Featured Video Play Icon
Der Telebasel News Beitrag vom 4. Februar 2018.

Basel

Viel Testosteron und Gesang am Drummeli

Fasnächtler, die ihre Märsche singen statt trommeln und pfeifen, Stepptanz und eine erotisch angehauchte Darbietung: Beim Drummeli glänzen die Cliquen mit originellen Auftritten. Bei den Rahmenstücken fällt die Bilanz durchzogen aus.

Was die Stammcliquen leisten, ist auch dieses Jahr wieder ein Augen- und Ohrenschmaus. Spektakuläre Performances, spannende Uraufführung, aber auch Klassiker im neuen Gewand gehören dazu. Wo soll man da überhaupt beginnen? Ein Höhepunkt ist zweifelsohne Carmen im Fasnachtsgewand. Andalusische Stepptänzerin begegnen hier zu Bizets Opernstücken Pfyffern und einem Tambouren in einer spektakulären Choreografie. Das ist übrigens die Frucht der «Wild Card», eine Neuheit am Drummeli, bei der sich auch bunt zusammengewürfelte Gruppen für einen Auftritt melden können.

Burlesque und Lendenschutz

Durchaus kann diesmal von einer testosterongeladenen Drummeli-Ausgabe sprechen. Beim Dupf-Club hauen kecke Perkussionisten-Kobolde den Pfeifern an die Lenden – keine Angst, auf die Pfannen, die dort am Gurt hängen. Die Basler Bebbi lassen gar als Hommage an die Erotikgeschichten von Mutzenbacher zum gleichnamigen Marsch eine Burlesque-Performerin auf einem Halbmond in den Himmel steigen. Und da wäre noch die Fusion der Männercliquen Märtzplatz und Olympia, die mit phallischen Leitkegeln herumhantieren und sowohl Piccolo wie auch Trommel zuhause lassen. Viel Applaus haben sie auf ihrer Seite, wenn sie zum grossen Erstaunen den «San Carlo» mehrstimmig singen statt spielen – eine gelungene Überraschung.

Allgemein kommen beim diesjährigen Drummeli die Kehlen oft zum Einsatz, nicht nur beim besagten Männerchor. Die Gugge Stachelbeeri wird etwa wie auch im Original von Pink Floyd von Kinderstimmen unterstützt, wenn sie «Another Brick in The Wall» schränzen. Die Aagfrässene widmen dem 2003 verstorbenen Stadtoriginal Blueme-Fritz sowohl eigens einen gleichnamigen Marsch wie auch ein Lied.

Seibi Junge Garde spielt die Seibi-Retraite. (Bild: Telebasel)

Schliesslich singen die Pfluderi im Laternenschein den Wettsteinmarsch – ein sehr heimeliger Auftritt. Überaus stimmungsvolle Darbietungen gibt’s auch bei zwei anderen Cliquen: Die Seibi polieren zusammen mit ihrer Jungen Garde im Discokugelschein den Klassiker Pfeifer-Retraite auf. Die Giftschnaigge führen uns mit dem neuen Ragtime-Pfyfferarrangement «Lumpeditti» zu den Anfängen der Lichtspielhäuser der Belle Époque.

Von Mani Matter bis Miss Marple

Eine Uraufführung für die fasnächtlichen Ohren gibt’s auch mit dem «L’Unique» aus der Feder von Michael Robertson und Patrick Stalder. Dafür kommen die Naarebaschi als Rockmusiker mit den unverkennbaren Fratzen von «Kiss» und einem Töff auf die Bühne.

Sehr sympathisch: Das Medley zu Ehren von Mani Matter vom Barbara-Club. Erinnert wird auch an den Jazzmusiker George Gruntz, wenn die Lälli Clique dessen Nunnefirzli zum Besten gibt. Eine Hommage gibt’s auch an den Krimi («Mord am Drummeli») mit dem Miss-Marple-Theme vom Central-Club.

Die Opti-Mischte experimentieren und legen den Pfeifermarsch Spalebärg über den Trommelmarsch Faschtewaie – eine Premiere. Neues gibt’s auch von der Rätz-Clique mit dem Mutzebebbi, der zahlreiche Berner Melodien wie das Guggisberg-Lied aufnimmt. Die Verschnuffer thematisieren mit dem «Calvados» das aktuelle Frankreich und die Rootsheere machen als dem Repertoire-Urgestein «die Alte» die «ganz(e) Alte» – Rollatoren inklusive.

Die Muggedätscher erinnern mitihrem Auftritt an das wohl ärgerlichste Ereignis der letzten Fasnacht, von dem sie gar selbst in Mitleidenschaft gezogen wurden: Die Pöbeleien und Attacken des Partyvolks auf die Cliquen. Aus dem Gläbbergässli machen die Muggedätscher kurzerhand ein Toleranzgässli.

Regio vom 8. Februar 2018.

FCB-Fangrab als Stiggli-Highlight

Die Cliquen sind also wie so oft am Drummeli ein sicherer Wert. Bei den Rahmenstücken gibt’s aber bekanntlich immer wieder Überraschungen. Dieses Jahr bleibt das Drummeli stets unterhaltsam, hat keine Durchhänger, aber auch keine absoluten Überflieger zu bieten. Kalauer gibt’s bei der Drämmli-Nummer und der Stadtführung mit holpriger Englischübersetzungen. Origineller und auch wirklich auf etwas bizarres Lokales bezogen ist aber das Stiggli mit den FCB-Fans, die auf dem Hörnli nach ihrem Grabfeld suchen und dabei auf den Totengräber stossen. Es ist vielleicht das besten Rahmenstück des Abends, bei dem auch der Funke zum Publikum rüberspringt.

Auch ein Rap zur Misere im Gesundheitssystem überzeugt. In weiteren Stücken bekommen sämtliche Regierungsräte am Maskenball ihr Fett ab, ebenso die ewig nörgelnde Basler Anwohnerin und die Self-Scanning-Kassen im Coop.

Bei den Schnitzelbänken bringen ein Altbekannter wie auch eine relativ junge Truppe die Lacher. D Gryysel punkten mit schlüpfrig-rabenschwarzen Versen zum Alk-Ausschank an Jugendtreffs und NoBillag, während der Schwoobekäfer die Skandal-Metzgete und Elisabeth Ackermann aufs Korn nimmt. Für einen fulminanten Abschluss des Drummeli-Abends sorgt schliesslich die Negro-Rhygass. Die Gugge bricht ein Tabu und spielt den Morgestraich unter dem Jahr. Die Pfeifer- und Tambourensektion die notabene dieses Jahr tatsächlich den Morgestraich bestreiten wird, bekommt dann auf der Bühne auch Unterstützung der vielen Blechbläser und Perkussionisten.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Was geschah bisher

Auch interessant