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Telebasel Report vom 31. Januar 2018.

Baselland

Report: Nur noch Party-Fasnacht auf dem Land?

Saufen, Grölen, Scheiaweia: Geht es nach der Liestaler Rotstab-Clique, verkommt die Land-Fasnacht immer mehr zur «Fasnachts-Party». Von Tradition und Brauchtum wolle das Publikum schon lange nichts mehr wissen. Aber stimmt das überhaupt?

Das gängige Klischee: Während die kultivierten Städter die Fasnachts-Tradition trommelnd und pfeifend hochhalten, schränzen sich die Baselbieter Guggen primitiv die Birne voll. Gepflegtes Fasnachts-Treiben hier, einfältiges Geblödel da. Oder umgekehrt: Arrogantes Gepfeife hüben, ehrliche Bodenständigkeit drüben.

Wie auch immer: Was als Klischee längst überholt schien, erhält nun von unerwarteter Seite plötzlich Aufwind: Ausgerechnet die Baselbieter Traditions-Clique Rotstab attestiert der Liestaler Fasnacht den Verlust jeglicher Tradition, reduziert das Fasnachts-Treiben auf eine reine «Fasnachts-Party» und stellt fest, dass sich die Zuschauer ohnehin nicht mehr für die Sujets interessieren würden.

Die Rotstab Clique aus Liestal fühlt sich vermehrt als «Störfaktor» an der Liestaler «Fasnachts-Party» (Bild: Telebasel)

Echo weiter über die Liestaler Stadtgrenzen hinaus

Die heftige Kritik am ländlichen Fasnachtstreiben hat im ganzen Baselbiet für Furore gesorgt. Die Meldung verbreitete sich wie ein Lauffeuer und teilte die Fasnachts-Gemeinschaft in zwei Lager: «Die letzten Wochen waren sehr intensiv. Wir haben sehr, sehr viele Rückmeldungen erhalten: Von Leuten, die uns verstehen und von Leuten, die dem Entscheid eher kritisch gegenüberstehen», sagt Stefan Juchli, Vize-Präsident der Rotstab-Clique. Trotz zahlreicher kritischer Stimmen, stehen die Rotstäbler aber weiterhin zu ihrem Wort: «Man muss nur die Wagenburg in der Allee als Beispiel nehmen: Da wird nach dem Umzug seit Jahren Schajawaja gemacht», sagt Stefan Juchli.

Yanic Gisin von den Schnupfrueche Bubendorf verteidigt sich gegen die Kritik an der Wagenburg: «Wir sind auch ein offizieller Auftrittsplatz!» (Bild: Telebasel)

«Partytunes» in der «Partymeile»

Die angesprochene Wagenburg wird seit einigen Jahren in der Liestaler Allee, etwas abseits des Stedtlis betrieben. Verschiedene Wagencliquen stellen dort nach dem Umzug ihre Wagen ab und betreiben diese anschliessend als Bar weiter. Im Internet wird die diesjährige Wagenburg als «beliebte Partymeile» beworben. Überrascht werden soll mit «tollen Getränken» und «super Partytunes».

Auch die ‹Schnupfrueche› aus Bubendorf stellen ihren Wagen regelmässig in die Allee. Präsident Yanic Gisin sieht darin kein Problem: «Früher hatte man sich beschwert, dass nach dem Umzug nichts mehr los sei im Stedtli – jetzt, wo wir Fasnächtler das auf eigene Initiative angegangen sind, ist auch wieder nicht Recht». Zwar könne er verstehen, dass eine Wagenburg-Partymeile mit dem ursprünglichen Fasnachts-Brauch nicht mehr viel zu tun hat, gibt aber zu bedenken: «Ich kaufe mein Bier lieber auf dem Wagen einer lokalen Fasnachts-Clique als am Wurst-und-Brot-Stand irgendeines externen Dienstleisters, der nur wegen dem Geschäft im Stedtli ist».

Scheiaweia wohin das Auge reicht: In Laufen gehört das Festen längst zur Fasnacht dazu (Bild: Telebasel)

Party auch in Laufen

Interessant: Nicht nur in Liestal werden alte Traditionen vom Alkohol vertrieben, sondern auch in Laufen: Gerade mal eine einzige Pfeifer- und Tambourenclique hat bis heute überlebt: «Die Meldung aus Liestal hat uns sehr getroffen, schliesslich haben wir uns an vielen Stellen wiedererkennt», sagt Gabriel Ifrid, Präsident der Pfluderi-Fäger-Clique Laufen. «Dass wir angepöbelt werden gibt es immer wieder», stellt wer fest: «Haut doch ab nach Basel, ihr Pfifferli», heisse es dann immer mal wieder. Das seit aber schon immer so gewesen und kein neuartiges Phänomen, sagt Ifrid: «Auf dem Land waren Guggen und Wagen halt schon immer viel beliebter».

Darfs noch ein Gläschen sein? Auf dem Land geht das immer. (Bild: Telebasel)

Allschwil als Exot

Ganz anders die Situation in Allschwil. Hier sei das Interesse an den Tambouren- und Pfeifercliquen schon immer relativ hoch gewesen. Zwar habe man ebenfalls nur zwei lokale Cliquen, dafür kämen umso mehr Cliquen aus dem übrigen Baselbiet oder aus der Stadt «zu Besuch», sagt Fasnachts-Obmann Adrian Butz.

Ein ausschweifendes Schajawaja habe man bisher zum Glück noch verhindern können: «Wir agieren seit jeher als Dorffasnacht. Unsere Sujets sind ausschliesslich aufs Dorf bezogen – irgendwie scheint das für auswärtige Koma-Trinker nicht interessant zu sein». Dieser bewusst gelebte Fokus auf das Lokale sorge dafür, dass die Traditionen hochgehalten würden. So seien in Allschwil auch immer noch zahlreiche Schnitzelbänkler unterwegs. Zum Vergleich: In Laufen waren es einst über zehn – heute ziehen gerade mal noch deren drei durch die Beizen.

Allschwil setzt auf Dorffasnacht – und zwar mit Erfolg! Als eine der einzigen grösseren Umzüge auf dem Land hat die Tradition in Allschwil noch immer einen hohen Stellenwert. (Bild: Telebasel)

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