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Der Telebasel Report vom 24. Januar 2018: Vegan-Wahn.

Basel

Report: Vegan-Wahn in Basel

Schulen, Mensen, Haushalte – sie alle sollen sich bis 2020 vermehrt mit dem Thema Veganismus befassen. Dies fordert die Initiative «für eine nachhaltige und faire Ernährung», über die Basel-Stadt am 4. März abstimmt.

Der Aufschrei war gross, als die Denkfabrik Sentience Politics 2014 ankündete, eine Initiative zur Förderung des Veganismus’ aufzugleisen. Mensen, Spitäler und sonstige öffentliche Verpflegungsstätten sollten unter anderem dazu verpflichtet werden, täglich ein veganes Menü anzubieten. «Bevormundung des Bürgers», schimpften die einen. «Eingriff in die Wirtschaftsfreiheit», klagten die anderen. Sofort stand die Initiative unter einem schlechten Stern.

Im Schatten von NoBillag

Schon bald zeigte sich aber: Das Thema stösst auf grosses Interesse. Die in mehreren Schweizer Städten lancierte Unterschriftensammlung stiess mancherorts auf nahrhaften Boden. In Zürich beispielsweise kam die Initiative nicht nur zu Stande, sondern wurde Ende 2017 vom Stimmvolk sogar angenommen – wenn auch als ziemlich modifizierter Gegenvorschlag.

In Basel nun wird am 4. März über die Initiative abgestimmt. Die Regierung verzichtete auf einen Gegenvorschlag – lehnte die Initiative jedoch deutlich ab. Im Schatten der NoBillag-Initiative droht das Anliegen aber beinahe unterzugehen. Der Initiative ebenfalls nicht gerade förderlich ist die Tatsache, dass diese in Basel kaum verankert ist. Im Initiativ-Komitee ist niemand mit Basler Bezug zu finden.

Tofu anstatt Schnitzel: Vegane Ernährung soll in Basel gefördert werden.

Worum geht es?

Konkret wollen die Initianten die Förderung einer pflanzlichen Ernährung im Kanton Basel-Stadt gesetzlich festhalten. Dabei soll das Umweltschutzgesetz wie folgt geändert werden:

§19d Förderung der pflanzlichen Ernährung

1 Der Kanton erstellt ein Leitbild zur Förderung einer vermehrt pflanzlichen Ernährung. Darin sind die Auswirkungen des Tierproduktekonsums auf das Klima, den Ressourcen- und Landverbrauch, die Gesundheit und das Tierwohl aufzuzeigen. Das Leitbild gibt Empfehlungen zur Senkung des Konsums von Tierprodukten und zur Erhöhung des Anteils vegetarischer und veganer Menüs ab.

2 Der Kanton ergreift geeignete Massnahmen, um in den Verpflegungseinrichtungen öffentlich-rechtlicher Anstalten sowie weiterer Verwaltungsträger den Absatz vegetarischer und veganer Menüs zu fördern.

3 Der Kanton schafft geeignete Anreize dafür, dass sich Köchinnen und Köche in der Zubereitung vegetarischer und veganer Gerichte weiterbilden und sorgt im Rahmen seiner Möglichkeiten dafür, dass Schülerinnen und Schüler sowie Hauswirtschaftslehrpersonen mit der Zubereitung vegetarischer und veganer Gerichte vertraut werden.

4 Der Kanton weitet in den Verpflegungseinrichtungen öffentlich-rechtlicher Anstalten sowie weiterer Verwaltungsträger das vegetarische und vegane Ernährungsangebot aus und führt in Verpflegungseinrichtungen, die mehr als ein Menü zur Auswahl haben, zusätzlich ein tägliches veganes Menü ein.

5 Der Kanton sorgt dafür, dass die Forderungen und Massnahmen gemäss Abs. 1 bis 4 spätestens zwei Jahre nach Annahme der Initiative verwirklicht sind.“

Zum jetzigen Zeitpunkt wird die Initiative in Basel von den Grünen und der SP unterstützt. Dagegen ausgesprochen haben sich hingegen die SVP und FDP. Die EVP bestimmt ihre Position am 29. Januar.

Ernährungscoach Dami Niederhauser (l.), SVP-Grossrat Edi Rutschmann (m.) und BastA-Co-Präsidentin Tonja Zürcher (r.) beim veganen Mittagessen.

Bevormundung oder Stärkung der Wahlfreiheit?

Hauptdiskussionspunkt im Vorfeld ist die Auswirkung der Initiative auf die individuelle Freiheit der Baslerinnen und Basler. Während sich die Initiativ-Gegner gegen eine weitere Bevormundung des Staates wehren wollen («Die sagen mir jetzt nicht auch noch, was ich essen soll!»), betonen die Befürworter immer wieder, dass das Angebot ja lediglich erweitert werde. Durch ein zusätzliches veganes Menü sei überhaupt niemand gezwungen, ein solches auch effektiv zu konsumieren. Die, die das wollen, erhielten einzig eine weitere Alternative.

Dasselbe gelte für die übrigen Forderungen: Beispielsweise würde im Hauswirtschaftsunterricht mitnichten nur noch veganes Essen zubereitet. Der Veganismus würde lediglich als weitere mögliche Ernährungsform mit samt ihren Vor- und Nachteilen thematisiert.

Welches eben diese Vor-, bzw. Nachteile sind und wie sich Befürworterin Tonja Zürcher (Co-Präsidentin BastA!) sowie Gegner Edi Rutschmann (Grossrat SVP) im veganen Kochkurs schlagen, sehen Sie stündlich ab 19:40 Uhr im Report vom 24. Januar 2017.

Die Rezepte aus dem veganen Kochkurs bei ABC-Ernährungscoach Dami Niederhauser können am Ende des Artikels heruntergeladen werden.

4 Kommentare

  1. Als Veganer bin ich es, der bevormundet wird, wenn ich auswärts esse. Oft ist gar kein Angebot vorhanden, weil die Köche nicht wissen, was vegan ist (sie meinen vegetarisch). Bestenfalls ist von den vielen Menüvorschlägen – notabene alles Fleisch/Fischgerichte, vielleicht eines vegan – das ist Bevormundung, weil ich keine Wahl habe. Ein veganes Menü ist einfach lächerlich – es müssten mindestens drei Vorschläge auf der Speisekarte sein. Darf ich kurz erwähnen, was in einem Kilo Rindfleisch ist, ja? Eine Menge Gülle, die ins Wasser geleitet wird und unser Trinkwasser gefährdet, ca. 12-16kg Getreide mit Wachstumshormonen und Antibiotika, ca. 25000 Liter Trinkwasser, Zerstörung von landwirtschaftlichem Boden (Glysophat uam), Vertreibung und Verelendung indigener Völker, um den grossflächigen Anbau zu ermöglichen. Das Leid der Tiere habe ich noch gar nicht erwähnt, es ist ein Jammer, ein Verbrechen. Wir werden erst Frieden haben, wenn wir keine Tiere mehr schlachten. Wer das alles nicht sieht, ist blind oder will es einfach nicht wahr haben – es wird uns teuer zu stehen kommen.Report

    1. Sie werden bevormundet? Es gibt viele Restaurants, die diverse vegane Gerichte anbieten und dank dem Internet kann man sich kinderleicht vorher über das Angebot informieren. Sie haben die freie Wahl, welches Restaurant Sie besuchen. Wer aber in ein Restaurant geht, dass z.Bsp. traditionelle Schweizer Küche anbietet, kann nicht erwarten, dass auf Butter, Eier, Milch oder Käse verzichtet wird. Ich gehe auch nicht zum Inder und erwarte ein Rindersteak oder zum Libanesen und verlange ein Schweineschnitzel.Report

  2. Es ist schon erstaunlich, mit welcher Gehässigkeit auf solche und ähnliche Vorschläge von vegan lebenden Menschen reagiert wird. Es wird schnell behauptet, dass sie einem vorschreiben wollen, was sie zu essen haben. Wir schreiben gar nichts vor – es kann jeder Mensch weiterhin essen, was er/sie will. Wir zeigen nur auf, was es mit einer veganen Ernährung auf sich hat, dass wir mit dem was wir auf dem Teller haben bestimmen, wie unsere Landwirtschaft tickt und unsere Umwelt beeinflussen. Wir kommen nicht darum herum, den Fleischkonsum massiv zu drosseln (oder eben konsequent darauf verzichten), wenn wir auch in Zukunft in einer einigermassen intakten Welt leben wollen. Mit unserem Konsumverhalten stimmen wir täglich darüber ab – eine vegane Lebensweise ist ein positiver Schritt zur Lösung der Klimaerwärmung und vieler anderer Probleme.Report

  3. Edi Rutschmann soll sich mit dem Initiativ-Text befassen: Wenn er meint, dass das für viele Mensen schwer wäre, weil sie ja nicht mehrere Menus anbieten, sieht man, dass er nichts gelesen hat. Edi Rutschmann, es geht darum, dass wenn es MEHR wie ein Menu hat, ein Menu vegan sein muss. Damit das auch alle verstehen: hat eine öffentlich-rechtliche Anstalt nur EIN Menu, dann darf das weiterhin Fleisch beinhalten!Report

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