(Bild: Keystone) / Wie sind die Cliquen entstanden? (Bild: Keystone)

Basel

Von Breo, VKB und Barbara-Club

Die Cliquen sind an den «drey scheenschte Dääg» sehr wichtig. Die Tambouren und Pfeifer sind aber nicht immer in dieser Form an der Basler Fasnacht aufgetreten.

Laute Töne, harmonischer Klang und rhythmische Trommelschläge, die Cliquen gehören zur Basler Fasnacht wie Guggen, Waggis-Wagen oder Schnitzelbänke. Einst hiessen sie Fasnachtsgesellschaften und bestehen bekanntlich aus Pfeifer, Tambouren und Vorträbler. Letzter gingen aus den einstigen Platzmachern hervor. An der Fasnacht sind Kostüme, Larven, Laterne und Requisit auf das jeweilige Sujet abgestimmt.

Bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erschienen in Basel Cliquen. Jedoch handelte es sich damals nicht um permanente Vereinigungen, die Gruppen formierten sich jedes Jahr neu. Erst 1884 entstand mit der VKB (Vereinigte Kleinbasler) die erste dauerhafte Clique.

Die VKB am Drummeli 2017. (Video: Youtube/VinMartin)

Breo Clique zieht nach

Zwölf Jahre vergingen bis zur Gründung der nächsten Clique. Sie trägt den Namen Breo und bestand damals aus einer Gruppe jugendlicher Pfeifer und Tambouren. Zwei Jahre später entstand aus dem Bubenzüglein eine Clique mit 46 Mitgliedern.

Anfang des 20. Jahrhunderts gründeten einige Tambouren aus den Reihen des Artillerie-Vereins Basel-Stadt eine Fasnachtsgesellschaft. So war die Barbara-Clique geboren, die später zum Barbara-Club wurde.

Der Barbara-Club am Drummeli 2014. (Video: Youtube/Barbara-Club 1902)

Ebenfalls im Jahr 1902 formierte sich die Lälli-Clique. Wie vielleicht vermutet, geht der Name nicht auf den Lällenkönig am Rheintor zurück. Es handelt sich dabei um das erste Sujet der Clique, welches die Einführung der Polizeistunde thematisierte.

Gründung und Mehlsuppe

Drei Jahre später wurde die Spezi-Clique gegründet und danach die BMG (Basler Mittwoch Gesellschaft) ins Leben gerufen. Dieser Name könnte daher rühren, dass die Clique an einem Mittwoch gegründet wurde.

1908 schliesslich formierte sich die Olympia Clique. Deren Bezeichnung geht auf die Fasnachtstage zurück. So hätten die Gründungsväter damals nach dem Morgestraich im Birseckerhof bei einer Mehlsuppe gesessen. Ein paar der Beteiligten waren Mitglieder in der Kleinbasler Clique, doch dort waren Streitigkeiten entstanden. Man beschloss schliesslich eine eigene Clique zu formieren. Beim Namen orientierte man sich am Turnerzirkel der Seidenfärberei Schetty. Dieser war bereits früher temporär als «Jüngere Olympia» an der Fasnacht aufgetreten.

Die Zeit nach dem ersten Weltkrieg

Nach einer Pause während dem ersten Weltkrieg folgte die erste offizielle Fasnacht, welche auch Auftakt war für eine zweite Welle der Cliquengründungen. Den Anfang machte die J.B.-Clique Santihans. Sie entstand aus einem Fussballclub. Danach folgte die BFG, aus der aufgrund von Streitigkeiten weitere Cliquen entstanden. Die Sans-Gêne und AGB (Alti Glaibasler) haben sich kurz danach formiert.

Einen besonderen Hintergrund hat die 1923 gegründete Rätz-Clique. Die Mitglieder identifizierten sich mit den politischen Zielen der Arbeiterbewegung, deshalb mussten die Mitglieder gewerkschaftlich oder politisch organisiert sein. Es war eine Art Sammelbecken für Tambouren, die aus Überzeugung nicht mehr woanders trommeln wollten.

Eine Laterne steht in Flammen

Natürlich schufen die verschiedenen Cliquen im Laufe der Zeit auch die unterschiedlichsten Bräuche und Traditionen. So zum Beispiel auch die BMG. Sie versammelten sich am Dienstagabend im Hof des Löwenzorn. Dort stellten sie sich im Kreis auf. Ein roter Domino sprach einige Worte und die Clique gedachte den Fasnächtlern, die im vergangenen Jahr verstorben sind. Zum Gedenken wurde eine Laterne angezündet. Dieser Brauch wurde bis heute beibehalten.

Das Phänomen der Abspaltungen einiger Fasnächtler führte in den 20er Jahren zu weiteren neuen Cliquen. So entstand aus der Sans-Gêne die Clique Schnurebegge.

Frauen als Mitglieder

Eine Besonderheit waren auch die Rhyschnogge. Sie verstanden sich als eine katholische Trommler- und Pfeifergruppe. So stand für einmal nicht die Verbundenheit zum Quartier, sondern das Glaubensbekenntnis, im Vordergrund. An der reformierten Basler Fasnacht nahmen sie deshalb nicht teil. Für Aufsehen sorgte 1937 der Dupf-Club, der weibliche Mitglieder in die Pfeifergruppe aufnahm. Bis anhin waren nämlich Frauen an der Basler Fasnacht nicht in aktiven Rollen zu sehen. Bemerkenswert ist, dass der Dupf-Club heute eine Männerclique ist.

Anfang der 30er Jahre sorgte erneut eine Streitigkeit zu einer neuen Gründung. So entstand die Seibi-Clique. Der Name geht auf den alten Schweinemarkt am heutigen Barfüsserplatz zurück.

Die Seibi-Clique am Charivari 2017. (Video: Youtube/Fasnachtsgesellschaft Seibi Basel 1933) 

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