Noch immer ist ein Rückgang an Hausärzten zu verzeichnen. (Symbolbild: Keystone)

Basel

Junge Hausärzte gesucht

In Zukunft braucht es mindestens zwei junge Hausärzte, um einen alten zu ersetzen. Neue Anwärter sind schwer zu finden, doch der Beruf wird beliebter.

Mit einem Arzt auf 235 Einwohner ist die Ärztedichte in Basel-Stadt sehr hoch. Dies ist fast doppelt so viel wie im Schweizer Durchschnitt. Doch trotz spannendem Beruf fehlen in der ganzen Schweiz Hausärzte. Das bestätigt das Bundesamt für Gesundheit. Eine Studie der Universität Basel schätzt, dass in ein paar Jahren in der Region Basel 40 Hausärzte fehlen werden.

Die Universität Basel bildet jedes Jahr 140 bis 200 Mediziner aus. Doch nur ein paar Dutzend davon wollen Hausarzt werden. Stimmt so nicht ganz, sagt der Vizepräsident der Vereinigung der Hausärztinnen und Hausärzte beider Basel (VHBB), Christoph Hollenstein. «Der Hausarztberuf ist heute wieder beliebter, an den Zahlen derjenigen Jungärzte zu gemessen, welche diese Richtung wählen». Ein weiterer Rückgang könne dadurch aber nicht verhindert, sondern nur abgebremst werden.

«Junge wollen weniger arbeiten»

Die Hausärzteschaft sei überaltert und Nachwuchs, um die Alten zu ersetzen sei zu wenig vorhanden, sagt Prof. Dr. med. Andreas Zeller, Leiter des Universitären Zentrums für Hausarztmedizin beider Basel (UniHAM) auf Anfrage. «Die Jungen wollen im Durchschnitt auch weniger arbeiten».

Dieser Beruf ist dennoch ein sehr wichtiger. «Telemedizin» wie Medgate, das mit sogenannter «Algorithmenmedizin» funktioniert, könne ohne massive Einbusse bei der Behandlungsqualität niemals Hausärzte ersetzen können. «Hausärzte werden heute vor allem durch Hausärztinnen ersetzt», sagt Hollenstein.

Für viele Menschen ist der Gang in die Apotheke aber einfacher. Die 1’792 Apotheken in der Schweiz (Stand 2016) sind für die Bevölkerung praktische Anlaufstellen. Obwohl die Ärztedichte mit fast 40 Ärzten pro 10’000 Schweizer deutlich höher ist, als jene der Apotheken (2,16 pro 10’000 Schweizer) besuchen die Menschen Apotheken knapp vier Mal mehr im Jahr als einen Arzt.

Häufigkeit der Sprechstundenzeit variiert

Total waren gemäss Bundesamt für Statistik 2016 in Basel-Stadt 222 und in Baselland 226 Ärzte tätig. Diese Zahlen seien aber mit Vorsicht zu betrachten, meint Zeller. «Hier ist immer das Problem, dass Ärzte im ambulanten Sektor zum Beispiel auch Chefärzte eines Spitals sein können, die auch ambulante Sprechstunden machen». Das seien dann keine «typischen» Hausärzte, die auch ambulante Dienste oder Hausbesuche machen. Ausserdem könnten auch Spezialisten einen Facharzttitel «Allgemeine Innere Medizin» haben. «Somit ist die Anzahl Hausärzte wahrscheinlich überschätzt. Die Zahlen des Bundesamt für Statistik berücksichtigen auch nicht, wie viel Prozent ein Hausarzt arbeitet. «Wenn ein Arzt nur 50 Prozent arbeitet, hat er natürlich auch weniger Patienten», so Zeller.

Die Häufigkeit der Sprechstundenzeit pro Halbkanton. (Bild: zVg)

Der Nachwuchs setzt sich ein

Wo Probleme sind, wird auch intensiv nach Lösungen gesucht. So setzt sich die Organisation Junge Hausärtzinnen und -ärzte Schweiz für die Vernetzung und Anliegen der Ärzte in Aus- und Weiterbildung zur Hausarztmedizin sowie für junge Hausärzte in der Praxis ein. Die Mitglieder möchten so die Anliegen der zukünftigen Hausärztegeneration in den politischen Prozess mit einbringen. «Wir setzten uns aktiv ein für eine zukunftsorientierte qualitativ hochstehende Hausarztmedizin», heisst es auf der Homepage.

Cora Moser, langjähriges Vorstandsmitlgied und bis letzten April Vizepräsidentin der Organisation, hat den jährlichen Jungärztekongress aufgebaut und leitet noch heute einen regelmässigen Stammtisch für junge Hausärzte in Basel. Sie hat Telebasel folgende Fragen beantwortet.

Wie beliebt ist der Beruf Hausarzt heute noch?

Cora Moser: Lange Zeit wurde der Beruf der Hausärzte in der Ärzteschaft als eher unattraktiv gewertet. Dies hat sich hat sich seit einigen Jahren, nicht zuletzt dank einer institutioneller Einbindung in Lehre und Forschung und Bestrebungen der Politik zugunsten der Hausärzte, verbessert. Weiter gewinnt das ganzheitliche Medizinverständnis der Hausärzte in einer sich immer weiter spezialisierenden Spitalmedizin an Attraktivität. Die wachsenende Nachfrage unter Studierenden und Assistenzärzten ist glückerweise deutlich spürbar.

Sterben Hausärzte immer noch aus?

Cora Moser: Die Versorgungsforschung zeigt klar, dass es in den kommenden Jahren durch den sich abzeichnenden Hausarztmangel zu einem grossen Vakuum in der Grundversorgung kommen wird, der gesellschaftlich nur schwer zu verkraften sein wird. Das Versäumnis der Politik der letzten Jahrzehnten mit Vernachlässigung der Hausarztmedizin, wird trotz sich abzeichnender Besserung zu einem unüberblickbaren Mangel an Hausärzten führen. Es ist eine gesellschaftliche Herausforderung, den Gap zwischen aufhörenden und kommender Generation zu füllen.

Was ist der Vorteil/die Herausforderung am Beruf Hausarzt?

Für mich ist Hausarzt der spannendste, vielseitigste und schönste Beruf, den ich mir vorstellen kann: Man hat das Privileg den Mensch als Ganzes und nicht nur als Krankheit wahrzunehmen und ihn über längere Zeit begleiten zu dürfen; ein für mich in seiner Ganzheitlichkeit und Nähe beim Patienten äusserst sinnvolles und zukunftsweisendes Medizinverständnis.

In der Themenwoche vom 19. bis 24. März beleuchtet Telebasel interessante Aspekte unter dem Schwerpunkt «Teure Gesundheit»: Täglich in den Telebasel News um 18:30 Uhr und ab 19:00 Uhr stündlich. Ausserdem gibt es im Telebasel Report einen vertieften Einblick in das komplexe Gesundheitssystem, am Mittwoch, 21. März, ab 19:30 Uhr stündlich. Am Samstag, 24. März, widmet sich zudem eine Spezialsendung dem Thema Gesundheit.

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