(Bild: Keystone)

Basel

Die Basler Medienbranche zerstört sich selbst

Die Basler Medien bekämpfen sich und dreschen aufeinander ein, anstatt sich gegen die internationale Konkurrenz gemeinsam zu wehren. Werbekunden und Medienkonsumenten sind irritiert und wenden sich den digitalen Marktführern aus den USA zu. Ein Leitartikel von Michael Bornhäusser.

Google und Facebook haben 2017 in der Schweiz 1,2 Milliarden Franken Ertrag gemacht. Das ist etwa so viel wie die gesamten Billag-Gebühren und mehr als sämtliche regionale Medien in der Schweiz zusammen erwirtschaften.

Das Geld kommt von Schweizer Werbetreibenden, die sich von traditionellen Medien, wie Tageszeitungen, dem TV und auch den Newsportalen abwenden. Die Gründe sind vielfältig. Die Werbung in Schweizer Medien sei zu teuer, der Nutzer- und Lesermarkt schrumpft und ist zu fragmentiert, und die Werbeangebote sind zu wenig innovativ und erzeugen dadurch hohe Streuverluste, so die Argumentation der – meistens nationalen – Werbekunden.

Das Geld könnten die Medienunternehmen gut brauchen, das zeigt die aktuelle NoBillag-Debatte, die zu einem Teil dadurch getrieben wird, dass Verlage, wie die Blochermedien, zu denen auch die «Basler Zeitung» gehört, versuchen, durch den Wegfall des Schweizer Fernsehens und dessen Werbeangebote die frei werdenden Budgets in ihre Medien umzuleiten. Ein Versuch mit ungewissem Ausgang, da auch die grossen digitalen Anbieter im Falle einer Annahme der NoBillag-Initiative ein gutes Stück des Werbekuchens für sich beanspruchen werden.

Die letzte Bastion in der Schweizer Medienszene, welche auf mehr oder weniger treue Werbekunden zählen konnte, sind die Regionalmedien. Regionale KMUs, vom Autohaus über den Küchenbauer bis zum Restaurant, werben immer noch in regionalen Tageszeitungen, Newsportalen, bei Lokalradios oder im regionalen TV.

Zwar ist auch hier eine schleichende Erosion der Werbebudgets zu beobachten, doch konnten die Regionalmedien bis dato immer noch grosse Teile ihrer Redaktion und des Betriebs mit diesen Werbeeinnahmen decken. Medienangebote, die bezahlt werden müssen, sind in unserer digitalen Welt leider wenig bis gar nicht erfolgreich, das musste die «Basler Zeitung» mit ihrem erfolglosen Gebührenmodell für die Website schmerzlich erfahren.

Was macht also eine Branche, die von internationalen Giganten angegriffen wird und bereits 1.2 Milliarden an diese Angreifer verloren hat? Man möchte meinen, man tut sich zusammen, stellt sich diesem Wettbewerb gemeinsam mit innovativen Werbeangeboten, Paketpreisen und Sonderangeboten.

So geschehen in vielen Industrien, die mit internationaler Konkurrenz zu kämpfen haben: die US-Automobilindustrie, der Deutsche Maschinenbau oder auch die Basler Big Pharma. Da werden Kooperationen geschmiedet, um den Wettbewerb «draussen» zu halten, es werden Vertriebs-Allianzen geschlossen und Preispakete geschnürt. Man tut sich als Branche zusammen und konkurriert eben nur noch auf der Produkteebene.

Egoismus hat noch keine Branche gerettet

Und was machen die regionalen Medienfürsten in Basel? Sie schiessen gegen die regionalen Wettbewerber. Man desavouiert, verbreitet nachweislich falsche Informationen, greift Verantwortliche persönlich an und treibt systematische Geschäftsschädigung des vermeintlichen Gegners. Allen voran die «Basler Zeitung», die versucht, sich mit dieser Art von Journalismus aus dem Verlustsumpf zu ziehen und auch noch stolz darauf ist, wenn man Verleger Somm glauben will.

Wie dumm muss man sein, um nicht zu erkennen, dass diese Strategie allen regionalen Medien schadet? Die Verunglimpfung eines Medienunternehmens durch ein anderes verunsichert die Medienkonsumenten, sie irritiert die Werbekunden, und es breitet sich am Ende eine Verdrossenheit und negative Stimmung gegen sämtliche traditionellen Medien aus. Das schaut man doch lieber bei Facebook und Co. rein und macht da auch gleich noch zielgruppengenaue Werbung zum Sonderpreis.

Arroganter Egoismus hat leider noch keine Branche gerettet und schon gar nicht erfolgreich gemacht. Und es ist schon fast peinlich, mit welcher Ignoranz einige Verantwortliche der Basler Regionalmedien ihre wirklichen Gegner unterschätzen.

Google und Facebook rechnen auch dieses Jahr mit wachsenden Werbeeinnahmen in der Schweiz, die Einnahmen der Regionalmedien aus Werbung werden hingegen wieder einmal zurückgehen.

Auch Redaktionsleiterin Karin Müller bezieht Stellung:

(Der Telebasel News-Beitrag vom 22. Februar 2018)

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