich in einem öffentlichen Brief zu entschuldigen. Anstatt einem Coup hagelte es Hohn und Spott.

Back zieht den Stecker

Pikant: Lokalchef Back habe Zbinden im Vorfeld mehrmals darauf aufmerksam gemacht, dass seine These mit den Stecker-ziehenden FCB-Fans einem Faktencheck nicht standhalte und distanzierte sich von der Geschichte. Trotzdem sei der besagte Artikel ohne Wissen von Back aufgeschaltet worden. Der darauffolgende Shitstorm in den Sozialen Medien zielte jedoch nicht nur auf Autor Zbinden oder «Nau.ch», sondern eben auch auf Lokalchef Back.

Sogar Vertreter vom FCB hätten sich bei Back über die unhaltbare These beschwert und ihn als Verantwortlichen für den Raum Basel mitverantwortlich gemacht. Da die interne Aufarbeitung mit Chefredaktor Zbinden für Back kaum zufriedenstellend verlief, zog er, Ironie der Geschichte, noch in derselben Woche selbst den Stecker.

Back selbst wollte keine Details kommentieren, die Schilderungen von Telebasel würden jedoch in «die richtige Richtung» gehen. Chefredaktor Zbinden hingegen wollte zum Abgang Backs nicht persönlich Stellung nehmen. Die Medienstelle von «Nau.ch» bestätigte die vier Abgänge auf der Basler Redaktion, versicherte jedoch, dass «Basel bei ‹Nau.ch› weiterhin journalistisch sorgfältig und mit Freude betreut» werde.

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