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Der Telebasel News Beitrag vom 23. April 2018.

Basel

Mexikanische Heilige kämpft gegen Basler Neubau

Santa Mari la Juaricua ist die Schutzheilige gegen höhere Mieten und Gentrifizierung. Bewohner der Mattenstrasse erhoffen sich nun von ihr ein Wunder.

Sie trägt eine schicke Brille und einen Sombrero – und kämpft gegen Hipstertum, Quartieraufwertung und steigende Mieten. Die Rede ist von San Mari la Juaricua, der Schutzpatronin gegen die Gentrifizierung. Die Idee geht auf den Bildhauer Jorge Baca aus Mexiko-Stadt zurück. Inspiriert von Ideen der lateinamerikanischen Befreiungstheologie, lancierte er diese «anarchistische und profane Heilige», wie er sie nennt, als soziales Experiment. Sein Anliegen war es, in Quartieren wie Juárez und Santa María la Ribera ein Zeichen gegen die Verdrängung zu setzen.

Schutzpatronin gegen Verdrängung

Die Schutzheilige hat aber längst den Atlantik überquert. Nun steht ihr Altar auch an der Mattenstrasse 74 und 76. Das hat seinen Grund: Geht es nämlich nach der Eigentümerin, dem Vinzenzverein St. Marien, soll das Häuserensemble aus dem späten 19. Jahrhundert einem Neubau weichen.

Zurzeit wohnen und arbeiten rund dreissig Leute zu günstigen Preisen im alten Häuserensemble. Sie befürchten, dass dies mit Mieten für Neubauwohnungen nicht mehr möglich sein wird. Daher reichten Bewohner im März eine Petition, das Ensemble unter Denkmalschutz zu stellen, mit 4000 Unterschriften ein.

Mieterschaft fordert sanfte Sanierung

«Wir möchten, dass daraus eine Genossenschaft gemacht wird, damit die Liegenschaft auch kommenden Generationen zu günstigen Mieten zur Verfügung steht», sagt etwa die Bewohnerin Luisa. Dabei wolle man die Häuser gerne sanft sanieren lassen und je nach dem auch verdichten.

Für Dominik Büchel, Präsident des Vinzenzverein St. Marien, ist dieser Vorschlag derzeit keine Option. Um langfristig «zukunftsfähigen Wohnraum» zu garantieren, habe man sich für einen Neubau entschieden. «Wir haben aber nie gesagt, es sei die einzige Option – es ist einfach  zurzeit die beste für uns.»

Das Baugesuch muss noch vom Bauinspektorat überprüft werden. Eine Frage, die dort vielleicht noch geklärt werden muss: Eines der Gebäude, die Nummer 74, gerade noch auf der Grenze zur Schutzzone des Ortsbild- und Denkmalschutz.

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