Viele Frauen lassen sich ihren Po straffen. (Foto: Key)

Basel

Trend zu Po-Vergrösserung und Design Vaginas

Po, Brüste oder Schamlippen: Prof. Dr. med. Oellinger ist der Mann für die kleinen und grossen Problemzonen. Telebasel sprach mit ihm über aktuelle Trends.

Seit Jahrhunderten haben Menschen das Bedürfnis, dem aktuellen Schönheitsideal zu entsprechen. Schon Leonardo Da Vinci hat sich Ende des 15. Jahrhunderts mit den idealisierten Proportionen des vitruvianischen Menschen, also mit Symmetrie, Schönheit und Körperbewusstsein auseinandergesetzt.

«Das Streben nach Schönheit ist ungebrochen; wer jung und gut aussieht, hat die besten Chancen im Beruf und Privatleben», schreibt Prof. Dr. med. Robert Ed. Oellinger im Buch «Operation Schönheit».

Der Professor ist in der Klinik Alta Aesthetica in Rheinfelden der Mann für die kleinen und grösseren Problemzonen. Bereits seit über 20 Jahren widmet sich Oellinger der Plastischen und Ästhetischen Chirurgie. Im Rahmen der Themenwoche «Teure Gesundheit» hat Telebasel mit dem Facharzt über aktuellen Trends und die Entwicklungen in der Schönheitschirurgie gesprochen.

Prof. Dr. med. Robert Ed. Oellinger ist Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie in der Klinik Alta Aesthetica in Rheinfelden (Bild: Telebasel) 

Schamlippen-Verkleinerung ganz weit vorne

Spätestens seit dem Geständnis von DSDS-Sternchen Melody Haase im Sommer 2017 ist die Verschönerung des Intimbereichs ein viel diskutiertes Thema. «Ja, ich habe mir meine Vagina operieren lassen. Ich habe jetzt eine süsse Designer-Vagina», schrieb die 24-Jährige damals.

Oellinger bestätigt diesen Trend: «Die Genitalchirurgie bei der Frau ist ein Trend, ja». Dies habe aber meist auch medizinische Gründe. Daneben seien auch Scheidenverengungen und G-Punkt-Aufspritzungen immer gefragter. «Es ist ein Trend, der aus der Tabuzone der letzten 20 Jahre herausgeholt wurde», erklärt Oellinger.

Mittlerweile seien auch Eingriffe mit Eigenfett immer beliebter. «Da war die Nachfrage früher auch nicht so gross». Das körpereigene Gewebe wird vor allem bei Brustvergrösserungen oder Gesichtsunterspritzungen verwendet.

Gemäss Oellinger steigt auch die Nachfrage bei sogenannten konservativen Massnahmen. «Dazu gehören zum Beispiel die Straffung der Haut mittels fokussiertem Ultraschall oder die Fettentfernung durch Kryolipolyse.» Dabei wird das Fett heruntergekühlt und baut sich danach ab. «Solche Methoden sind vor allem im Trend, weil die ganze Prozedur der Operation weg fällt», erklärt der Facharzt.

Auch die Po-Vergrösserung ist laut dem Experten immer beliebter. «Hier werden in der heutigen Zeit sogar ganze Umformungen gemacht».

«Ein Sixpack kann man nicht operieren»

Die Klientel von Oellinger zeigt sich als immer noch vorwiegend weiblich. «In den letzten 20 Jahren ist das Verhältnis immer gleich geblieben». So lassen sich etwa 85 Prozent Frauen und 15 Prozent Männer vom Facharzt beraten.

In Sachen Eingriffe zeichnen sich aber Unterschiede ab. Bei Männern sind vor allem drei Problemzonen Thema. «Männer müssen für ihren Beruf meist fit aussehen. Viele lassen sich deshalb die Ober- und Unterlider operieren», erklärt Oellinger. Auch das Fett am Bauch, den sogenannten «Schwimmring», lassen sich viele Patienten entfernen. «Ein Sixpack kann man aber nicht operieren». Weiter stören sich auch viele Männer an ihrer Brustform.

Da sehen die Eingriffe bei Frauen doch etwas anders aus. Hier unterschiedet Oellinger nach Altersgruppen. «Bei den Frauen geht es schon sehr früh los, so ab dem 18. Lebensjahr». Die jungen Patientinnen wünschen sich oft eine Fettabsaugung, aber auch Brustvergrösserungen und Lippenaufspritzungen sind immer wieder Thema. «Mittlerweile steigt auch die Nachfrage bei Po-Vergrösserungen, das erstaunt mich», sagt der Experte.

Bei Frauen im mittleren Alter sind die Eingriffe oft schwangerschaftsbedingt und bei Patientinnen ab 45 steht die Faltentherapie im Vordergrund.

Junge Leute haben geringere Hemmschwelle

Was die Entwicklung der Schönheitschirurgie angeht, habe sich in den letzten Jahrzehnten bezüglich der Eingriffe nicht sehr viel verändert. Hier zeigt sich aber ein ganz anderer Wandel. «Die Einstellung der Leute gegenüber der ästhetischen Chirurgie hat sich verändert», erklärt Oellinger. Vor 20 bis 25 Jahren machten viele um einen solchen Eingriff noch ein grosses Geheimnis.

Generell sei die Klientel in den letzten Jahren schon jünger geworden. «Junge Leute kommen vor allem, weil sie eine geringere Hemmschwelle haben. Sie sind schon damit aufgewachsen». Das liege vor allem an den Medien. Vor allem auf den Social Media-Kanälen seien aber auch abschreckende Beispiele zu finden, meint Oellinger und weist auf ein Video hin, das zur Zeit im Netz viral geht. «Wenn jemand so hergerichtet wird, will man lieber gar nichts damit zu tun haben.»

Diese Instagrammerin macht Werbung für eine Schönheitsklinik. (Video: Facebook)

Lippen wie Angelina Jolie

Lippen wie in diesem Video seien aber eher eine Ausnahme. «Einen solchen Eingriff würde ich niemals durchführen», sagt Oellinger. Jede Patientin und jeder Patient sei verschieden, und man kann nur im Rahmen der Möglichkeiten arbeiten. «Man kann nicht aus jeder Lippe eine Angelina Jolie-Lippe machen». Häufig seien ganz konkrete Wünsche so nicht umzusetzen. «Es ist viel möglich, aber nicht alles».

Eine Umfrage der Internationalen Society of Aesthetic Plastic Surgery (ISAPS) bei Plastischen Chirurgen auf der ganzen Welt zeigt, dass in Bezug auf Vorbilder Angelina Jolie, Nicole Kidman, Pamela Anderson, aber auch Brad Pitt und George Clooney ganz oben stehen. Das schreibt Oellinger in seinem Buch.

Zum aktuellen Schönheitswahn sagt der Facharzt: «Sobald etwas ein Wahn ist, ist es nicht gut». Er habe durchaus Verständnis, dass sich jemand die Oberlider machen lässt, weil er müde aussieht. Oder wenn jemand Probleme mit einem alternden Gesicht habe. «Wahn kann ich hingegen nicht verstehen und das lehne ich auch ab».

In der Themenwoche vom 19. bis 24. März 2016 beleuchtet Telebasel interessante Aspekte unter dem Schwerpunkt «Teure Gesundheit»: Täglich in den Telebasel News um 18:30 Uhr und ab 19:00 Uhr stündlich.

Ausserdem gibt es im Telebasel Report einen vertieften Einblick in das komplexe Gesundheitssystem, am Mittwoch, 21. März, ab 19:30 Uhr stündlich.

Am Samstag, 24. März, widmet sich zudem eine Spezialsendung dem Thema Gesundheit.

Das ganze Programm finden Sie hier

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