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Der Telebasel News Beitrag vom 12. April 2018.
Basel

Mehr Alte hinter Gittern

31 Häftlinge verbüssen im Basler Gefängnis Bostadel lebenslängliche Haftstrafen oder Verwahrung. Sie leben und arbeiten bis zum Lebensende im Gefängnis.

Die Strafanstalt Bostadel liegt mitten in der Idylle der kleinen Zuger Gemeinde Menzingen. Sie hat Platz für 120 Insassen, aktuell sitzen 108 Männer hier hinter Gittern. Jeder hat eine Einzelzelle, neun Quadratmeter gross. Aufgrund der längeren Haftstrafen werden die Insassen immer älter, erklärt Gefängnisdirektor Andreas Gigon.

«Der Gefangene, der am längsten einsitzt, der hat mittlerweile 34 Jahre hier. Man muss sich vorstellen, es ist ein enger Raum. Er war aber nicht die ganze Zeit bei uns, sondern auch in anderen Anstalten. Die, die am längsten bei uns im Bostadel sind, das sind zwei, die sind 16 Jahre in so einer Zelle.»

Ein Dorf im Gefängnis

31 Insassen verbüssen im Bostadel lebenslängliche Strafen oder gar Verwahrung. Das hat Auswirkungen auf die Altersstruktur. Zwölf Insassen sind über 60 Jahre alt. Vor zehn Jahren war es noch einer. Im Gefängnis herrscht Arbeitspflicht. Fünf Tage die Woche, je sechs Stunden, Ferien gibt es keine. IV und AHV auch nicht. Es wird also gearbeitet bis zum Lebensende. Sechs Arbeitsabteilungen gibt es insgesamt. Zum Beispiel Metallverarbeitung oder Malereibetrieb.

Bis maximal 350 Franken kann ein Insasse damit verdienen. Mit dem Geld kann er sich im hauseigenen Kiosk mit allem eindecken, was man so für die Lebenserleichterung braucht. Innerhalb des Gefängnisses hat es auch ein Fitnessstudio, einen Coiffeursalon, einen Schul- und Sozialdienst für Resozialisierungszwecke, eine Gesundheits- und eine Zahnarztabteilung. Zu Essen gibt es drei Mal täglich.

Essen als Prüfung

Das Essen wird gemeinsam eingenommen im Bostadel. Ganz im Gegensatz zu anderen Gefängnissen, in denen auf der Zelle gegessen wird. Für Andreas Gigon ist das gemeinsame Essen ein wichtiger Sozialindikator. «Das ist sicher herausfordernd, aber im Zusammenhang mit der Resozialisierung sinnvoll. Hier sieht man, wie sich einer im Kollektiv benimmt. Z.B. kann er anstehen. Wie benimmt er sich hier drin. Das sind gute Indikatoren, damit wir wissen, ob einer bereit ist für den nächsten Schritt nach draussen oder er noch am Anfang ist.»

Dass jemand den Bostadel als freier Mann verlässt, kommt praktisch nie vor. Wenn der Insasse so weit sei, sei es möglich, dass er in einen offenen Vollzug und damit in eine andere Anstalt verlegt wird.

Das ganze Programm zum Thema finden Sie im Dossier «Themenwoche: Hinter Gittern».

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