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Der Telebasel News Beitrag vom 09. April 2018.
Baselland

Plötzlich im Knast

Nach einer Straftat beginnt für mutmassliche Täter die Untersuchungshaft. Das alte Leben rückt in weite Ferne, Kontakt zur Aussenwelt ist verboten.

33 Untersuchungshäftlinge sitzen derzeit im Gefängnis Muttenz ein. Jeder, der mutmasslich im Kanton Basel-Landschaft eine Straftat verübt, kommt in eines der fünf Gefängnisse im Kanton. Von einer Minute auf die andere ändert sich für die Inhaftierten das Leben komplett. Gefängnisleiter Martin Gisin weiss, was das bedeutet. Vor allem finanziell.

«Das hängt davon ab, ob er den Wohnsitz im Ausland hat oder nicht und ob der Inhaftierte Geld hat oder nicht. Wenn er den Wohnsitz im Ausland hat, dann passiert nicht viel. Wenn er Gesundheitskosten hat, übernehmen wir diese. Wenn er den Wohnsitz in der Schweiz und Geld hat, dann muss er es selber finanzieren. Und wenn er kein Geld hat, dann schauen wir, wer es bezahlen muss, der Sozialdienst oder die Sicherheitsdirektion.»

Haft bedeutet persönlichen Ruin

Hat der Gefangene nicht genug Geld auf dem Konto, werden Wohnung und Abonnemente gekündigt. Nicht selten kann er laufenden Forderungen nicht mehr nachkommen und wird betrieben. Im Gefängnis ändert sich sein Leben komplett. Bis zu 18 Stunden verbringen Untersuchungshäftlinge in ihren Zellen. Abwechslung verspricht hier der Arbeitsalltag. Doch die Plätze sind beschränkt Nur sieben Häftlinge können täglich einer Arbeit nachgehen und sich etwas dazuverdienen.

Eine Stunde täglich dürfen die Häftlinge an die frische Luft. Betreuter Sport ist zwei Mal in der Woche möglich. Eine weitere Beschäftigungsmöglichkeit, um dem monotonen Alltag zu entrinnen, ist die Küchenarbeit. Hier können Häftlinge portionieren und das Essen verteilen.

Kein Kontakt zur Aussenwelt

Die Untersuchungshaft gilt als besonders hart. Kontakt zur Aussenwelt dürfen die Inhaftierten nämlich praktisch keinen haben. Einmal pro Woche haben sie eine Stunde Anrecht auf Besuch. Dieser ist aber beschränkt auf ein Gespräch mit Trennscheibe, damit nichts übergeben werden kann.

Auch ist immer eine Person dabei, die das Gespräch überwacht, damit nicht über das Verfahren geredet wird. Im schlimmsten Fall bedeutet das für den Häftling, dass er zwei Jahre lang keinen physischen Kontakt zu Familie und Angehörigen haben darf. So lange dauert nämlich die Untersuchungshaft maximal.

Für viele ist der Alltag im Untersuchungsgefängnis aber erst der Anfang. Nach dem Verfahren werden einige der verurteilten Häftlinge auf andere Vollzugsanstalten in der Schweiz verteilt. Dort treten sie dann ihre jeweiligen Haftstrafen an.

Das ganze Programm zum Thema finden Sie im Dossier «Themenwoche: Hinter Gittern».

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