«Ich bin nicht in jedes Detail der in meinem Namen getätigten geschäftlichen Transaktionen involviert», sagt Bono. (Bild: keystone)

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Bono will wieder der Gute sein

Er begeistert Millionen Rockfans, nervt aber auch viele mit seinem Prediger-Pathos. Jetzt wird U2-Sänger Bono Scheinheiligkeit wegen eines Steuersparmodells vorgeworfen. Mit neuem Album im Gepäck bemüht sich der Ire um Schadensbegrenzung.

Bono gibt sich in einem ausführlichen Gespräch mit der ‹Süddeutschen Zeitung› (vom Samstag, 9. Dezember 2017) zerknirscht, er übt sich in Demut gegenüber Millionen irritierten Fans, es geht ihm sichtlich um seine moralische Integrität. Der sonst so selbstbewusst auftretende Sänger der irischen Mega-Band stellt Eigenwerbung und Polit-Parolen hintenan, um in seiner ‹Paradise-Papers›-Steueraffäre aus der Defensive zu kommen.

«Ich nehme diese Anschuldigungen wahnsinnig ernst. Das betrifft mich und alles, wofür ich stehe, im tiefsten Inneren», sagt Bono – mit bürgerlichem Namen Paul David Hewson – über das, was vor zwei Monaten ans Licht der Öffentlichkeit gelangte.

Nicht zum ersten Mal wird der Rockstar mit Steueroptimierungsmodellen zu Ungunsten seiner Heimat Irland in Verbindung gebracht. In den ‹Paradise Papers› geht es nun um Investitionen in Litauen. Die Dokumente zeigen, dass Bono über Firmen in Malta und Guernsey Geld in ein Einkaufszentrum gesteckt hat, das in zehn Jahren keine Steuern auf Gewinne gezahlt haben soll.

Geschäftsschädigend

Leider sei der Eindruck entstanden, dass er «bei etwas Illegalem erwischt worden» sei, sagt Bono jetzt der ‹Süddeutschen›, welche die Affäre um Steuersparmodelle von Politikern, Unternehmern und Prominenten erst ins Rollen brachte. Und er räumt ein: «Die Art, wie wir unsere Geschäfte führen, definiert zum Teil unsere Aussenwahrnehmung und die unserer Musik.»

Die Negativ-Schlagzeilen und empörten Reaktionen kommen zur Unzeit für U2, deren zweiter Bandboss, Gitarrist The Edge, sich denn auch in dem Doppelinterview knurrig äussert («sehr enttäuschend»). Die seit 40 Jahren bestehende Band – eine der erfolgreichsten aller Zeiten mit geschätzt rund 170 Millionen verkauften Tonträgern – hat am 1. Dezember ihr 14. Studioalbum ‹Songs Of Experience› herausgebracht.

Wie auf vorherigen Platten sind manche Songs politisch geprägt. Bono engagiert sich seit Jahrzehnten in sozialen Fragen. Ihm wird von Kritikern schon lange vorgeworfen, dass er sich gern als Weltverbesserer aufspiele – und nun als scheinheilig entlarvt sei.

Dem Musiker ist dieser problematische Punkt seiner Aussendarstellung bewusst. Bono entschuldigt sich zwar nicht, aber er verspricht grösstmögliche Transparenz bei der Aufarbeitung seiner wohl nicht illegalen, aber moralisch angreifbaren Litauen-Connection.

Transparenz – Versprochen!

Ihm sei «wichtig, dass unsere Fans Folgendes wissen: Sollte irgendetwas nicht mit rechten Dingen zugegangen sein, würde ich mich darüber mindestens so aufregen wie sie». Er könne nachvollziehen, dass die Öffentlichkeit von ihm eine höhere Moral erwarte und daher auf solche Immobilien-Investmentfonds und die Veröffentlichung des Namens Bono in den ‹Paradise Papers› empfindlich reagiere: «Ich setze diese Standards ja selbst.»

Noch liefen zu den Vorgängen «ausführliche Untersuchungen», betont Bono. «Es wird nun mindestens einen Monat dauern, bis alles geklärt ist, dann können wir damit vollumfänglich an die Öffentlichkeit gehen.»

Der Musiker lässt erkennen, dass ihm der Gesamtüberblick über das Steuersparmodell fehle: «Ich bin nicht in jedes Detail der in meinem Namen getätigten geschäftlichen Transaktionen involviert.» Er habe seine Finanzberater daher schon vor Jahren ganz klar aufgefordert: «Haltet die Dinge transparent.»

Merkwürdig klingt aus Bonos Mund freilich dieser Satz: «Dass eine Minderheit durch die Gesetze die ganz legale Möglichkeit hat, sich bessere Ausgangsbedingungen zu verschaffen als die Mehrheit der Menschen, muss unbedingt aufhören.»

Und Bono wäre nicht Bono, wenn er nicht doch am Ende als guter Mensch dastehen wollte: Immerhin verstecke er sein Geld nicht «in fragwürdigen Projekten in Entwicklungsländern». Ausserdem zahle seine Band «überall auf der Welt ganz regulär enorme Beträge an Steuern, auch in Irland». (sda dpa)

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