(Bild: Telebasel)

Basel

Hat die Vorfasnacht 2018 genug Biss?

Zank um den angeblich «fehlenden Pfeffer» beim Drummeli: Renato Salvi vom Fasnachtskiechli regt sich über die Kritik aus den Medien auf. Hat er recht?

«Irgendwie fehlte das Böse, das Giftige». Zu diesem Urteil gelangte der BaZ-Kolumnist -minu nach der Drummeli-Premiere. Dieser Verriss brachte Renato Salvi, einer der beiden Macher des Fasnachtskiechli, auf die Palme. Mit einem Facebook-Kommentar stiess er kürzlich eine Diskussion an. Warum wohl die scharfen Pointen fehlen – bei dieser Frage spielt Salvi den Ball an die BaZ zurück: «Vielleicht wollen andere Vorfasnachtsveranstaltungen von euch nicht in die Pfanne gehauen werden, wenn sie genau die bissigen «Rääme» liefern!». Es kommt noch dicker: «Ich habe euch langsam satt! Ihr mutiert immer mehr zur «Meckeri-Zytig»».

Salvi kritisiert die BaZ

Die Frage von Renato Salvi ist durchaus berechtigt. Was soll man eigentlich von der Vorfasnacht erwarten? Gibt’s zu viel Leichtfüssiges, so wirft man ihr Schenkelklopfer-Humor vor. Ist sie eher ernst, so wird ihr das zum Vorwurf gemacht. Den einen ist der schwarze Humor zu derb, andere vermissen, dass es davon nicht mehr gibt. Allen kann man es also nie recht machen. Im Glaibasler Charivari gab’s etwa letztes Jahr ein paar Klamauknummern, was nicht überall gut ankam. Dieses Jahr wurde mit den sechs Brücken als Rahmenhandlung eher die feine Ironie gesucht, was dann wiederum andere zu wenig lustig fanden.

Somit spricht Salvi einen wichtigen Punkt an: Es ist einfach, stets über den fehlenden Biss zu jammern, ohne genau zu sagen, was damit eigentlich gemeint ist. In einem anderen Punkt hat aber auch -minu recht: Die Vorfasnacht 2018 ist allgemein weniger politisch als auch schon.

Wessels und #MeToo als Dauerbrenner

Werfen wir mal einen Blick auf die Rahmenstücke: Hans-Peter Wessels und seine Elsass-Million sind die Nummer eins, herrlich persifliert vom Mimösli und Zofingerconzärtli. Auch die Debatte um #MeToo und die politische Korrektheit wird in mehreren Veranstaltungen aufgegriffen, am glänzendsten beim Waggis-Verhör im Pfyfferli. Das Ensemble um Caroline Rasser wagt sich auch ans Thema religiöser Fanatismus. Allgemein treten aber politische Themen eher in den Hintergrund, auch wenn Wessels und (zumindest in den Dialogen) Elisabeth Ackermann immer wieder über die Bühnen geistern.

Wie messerscharf soll’s denn sein?

Ob #MeToo oder Lokalpolitiker: Die Rahmenstücke und Schnitzelbankverse darüber sind zum Teil wirklich gelungen und lustig, doch deswegen nicht unbedingt bissig. Dafür tun sie einfach zu wenig weh, sie kratzen und beissen die Gesellschaft zu wenig, da sie nur Einzelpersonen oder das Feindbild der angebliche herrschenden politischen Korrektheit aufs Korn nehmen.

Ist aber die geforderte Schärfe überhaupt eine Aufgabe der Fasnacht und Vorfasnacht? Jein. Immer wieder gibt’s politische und gesellschaftliche Themen, die wirklich treffend und pointiert ausgespielt werden – man denke zum Beispiel an die Sujets der Alte Stainlemer. Die Fasnacht hält den Autoritäten durchaus den Spiegel vor und kann bisweilen rabenschwarz, melancholisch und sarkastisch werden. Von der Vorfasnacht aber ausschliesslich knallharte Satire im Stil von «Charlie Hebdo» zu fordern und von ihr zu verlangen, die Welt aus den Fugen zu bringen, wäre wohl eine sehr hoch gesteckte Erwartung, die dem Geist von Frau Fasnacht nur teilweise gerecht wird.

Vorfasnachtsquerschnitt – Ausstrahlung im TV

Das Beste der Basler Vorfasnacht zeigen wir Ihnen im Vorfasnachtsquerschnitt.

Der Vorfasnachtsquerschnitt wird vom Samstag, 10. Februar von 20:15 Uhr bis 22:00 Uhr ausgestrahlt.

Wiederholung: 10. Februar um 22:15 Uhr; 11. Februar um 00:15 Uhr, 2:15 Uhr, 4:15 Uhr, 6:15 Uhr, 8:15 Uhr, 10:15 Uhr, 12:15 Uhr.

Die Highlights des Vorfasnachtsquerschnitt wird ab Sonntag, 11. Februar von 19:15 Uhr bis 20:00 Uhr ausgestrahlt.

Wiederholung: 11. Februar um 22:15 Uhr, 23:15 Uhr; 12. Februar um 2:15 Uhr, 5:15 Uhr, 8:15 Uhr, 11:15 Uhr, 14:15 Uhr, 17:00 Uhr; 17. Februar um 20:15 Uhr, 22:15 Uhr; 18. Februar um 00:15 Uhr, 2:15 Uhr, 4:15 Uhr, 6:15 Uhr, 8:15 Uhr, 10:15 Uhr, 12:15 Uhr.

Ist die Vorfasnacht tatsächlich zu wenig bissig? Wie scharfzüngig sollte sie denn sein? Gerne laden wir Sie ein, auf unserer Seite und auf Facebook mitzudiskutieren. 

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