Regisseurin Adina Pintilie gewinnt den Goldenen Bären der 68. Berlinale. (Bild: Keystone)

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«Touch Me Not» gewinnt Berlinale

Der rumänische Experimentalfilm «Touch Me Not» gewinnt den Goldenen Bären der 68. Berlinale. Regisseurin Adina Pintilie erforscht in ihrem semidokumentarischen Film die Spielarten und Grenzen menschlicher Sexualität.

«Der Film ist eine Einladung zum Dialog und eine Ermunterung, uns dem Anderen zu öffnen», sagte Pintilie nach der Verleihung. «Wir bieten den Zuschauern einen Spiegel an, in den sie blicken und sich fragen können, was für sie Intimität bedeutet.»

Sie sei sich bewusst, dass die Reaktionen auf die teilweise sehr deutlich dargestellten Möglichkeiten menschlicher Sexualität unterschiedlich ausfallen würden.

Die Darsteller seien unglaublich mutig, soviel persönliches Risiko bei den Drehabreiten auf sich zu nehmen. «Es ist kein komfortabler Film», sagte die Regisseurin über ihr Spielfilmdebüt. Das Werk hatte die Kritiker gespalten. Als Jury-Präsident hatte sich Regisseur Tom Tykwer «wilde und sperrige» Filme gewünscht.

Grosser Preis der Jury geht nach Polen

Den Grossen Preis der Jury holte am Samstagabend die polnische Regisseurin Małgorzata Szumowska (44) mit ihrer Gesellschaftsparabel «Twarz» («Gesicht»). Satirisch und anrührend erzählt sie von einem jungen Mann, der nach einer entstellenden Gesichtstransplantation nicht nur in seinem Umfeld, sondern auch in der eigenen Familie abgelehnt wird. Der Film sei eine Fabel über ihr Land, nur so lasse sich die komplexe polnische Gegenwart darstellen.

Beide Filme gehörten bei den Kritikern nicht zu den heissen Favoriten. «Wir haben herausgefunden, dass wir nicht nur das würdigen wollen, was Kino kann, sondern auch das, wo es noch hingehen kann», sagte Jury-Präsident Tykwer.

Frauen in starken Rollen

Die Jury-Entscheidung bewies aber erneut, dass Frauen bei dem Festival eine ungewöhnlich starke Rolle spielten. Das gilt auch für den paraguayischen Film «Las herederas» («Die Erbinnen») von Marcelo Martinessi, der den Alfred-Bauer-Preis erhielt. Dieser Silberne Bär gilt einem Spielfilm, der neue Perspektiven eröffnet. Ana Brun (68) bekam für ihre Rolle in dem tragikomischen Drama um ein alterndes lesbisches Paar auch einen Silbernen Bären als beste Darstellerin.

Zum besten Schauspieler kürte die Jury den Franzosen Anthony Bajon (23), der in Cédric Kahns «The Prayer» einen Drogenabhängigen spielt. Intensiv und glaubwürdig zeichnet er den zermürbenden Kampf gegen die Drogensucht nach, der ihm mit Hilfe des Glaubens gelingen soll.

Den Silbernen Bären für die beste Regie sprach die Jury dem US-Kultfilmer Wes Anderson zu. Mit seiner Hundeparabel «Isle of Dogs» hatte erstmals ein Animationsfilm das Festival eröffnet. Seine Stop-Motion-Tricktechnik kam auch beim Publikum gut an. Den Preis nahm der Schauspieler Bill Murray entgegen, der einem der Tiere seine Stimme leiht.

Der mexikanische Regisseur Alonso Ruizpalacios holte für seinen vergnüglichen Verbrecherfilm «Museo» gemeinsam mit Manuel Alcalá den Silbernen Bären für das beste Drehbuch. Elena Okopnaya bekam die Auszeichnung als herausragende künstlerische Leistung für Kostüm und Design in dem Schriftstellerdrama «Dovlatov» von Alexey German Jr..

Preis für Schweizer Beitrag

Bereits am Freitagabend war der Film «Fortuna» des Westschweizer Regisseurs Germinal Roaux ausgezeichnet worden. Der Künstler aus Lausanne erhielt den Gläsernen Bären von der Jugendjury der Generation 14plus.

Der Westschweizer Regisseur Germinal Roaux (Bild: Keystone)

Das Flüchtlingsdrama spielt auf der Simplon-Passhöhe. Dort leben katholische Ordensbrüder, welche Flüchtlinge beherbergen. Eine von ihnen ist die 14-jährige Fortuna, die aus Äthiopien stammt.

Insgesamt waren bei dem elftägigen Festival 385 Filme aus 78 Ländern zu sehen. Am Sonntag ging die Berlinale mit einem Publikumstag zu Ende. (sda dpa)

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