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Der Telebasel Report vom 6. Dezember 2017.

Basel

Lukas Ott: Vom Stedtli in die Stadt

Wer ist eigentlich Lukas Ott? Sicher: Politiker, Stadtpräsident - gar nicht mal so erfolglos. Und trotzdem: Wer steckt dahinter? Wer steckt hinter der seriösen Fassade? Ein Porträt.

Rosa Hemd mit dunkelblauem Nadelstreifen-Anzug und darüber ein ebenso dunkelblauer Mantel. So kennt man Lukas Ott (51) seit eh und je. Der Grünen-Politiker ist stets herausgeputzt und top-seriös gekleidet. Was er sagt, wählt er mit Bedacht. Jedes Wort ist wohl überlegt, jede Formulierung glatt-geschliffen. Der Journalist Peter Knechtli (OnlineReports.ch) bezeichnet ihn gar als «eloquentes Wunderkind». Nur: Zuweilen wirkt dieses Bild wie eine Fassade, wie ein Schutzschild.

Lukas Ott in seinem ehemaligen Büro im Liestaler Rathaus. Top-seriös im Anzug, wie man ihn kennt. (Bild: Telebasel)

Ott kann auch Vater, Musiker oder Sportler

Otts Auftritt wirkt dann derart makellos, dass man sich fragt, wer wohl der Mensch hinter diesem Anzug ist? Wer ist Ott, wenn er nicht gerade im Politiker-Modus funktioniert? Die Antwort ist so simpel wie erfrischend: Ott ist Vater, Musiker und Velofahrer. Er ist genauso Lebenspartner oder Koch wie unsereins. Phu – Glück gehabt!

Vater ist Ott von zwei Kindern: Tochter Anna, die zurzeit in Kopenhagen internationale Beziehungen studiert und mit ihren 25 Jahren bereits Vize-Präsidentin der Grünen Partei Baselland ist, und Sohn Gregori, der mehrere Schweizer Rekorde im Kugelstossen hält und in ebendieser Disziplin als grösste Schweizer Hoffnung an die Olympischen Spiele 2020 in Tokio fahren soll.

So hat man Ott noch nie gesehen: Der Politiker Ott ist auch ein leidenschaftlicher Velofahrer. (Bild: Telebasel)

Abschalten auf dem Velo

Wenn ihm der Wind um die Ohren bläst, seine Beine jenseits von jedem Bewusstsein nur noch mechanisch vor sich hin drehen, dann ist Ott der Velofahrer. «Ein wohl gar nicht mal so unbegabter», sagt Ott selbst. Zwar hat er schon früh auf die Politik gesetzt – aber tief drin, im Herzen, da hätte ihn eine Sportlerkarriere auf dem Velo durchaus gereizt. Mit etwas weniger Ehrgeiz, dafür mit umso mehr Genuss, strampelt der auto-lose Politiker heute mehrmals die Woche durch das Baselbiet. «So lange, bis der Kopf abschaltet und es nur noch so läuft», sagt Ott.

Lukas Ott (2.v.r) mit seiner Partnerin Christina (ganz rechts, grüner Mantel) im Liestaler Stedtli. (Bild: Telebasel)

Mal strampelt seine Lebenspartnerin Christina an seiner Seite, mal ist er alleine Unterwegs. Spätestens zu Hause am Kochherd treffen sie sich dann wieder: «Wir kochen oft zusammen, diskutieren über alles Mögliche und lachen viel – er ist sehr humorvoll», sagt Christina. Die beiden leben seit mehreren Jahren zusammen, die Kinder aber stammen aus Otts erster Ehe. Er habe sich das nie so vorgestellt, dass sowas gerade ihm passiere, sagt Ott. Es zeige jedoch, dass jeder von uns scheitern kann. Scheitern – aber nicht versagen. Mehr möchte Ott dazu nicht sagen.

Ott kann auch Hintergrund – hier als Bassist auf der Bühne (3.v.l) (Bild: Telebasel)

‹Celebration› am E-Bass

Und dann wäre da noch Otts Liebe zur Musik. Der studierte Soziologe spielt eigentlich Cello, hat sich aus praktischen Gründen aber auch noch dem E-Bass zugewandt. So kann er eher auch mal in einer Formation auftreten – wie Beispielsweise hier, in diesem Video mit seinem Sohn Gregori am Keyboard und dem heutigen Besitzer des Liestaler Guggenheims, Eric Rütsche, an den Drums. Angesichts seines steten Drangs, den Takt anzugeben, kommt seine Rolle im Hintergrund des Ensembles eher etwas überraschend: Sei es in der Schülerorganisation am Gymnasium Liestal oder später im Stadtrat – Ott wollte immer Lokomotive sein, nicht Wagen. Beide Gremien hat er deshalb präsidiert. Logisch, dass sich Ott auch in Basel nicht einen Beamten-Job ausgesucht hat, sondern jenen des Chefbeamten. In der Rolle als Kantons- und Stadtentwickler von Basel will Ott für einmal nicht nur Areale und Quartiere entwickeln, sondern auch sich selber. Es ist ein bewusster Schritt in neue Gefilde, um nach über 30 Jahren Politik neue Reize zu setzen. Ob es ihm gelingt? Wir werden es sehen. Im Notfall wird es dann halt doch noch die Velo-Karriere.

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