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Joël von Mutzenbecher wurde quasi Zeuge des letzten spektakulären Gefängnis-Ausbruchs in Basel. (Video: Joël von Mutzenbecher)

Basel

«Bei mir wurde gerade ausgebrochen»

Filmreife Gefängnisausbrüche gab es auch in Basel. Comedian Joël von Mutzenbecher erlebte den letzten grossen Coup hautnah.

Da staunte der heute 30-jährige Comedian nicht schlecht, als sein Nachbar Pascal Suter etwas verdutzt vor der Türe seiner Wohnung stand und nach einem Bier fragte. Es war am Sonntag, 19. August 2012, als er nach Suter, quasi Zeuge des letzten Ausbruchs aus dem Basler Untersuchungsgefängnis Waaghof wurde.

Beitrag in den Telebasel News vom 20. August 2012:

(Video: Telebasel) 

Doch der Reihe nach: Der Basler Comedian Joël von Mutzenbecher hauste bis vor zwei Jahren in einer Zweizimmerwohnung auf rund 45 Quadratmeter an der Innere Margarethenstrasse 24a. Soweit keine Besonderheit. Doch wurde seine Nachbarwohnung, welche an das Untersuchungsgefängnis angrenzt, schon im Jahr 2003 zwecks Flucht von Häftlingen missbraucht. Und genau dies geschah neun Jahre später wieder. Selbe Wohnung, selbe Stelle, gleicher Fluchtweg. Und das trotz einer knapp 4 Millionen Franken Investition, welche das Gefängnis an der Heuwaage hätte sicherer machen sollen.

«Er verlangte ein Bier und trank es in einem Schluck»

«Ich weiss noch, dass ich an jenem Nachmittag Sushi holen ging. Bei der Rückkehr hörte ich meinen Nachbar Pascal Suter, wie er ins Telefon schrie, dass er ein Loch in der Decke hat», erinnert sich von Mutzenbecher. Sein erster Gedanke damals: «Der hat sicher ein Wasserschaden.» Als er sich gemütlich hinsetzen wollte, um seinem Sushi-Lunch zu frönen, habe es an seiner Türe geklopft.

Suter sei aufgewühlt und rauchend vor der Türe gestanden. «Er verlangte ein Bier, nahm es entgegen und trank es in einem Schluck.» Soweit ja alles normal – für einen Sonntagnachmittag. Doch nach dem verzerr des Hopfensaftes seien dann die Worte des Nachbarn schon etwas verwirrend gewesen: «Bei mir wurde gerade ausgebrochen.»

Der Beitrag in den Telebasel News vom 21. August 2012:

(Video: Telebasel) 

Natürlich habe von Mutzenbecher den «Gwunder» gepackt. So führte das eine zum anderen und die beiden standen kurze Zeit später in der Küche Suters. So war Jöel die zweite Person, welche das Loch der Ausbrecher zu Gesicht bekam. Nicht einmal die Polizei sei vor Ort gewesen. «Als ich in der Wohnung war, riefen sie aber gerade zurück und sagten zu Suter, sie hätten noch keine Meldung von einem Ausbruch.» Daraufhin sei sein Nachbar natürlich schon leicht aufgebracht gewesen. Als die Polizei dann nach einer Weile kam, musste von Mutzenbecher die Wohnung wieder verlassen.

«Ein Geschenk für jeden Comedian»

Natürlich sei sein Nachbar etwas unter Schock gestanden. Für einen «Gefängnis-Smalltalk» habe es aber allemal gereicht. «Eben so Dinge, die es zu bereden gibt, wenn Häftlinge gerade durch die eigene Wohnungsdecke ausgebrochen sind», scherzt von Mutzenbecher. Doch nebst der wohl einmaligen Situation, welche ihm für den Rest seines Lebens in Erinnerung bleibt, konnte er die Situation auch beruflich wiederverwerten.

«Diese Szene war wie ein Geschenk für mich und begleitet mich weiterhin auf meiner Tour.» Zu sehen in seinem aktuellen Soloprogramm «Halbidiot», welches im letzten Herbst Premiere feierte. Vorher hielt er die Geschichte der breiten Öffentlichkeit noch vor. Der Grund: «Es musste ja nicht jeder wissen, wo ich genau wohnte.» Dies sei nach seinem Umzug natürlich kein Problem mehr.

Mehr zum Thema Gefängnisse in der Telebasel Themenwoche «Hinter Gittern» laufend online und ab dem 9. April 2018 in den Telebasel News um 18:30 Uhr und ab 19 Uhr stündlich. 

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