Featured Video Play Icon
Wir haben den Bangg «Bangg-Ghaimnis» begleitet. (Video: Telebasel)

Basel

40 Auftritte während der Fasnacht

Wie sieht eigentlich das Leben eines Schnitzelbängglers während der Fasnacht aus? Telebasel hat den Schnitzelbangg «Bangg-Ghaimnis» auf seiner fasnächtlichen Tour begleitet.

Dienstagabend, kurz vor 19 Uhr. Die Innenstadt ist voll mit aktiven Fasnächtlern, Guggen und tausenden von Besuchern, die durch die engen Gassen der Innerstadt ziehen. Eine Druggedde gibt es nicht nur beim Gässle, auch die Cliquen-Keller sind an diesem Abend meist bis auf den letzten Platz gefüllt. Nicht nur wegen den tiefen Temperaturen, auch wegen den Schnitzelbängg.

Einer von unzähligen aktiven Bängg ist das «Bangg-Ghaimnis». Schon seit 2006 zieht das Quartett aus Basel an den «drey scheenschte Dääg» durch die Stadt. Fasnacht ist für die vier Freunde aber das ganze Jahr: «Die Sujets sammeln wir das ganze Jahr, um im Herbst wieder alles verwerfen», lacht Eric, einer von ihnen. Ab November trifft sich die Gruppe einmal pro Woche zum Proben. Die Sujets suchen die vier Mitglieder zusammen aus, die Verse schreibt dann jeweils nur einer alleine: «Es geht nicht, wenn wir alle daran herumbasteln».

Test im Mimösli

Wir treffen ihn und seine drei Kollegen im Scala. Es ist nicht ihr erster Auftritt des Abends. Besonders aufgeregt sind sie nicht; die die Abläufe sind klar, alle Verse einstudiert. «Eine gewisse Grund-Aufregung ist natürlich schon da, vor allem vor dem ersten Auftritt, das sorgt aber auch dafür, dass man konzentriert ist.» Die Bühne gehört also ihnen.

Was aber, wenn ein Vers beim Publikum nicht gut ankommt? «Publikum auswechseln», meint Eric, das jüngste Mitglied, lachend.

«Wir haben das Glück, dass wir Vorfasnacht machen dürfen und dann auch über mehrere Vorstellungen hinweg feststellen können, welcher Vers zieht, und welcher weniger gut ankommt.»

Die letzten 13 Jahre war der Bangg auch immer Gast an der Vorfasnachts-Veranstaltung Mimösli, und bis dann muss jeweils alles bereit eingeübt sein. «Gegenüber einem Solokünstler, welcher seine Texte ganz kurzfristig ändern kann, sind wir ein wenig im Nachteil. Bei uns geht kurzfristiges Ändern nicht, da wir die Texte alle auswendig und vierstimmig singen.»

Dementsprechend kann das «Bangg-Ghaimnis» das Programm vor der Fasnacht noch umstellen. Sie schreiben auch immer mehr Verse, als sie effektiv präsentieren. Von den etwa 16 bis 18 werden an den «drey scheenschte Dääg» sechs bis acht Favoriten vorgetragen. So auch im Scala.

40 Auftritte in drei Tagen

In drei Tagen absolvieren die Bänggler etwa 40 Auftritte. Cliquen-Keller besuchen sie eher weniger «Wir sind nicht so der Schenkel-Klopfer-Bangg». Auch müsse die Stimme geschont werden, erzählt Gitarrist Andi, in Kellern gehe es bekanntlich eher etwas laut zu und her. Zu den Lieblings-Lokalen zählen das Tabourettli, Fauteuil und der Kaisersaal. Dort kann der Kontakt zu dem Publikum besser hergestellt werden: «Man ist näher an den Leuten, und die Leute näher an uns, das gibt eine ganz tolle Atmosphäre.»

Steve, der Bank-Führer legt die zeitlichen Fixpunkte fest. Meistens treffen sie sich eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn, normalerweise etwa um 18:30 Uhr, und sind etwa bis um 23 Uhr unterwegs. Manchmal beginnen sie auch schon am Nachmittag und sind mehr als 10 Stunden im Einsatz.

Pausen mit Suchen verbringen

Zwischen den Auftritten verbringen die Bänggler viel Zeit mit Suchen, gestehen sie lachend: «Kostüme suchen, Mitglieder suchen, Larven suchen, Wein suchen!» Dazwischen diskutieren sie gemeinsam, und geniessen den Abend und die besondere Stimmung.

Zum ersten Mal in der Geschichte des Bangges blieb die Suche nach dem Kostüm eines Mitglieds erfolglos. Der silberne Kittel wurde wohl zuhause vergessen. Zum Glück fand der erste Auftritt des Abends im Fauteuil Theater statt, so konnte in letzter Minute ein Ersatzkostüm für Franco aufgetrieben werden. Die grüne und ebenfalls glitzernde Jacke, Schleppe inklusive, passte Farblich zwar einigermassen ins Bilde, gehörte aber ursprünglich zum Kostüm einer Alten Dante. Die eingenähte Oberweite sorgte folglich für einige spontane #MeToo-Sprüche hinter der Bühne.

«Der Künstler lebt vom Applaus»

Die beste Zeit für Auftritte liege zwischen 20:30 und 21 Uhr. Während den Essenszeiten sei es nicht ideal zu singen, auch nicht spät am Abend, dann hat das Publikum entweder schon zu viel gehört oder sei durch den Alkohol schon zu sehr angeheitert.

Jedes Jahr pendeln sich etwa 10, 12 Sujets ein, dieses Jahr besonders beliebt sind Themen wie #MeToo, die NoBillag-Initiative, die 3er-Tramlinie oder auch Hans-Peter Wessels. Was beim Publikum am Beliebtesten ist? «Es kommt immer darauf an, wie so ein Vers aufgebaut ist.»

Man merke ziemlich schnell, ob ein Vers gut ankommt oder nicht, denn «der Künstler lebt ja schliesslich vom Applaus».

Auf den Auftritt im Scala folgt der «Zischtigstanz» in der Safran-Zunft in der Gerbergasse. Doch bevor es in der geschlossenen Gesellschaft losgeht, stärken sich die Bänggler erst mal mit einem ausgiebigen Abendmahl. Nur etwas wollen sie an diesem Abend nicht verraten – wie der Name ihres Banggs entstanden ist: «Das ist eben das Geheimnis.»

Der Auftritt vom «Bangg-Ghaimnis» am Fasnachts-Montag im Restaurant Kohlmann’s am Barfüsserplatz:

(Video: Telebasel)

(Alle Video- und Bildaufnahmen wurden im Einverständnis mit den Bangg-Mitgliedern des «Bangg-Ghaimnis» veröffentlicht.)

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Was geschah bisher

Mehr aus dem Channel

Auch interessant