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Ricky van Wolfswinkel über seine Verletzung und die Stürmer-Situation beim FC Basel. (Video: Telebasel)

International

«Ich werde zeigen, dass ich die Nummer 1 bin»

Ricky van Wolfswinkel brach sich im September 2017 beim Champions League-Spiel gegen Benfica Lissabon den Fuss. Im Interview mit Telebasel spricht er über seine Zeit neben dem Fussballplatz und analysiert die Stürmer-Situation beim FCB.

Telebasel: Ricky van Wolfswinkel, beim letzten Interview mit uns im Sommer haben Sie versprochen, dass Sie beim nächsten Mal Deutsch sprechen können. Wie steht es nun um Ihr Deutsch?

Ricky van Wolfswinkel (lacht): Natürlich, das geht, aber (wechselt wieder zu englisch), es ist einfacher für mich Englisch zu sprechen.

Sie hatten doch jetzt Zeit, Deutsch zu lernen.

Ja, um mich hier einzuleben und Deutsch zu lernen. Ich denke, für mich ist es jetzt besser Hochdeutsch zu sprechen – im Moment. Das Ziel ist es schon, irgendwann Schweizerdeutsch zu lernen, aber im Moment arbeite ich hart an meinem Deutsch.

Sprechen Sie jetzt auch mit Ihren Teamkollegen Deutsch?

Manchmal, aber es hört mir sowieso niemand zu.

Die letzten paar Monate waren Sie verletzt. Wie sah in dieser Zeit ein Tag von Ricky van Wolfswinkel aus?

Ich musste zur selben Zeit wie der Rest der Mannschaft im Stadion sein. Ich begann früher und beendete mein Training später als die anderen. Ich brauchte längere Tage, um so schnell wie möglich wieder fit zu werden. Ich habe hart dafür gearbeitet und spielte nach elfeinhalb Wochen wieder. Ich denke, du hast einen guten Job gemacht, wenn du dir den Fuss brichst und nach knapp 12 Wochen wieder spielst. Ich war sehr glücklich darüber, aber am Ende kann es dir nie schnell genug gehen. Du willst am liebsten schon in der nächsten Woche wieder zurück sein, aber so ist es halt.

Haben Sie erwartet, so schnell wieder zurück zu sein? Hatten Sie nie Zweifel, dass Sie ihr Ziel nicht schaffen würden?

Natürlich gab es Zweifel. Aber du hast die Momente, wo du schneller vorankommen willst und du pusht dich dann selber. Dann kommt der Moment, wo du dich nicht mehr weiter pushen kannst. Du kannst nur das tun, was du tun kannst, was dein Fuss tun kann. Manchmal musste ich auf einem niedrigeren Level trainieren als ich es wollte, weil es nicht anders ging. Am Ende bin ich aber sehr glücklich mit meiner Genesung. Wie ich aber gesagt habe, ich bin kein geduldiger Mensch.

Haben Sie sich durch diese lange Verletzungspause als Mensch und Fussballer weiterentwickelt?

Ich denke schon, ja. Du lernst, mit Hindernissen umzugehen. Ich war früher in meiner Karriere auch schon verletzt, aber nie so lange und so schwer. Daher musst du zwangsläufig geduldiger werden. Und das wird mich schlussendlich auch auf dem Platz weiterbringen.

Können Sie den Moment der Verletzung beschreiben?

Ich war eigentlich total glücklich, weil wir 5:0 gegen Benfica führten. Aber als ich mich verletzte, waren diese Glücksgefühle sofort ausgeschaltet, ich hatte keinen Bezug mehr zum Spiel. Ich habe nur noch an meinen Fuss gedacht, weil ich gemerkt hatte, dass etwas nicht stimmt. Von der ersten Sekunde an. Moi (Elyounoussi, Anm. d. Red.) sagte auch gleich, dass der Fuss wohl gebrochen ist.

Also war die definitive Diagnose kein Schock mehr für Sie?

Nein, schockiert hat es mich nicht mehr. Aber natürlich hoffst du doch noch, dass es anders kommt. Aber diese Hoffnung war sehr klein. Ich konnte die Kabine nach dem Spiel nur auf Stöcken verlassen, weil ich den Fuss nicht belasten konnte. Also war der Fall für mich klar.

Wie hart waren die ersten Tage?

Die ersten beiden Tage waren brutal. Da brauchte ich Zeit, alles zu verarbeiten. Ich war down, richtig frustriert. Aber am Tag vor der Verletzung war ja noch meine Tochter zur Welt gekommen, das hat mich glücklicherweise auf andere Gedanken gebracht.

Wer hat Ihnen während Ihrer Verletzungszeit am meisten geholfen? Wer war Ihre Bezugsperson?

Zu Hause war es natürlich meine Frau. Aber ich habe den grössten Teil meiner Zeit auf dem Trainingsgelände verbracht. Und da waren es meine Physios, allen voran Amit. Er hat so viel investiert und dafür bin ich ihm sehr dankbar.

Und in der Mannschaft? Fühlten Sie sich nie in irgendeiner Art isoliert?

Wenn du dich isolieren willst, dann passiert es. Da geht es vor allem um dich. Aber ich wollte das nicht. Deshalb bin ich, als es meine Gesundheit wieder zugelassen hat, auch immer an die Auswärtsspiele mitgereist. An den Heimspielen war ich sowieso stets dabei, auch in der Kabine. In Verletzungsphasen musst du Energie investieren, um im Team zu bleiben. Das ist auch enorm wichtig für deine mentale Verfassung und die Genesung. Die Jungs haben mir dabei auch sehr geholfen. Michi Lang zum Beispiel, mit dem ich ohnehin sehr eng verbunden bin. Aber auch Luca Zuffi, Manu Akanji und Moi waren immer helfend zu Stelle.

Hat sich Ihre Rolle im Team verändert?

Es ist immer anders, wenn du nicht spielst. Es ist nicht so, dass du ganz egal bist. Aber du bist weg und siehst nicht, was sie im Training machen. Aber das habe ich alles erfragt und so die Nähe bewahrt. Auch ging ich nach dem Training manchmal mit Jungs aus der Mannschaft essen.

Nimmt Ihr Einfluss nun ab, wo mit Fabian Frei und Valentin Stocker zwei neue Leader zurück sind?

Glauben Sie denn, mein Einfluss ist gross?

Da Sie als Königstransfer angepriesen wurden und einer der Älteren sind, ja.

Sie haben recht. Stürmer sollten sowieso immer einen gewissen Einfluss in der Mannschaft haben. Auch wenn wir und die Goalies immer die komischen Typen sind (lacht). Aber ich denke wirklich nicht, dass die Zuzüge der beiden und von Samuele Campo für mich etwas ändern werden. Ich glaube vielmehr, dass sie Persönlichkeiten sind, die das Team brauchen kann. Und bei Fabian und Samuele habe ich hier im Trainingslager auch bereits gesehen, dass sie richtig gute Fussballer sind. Valentin lerne ich erst noch kennen. Grundsätzlich denke ich, dass eine Mannschaft mehrere Leader haben kann.

Ihre Verletzung hatte auch zur Folge, dass der FCB zwei weitere Stürmer verpflichtet hat. Die Position ist überbesetzt, oder?

Ich weiss nicht, ob man zu viele Stürmer in einem Team haben kann. Ich bin einfach froh, dass der Trainer entscheiden muss und nicht ich. Wir haben jetzt aber alle noch einen knappen Monat Zeit, um uns zu beweisen. Wir sind alle gute Spieler. Und ich will zeigen, dass ich der Beste bin.

Sie sehen sich also weiterhin als Stürmer Nummer 1?

Ja, das tue ich. Das muss ich jetzt bestätigen. Aber ich vertraue dem Trainer, dass er sich richtig entscheiden wird. Wie auch immer das sein mag. Ich will einfach weiter meine Tore machen.

Sind Sie genug fit, um Stürmer Nummer 1 zu sein?

Ich denke schon. Konditionell war ich die ganze Zeit gut dran. Aber ich habe fast 15 Wochen nicht viel mit dem Ball gemacht. Ich bin aber zufrieden, wie es bisher gelaufen ist und wie ich mich jetzt fühle. Ich werde bereit sein für die ersten Spiele. (fügt lachend an) Das ist doch gut zu wissen.

Der Telebasel Sport Beitrag vom 12. Januar 2018. 

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