Stress am Arbeitsplatz: 35% der Arbeitnehmer fühlen sich meistens oder immer erschöpft, so eine Studie des Staatssekretariats für Wirtschaft 2015 (Bild: zVg)
Basel

Arbeiten wir uns krank, Herr Baer?

Alarmierende Zahlen von der Arbeitsfront: Die psychischen Erkrankungen haben massiv zugenommen. Im Talk: Niklas Baer von der Psychiatrie Baselland, ab 18.40.

Macht Stress krank? Erstmals präsentierte die «NZZ am Sonntag» konkrete Zahlen. Laut einer unveröffentlichten Analyse der Krankenversicherung Swica haben die psychischen Erkrankungen um 35 Prozent zugenommen. Erhoben wurden dazu die Ausfälle bei der Arbeit. «Wir beobachten diese Entwicklung mit Besorgnis», zitierte die NZZ Roger Ritler, Direktionsmitglied der Swica. «Vor allem die zunehmende Verbreitung der psychischen Leiden erachten wir als bedenklich. Denn es ist derjenige Krankheitsbereich, auf den die Firmen den grössten Einfluss nehmen können.»

Auch bei den Erkrankungen am Bewegungsapparat sei ein dramatischer Anstieg von 30 Prozent zu verzeichnen – unter anderem Rheuma und chronische Schmerzen, welche oft ebenfalls psychische Ursachen hätten. Die NZZ schreibt: «Swica ist der grösste Anbieter von Krankentaggeldversicherungen in der Schweiz. Aufgrund der rund 30’000 angeschlossenen Firmen mit 600’000 Mitarbeitern kann sie auf einen grossen Datenpool zurückgreifen: Fehlt ein Angestellter wegen Krankheit, wird dies unmittelbar im System erfasst.»

Milliardenkosten für die Wirtschaft

Der Befund wirft nicht nur ein Licht auf persönliche Dramen. Es geht auch um viel Geld. Laut einem Bericht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), – so berichtete es der Tagesanzeiger 2014 – «verursachen psychische Krankheiten der Schweizer Wirtschaft Kosten in der Höhe von etwa 3,2 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP). Das sind schätzungsweise 19 Milliarden Franken pro Jahr.»

Sich krankschreiben lassen, kann die Probleme verstärken

Auch der Psychologe Niklas Baer von der Psychiatrie Baselland wird im NZZ-Artikel als Experte zitiert. So endeten Zweidrittel aller psychischen Erkrankungen mit der Kündigung. Wer krank geschrieben werde – etwa wegen Erschöpfungszuständen -, empfinde dies oft zunächst mal als Entlastung. Aber Baer warnt: Oft könne das Krankschreiben die Probleme im weiteren Verlauf noch verstärken: «Je länger eine Person am Arbeitsplatz fehlt, desto unwahrscheinlicher wird eine Rückkehr. Die Unmut von Kollegen und Vorgesetzten nimmt zu, ebenso die Angst des Mitarbeiters vor einem solchen Schritt.»

Nimmt der Druck am Arbeitsplatz tatsächlich zu? Was verursacht in der heutigen Arbeitswelt besonders viel Stress? Wie sollen wir reagieren, wenn wir uns dauernd müde oder überfordert fühlen? Wie müssen die Geschäftsleitungen reagieren? Im Talk: Niklas Baer, Psychologe von der Psychiatrie Baselland, ab 18.40 Uhr.

1 Kommentar

  1. Der Umgang mit psychisch auffälligen Menschen wird in der Hierarchie oft auf der mitarbeiter-
    Ebene nicht gewährleistet. Die Vorgesetzten machen dennoch viel, jedoch nicht immer das richtige. Oder die eintrainierte Rücksichtnahme gegenüber besonderen Mitarbeiter wird dan von gleichgestellten Mitarbeiter wieder unwirksam gemacht, aus Neid, Gier, Eifersucht, Angst vor ungerechter Behandlung mit Mobbing. Wenn das Problem mit einem Mitarbeiter zum Vorgesetzten besteht, wird eine Supervision oft wirksam. Doch hinter dem Rücken des Chefs werden die sozial Schwächsten, nicht die kränksten Mitarbeiter, in mitleidenschaft gezogen. Der Vorgesetzte ist mit dem Problem konfrontiert in seiner Abwesenheit fairness im Team zu kultivieren. Dan werden oft kalte Konflikte aufgewärmt oder der Vorgesetzte versucht die friktionen mit der Kündigung der problematischen Mitarbeiter, eliminieren glauben zu können. Etc.Report

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