(Bild: Telebasel)

Basel

«Affront statt Würdigung von Federer»

Zum wiederholten Mal blitzt die Idee, die St. Jakobshalle nach Roger Federer zu benennen, beim Kanton Basel-Stadt ab. Derweilen soll man sich überlegen, den Namen der neu sanierten Halle zu verkaufen. Ein Kommentar von Sportchef Chris Stoecklin.

Tosender Applaus. Schreiende Fans. Einbürgerungsanfragen von mehr als hundert Ländern. Lobeshymnen von Nordpol bis zum Südpol. So klang es nach den Australien Open, als Roger Federer die Schallmauer von 20. Grand Slam-Titeln durchbrochen hat – und das mit satten 36 Jahren.

Da wären wir wieder

Derweil war es in Basel und Region unheimlich ruhig – zu ruhig. Klar versammelten sich zahlreiche Fans vor dem TV-Schirm und fieberten mit und vergossen sogar Tränen bei der Siegerehrung. Einzelne Gratulationen fanden ihren Weg auf die sozialen Medien. Das war’s aber schon. «The same procedure as every year», könnte man sagen.

Das kann es aber doch nicht gewesen sein – oder? Nein. War es auch nicht. Denn wie alle Jahre «Dinner for one» an Silvester läuft, so schlich sich auch die Nachfrage nach einem Denkmal für die Tennis-Legende, in die Gemüter der hiesigen Bevölkerung zurück.

Verkauf statt Ehrung?

Automatisch wird Roger Federer mit der St. Jakobshalle in Verbindung gebracht. Seinem Wohnzimmer, wie er es herzlich nennt. Dem Austragungsort der Swiss Indoors, wo für ihn als Ballkind alles begann. So ist es nur logisch, drängt sich der Gedanke auf, dass es keinen besseres Objekt geben könnte, als diesen inzwischen noch grau sanierten Betonblock nach dem «Maestro» zu benennen.

Doch auch das scheint der Basler Regierung, insbesondere Sportdirektor Conradin Cramer, gar nicht in den Kram zu passen. So soll Herr Cramer, auch wenn er es öffentlich dementiert, mit dem Gedanken spielen, den Namen der altehrwürdigen Halle zu verkaufen. Für bis zu einer schlappen Million Franken im Jahr versteht sich. Da schüttelt es einen bereits von Natur aus.

Jetzt oder nie

Ganz ehrlich: Ein Verkauf des Namens an den Höchstbietenden, statt die Benennung nach dem wohl grössten Sportler, den die Region und vermutlich die Welt, jemals gesehen hat, wäre schlicht und einfach ein Affront – nichts anderes. Typisch Basel würde man sagen. Den Ball flach halten. Ganz nach dem Motto: Nicht überreagieren.

Nun denn, von Reaktion kann inzwischen kaum mehr die Rede sein, wenn es um Roger Federer geht. Ehrendoktortitel hin oder her. Was zählt und wirklich von Bedeutung wäre, wenn Roger Federer noch einmal die Swiss Indoors in seiner eigenen Halle bestreiten könnte. Und nicht erst nach seinem Rücktritt, beim zur Schule fahren seiner Kinder, von aussen bewundern könnte.

Es gibt keine Alternative

Roger Federer seinerseits wird diese Diskussion kaum kümmern. Muss es auch nicht. Aber inzwischen ist genug Wasser den Rhein hinabgeflossen, um endlich ein Zeichen für unser Aushängeschild zu setzen. Es gibt keine Alternativen und Doktortitel mehr. Wenn die Halle umbenannt werden sollte, dann nur nach Roger Federer. Auch wenn man dann halt das Geld scheinbar in Basel nicht hätte, um sie vielleicht mit etwas Farbe von ihrem grauen Betonmantel zu erlösen.

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