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Mit solchen Trachten nehmen die Zünfter und ihre Ehrengäste am Umzug teil. (Bilder: Keystone)

Schweiz

Der grosse Stolz von Zürich

Was dem Basler die Fasnacht, ist dem Zürcher das Sechseläuten. Aber was steckt hinter diesem Zürcher Brauch?

Seit 1991 wird jedes Jahr ein anderer Kanton als Gast ans Sechseläuten nach Zürich eingeladen. 25 Jahre nach dem ersten Auftritt von Basel-Stadt wurde der Halbkanton dieses Jahr erneut eingeladen.

Die Tradition findet jährlich während vier Tagen Mitte oder Ende April statt. Die Festivitäten dauern vom Freitag bis Montag und enden mit der Verbrennung des Bööggs am Montag um 18 Uhr auf dem Sechseläutenplatz direkt neben dem Zürichsee.

Basel-Stadt kommt an

Am Freitag bezieht der Gastkanton den Lindenhof und präsentiert mit einem bunten Programm kulinarische und kulturelle Spezialitäten. Am Samstag haben Besucherinnen und Besucher jeweils die Möglichkeit, das vom Gastkanton vorgesehene Programm zu nutzen.

Unter dem Motto «Basler Hochkultur & Alltagskunst» können Kinder eine erste Lektion in Pfeifen und Trommeln erleben. Im grossen Festzelt, in dem unter anderem «Suure Mogge» und «Gallerte mit Öhrli und Schnörli» angeboten werden, sind Auftritte zahlreiche Basler Musikformation vorgesehen. Auf dem Lindenhof entsteht auch das Gastgeschenk: Der Künstler Christoph Knöll gestaltet eine Basler Fasnachtslaterne.

Der Sonntag gehört dann den Kleinen. Der traditionelle Kinderumzug lädt Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 5 und 15 Jahren dazu ein, gemeinsam mit 800 Musikanten durch die Stadt zu ziehen. 3000 Teilnehmer zählt der Umzug jedes Jahr. Die Kinder tragen dabei eine Tracht oder ein historisches Kostüm. Da nicht jeder so ein Kostüm zuhause im Schrank liegen hat, kann man sich  die Trachten auch mieten. Nach dem Kinderumzug erhalten die Kinder ein Zvieri-Säckli und ein Bhaltis.

Bis der Schneemann explodiert

Am Montag folgt mit dem Zug der Zünfte und dem Anzünden des Bööggs das Highlight. Seit dem 15. Jahrhundert spricht man in Zürich vom Böögg. Ursprünglich sind Bööggen, Larven tragende oder sonst vermummte Personen, die Kinder erschrecken, Unfug treiben oder bettelnd durch die Strassen ziehen. Bereits im 18. Jahrhundert wurden Bööggs verbrannt, damals glich die Figur aber einer vermummten Schreckgestalt und nicht einem Schneemann.

Ab 1902 wird der Böögg, so wie man ihn heute kennt, auf dem Sechseläutenplatz verbrannt. Der Brauch besagt, je länger es dauert bis der mit Holzwolle und Knallkörpern gefüllte künstliche Schneemann expoldiert, desto schöner wird der Sommer.

Zuvor nehmen die 25 Zürcher Zünfte mit ihren rund 3500 Zünftern, den Ehrengästen, über 350 Reiter, rund 50 von Pferden gezogene Wagen und gegen 30 Musikkorps an einem Umzug durch die Zürcher Innenstadt teil.

Den Winter vertreiben

Das Fest geht auf drei unterschiedliche Wurzeln zurück. Da wären zum einen die Zünfte, die das politische militiärische und soziale Leben in Zürich seit über 450 Jahren prägen. Der zweite Grund ist pragmatischer: Im Sommer wurde mit dem «Sechs-Uhr-Läuten» das Ende der Arbeitszeit angezeigt, während im Winter aufgrund der Lichtverhältnisse nur bis fünf Uhr gearbeitet werden konnte. Schlussendlich stellt das Sechseläuten das Verbrennen des Winters als Sinnbild für den Beginn der wärmeren Jahreszeiten dar.

(sda/yge)

In einem Live-Ticker erfahren Sie am Montag ab 14 Uhr alles zum Sechseläuten online auf Telebasel.

1 Kommentar

  1. “Der Brauch besagt, je länger es dauert bis der mit Holzwolle und Knallkörpern gefüllte künstliche Schneemann expoldiert, desto schöner wird der Sommer.”

    Nein: Je schneller der Kopf weg ist, desto besser wird er!

    Grüessli us ZüriReport

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