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Regio vom 24. Januar 2018.

Basel

Hipster-Johanniter und rappende Dreirose

Das Glaibasler Charivari glänzt einmal mehr mit Bühnenbildern und musikalischen Neuentdeckungen. Dieses Jahr gibt's in den Rahmenstücke nicht so viel Politisches. Dafür liefern die sechs Rheinbrücken als unterschiedliche Persönlichkeiten einen sympathischen roten Faden.

Das Glaibasler Charivari unter der Regie von Colette Studer lässt auch dieses Jahr beim Bühnenbild nicht lumpen. Sämtliche Basler Brücken dienen im Volkshaus als zweistöckige Kulisse. Jeder von ihnen ist ein Raamestiggli gewidmet – eine charmante Idee, die unterschiedlich gut umgesetzt wurde. Toll ist etwa die Mittlere Brücke als eitle Dame vor Touri-Selfies und Liebesschlösser, ebenso das kauzige Kraftwerk Birsfelden («die letschti tragfähigi Konstruktion zwüsche Basel-Stadt und Baselland…»), gespielt vom Luzerner Roger Wicki, der neu zum Charivari-Ensemble gestossen ist. Die Johanniterbrücke kommt als hipper Student mit «Rüeblihose» und «abonniertem Bart» daher, die Dreirosenbrücke hingegen als Quartier-MC, der über die Verdrängung in der Stadt rappt.

Frustrierte Taube

Nach mehreren sackstarken Jahrgängen der Ära Colette Studer spielt das Glaibasler Charivari somit weiterhin klar in einer hohen Liga. Allerdings sind dieses Jahr die grossen Pointen und bissige Polit-Sujets etwas spärlicher gesät. Für Lacher ist aber durchaus gesorgt, zum Beispiel im Rahmenstück «Sie haben neue Nachrichten», wo unter anderem Guy Morin, Christoph Blocher und Sabine Pegoraro am Telefonbeantworter zu Auftritten kommen. Viel Applaus erntet auch die Solonummer «D Duube», wo sich das Charivari selbst auf die Schippe nimmt: Die Schauspielerin Tatjana Pietropaolo wettert dort herrlich über ihre ungeliebte Statistenrolle als Taube in den Rahmenstücken.

Telebasel News vom 21. Januar 2018

Brandneuer «Prinz Carneval»

Eine Besonderheit am diesjährigen Charivari liefern die Ueli 1876, die als wohl älteste Basler Trommlerformation und Exoten der Szene bekannt sind. Zusammen mit befreundeten Tambouren sorgen sie mit «Prinz Carneval» für eine grossartige Uraufführung. Virtuos sind auch die Pfyffer der Spitzbuebe, die mit dem Syncopia brillieren – der knifflige Marsch, den übrigens eine Woche zuvor auf derselben Bühne die neue Pfyfferkönigin meisterte. Die Stammclique Basler Rolli begleitet durch den Abend, unter anderem mit dem vor drei Jahren am Drummeli uraufgeführten «Keenig», zudem lockert die Gugge Ohregribler im traditionellen Harlekinkostüm den Abend auf.

«Me Too» im Marathonvers

Last but not least noch etwas zu den beliebten Charivari-Stammgästen: Mathias Brenneis verkörpert eine weitere fasnächtliche Randfigur. Diesmal ist’s ein eigenbrötlerischer Blaggeddeverkäufer, eines der Stadtoriginale, wie man sie etwa vor der Schalterhalle des Bahnhof SBB trifft. Erneut zielt auch der Bangg d Gwäägi ins Schwarze, sei es zu Constantins Keilerei, zum Vaterschaftsurlaub oder in ihrem obligaten Marathonvers zu #MeToo.

1 Kommentar

  1. Ein höchst anspruchsvolles und hervorragend-gespieltes CHARIVARI 2018 mit musikalisch hochstehendem Inhalt und einem wie jedes Jahr Super-Bangg. Bravo an alle Akteure, auf der Bühne, hinter der Volggshuus-Bihni, aber auch an sämtliche HelferInnen.Report

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