Die Bild-Montage am Marktplatz. (Telebasel)

Basel

Anonyme narren Basel mit Riesen-Transpi und Fake-Fotos

Unbekannte müssen in einer Nacht- und Nebelaktion gehandelt haben. Im Morgengrauen hing nämlich ein überdimensioniertes Banner beim Marktplatz. Kurz vor Beginn der Grossratssitzung hängte ein anonymes Kollektiv das Transparent mit der Aufschrift «Let’s talk about ignorance» auf. Dabei wurden Grosskonzerne an den Pranger gestellt. Zugleich spielt die Aktion auf einen Anzug der Grossrätin Tonja Zürcher an.

Schon Ende September hängten anonyme Aktivisten 60 Plakate in der Basler Innenstadt auf, welche ebenfalls die Basler Regierung und die hier ansässigen Unternehmen Syngenta, Novartis und Roche scharf kritisierten. Auf ebenjenen Plakaten wandelten sie das Motto «Culture Unlimited» von Basel Tourismus zu «Ignorance Unlimited» um. Beliebte Sightseeing-Bilder von Basel Slogans wurden dabei mit Sätzen wie «Wir schauen am besten weg» und «Wohlstand dank globaler Zerstörung» bestückt.

«Obwohl wir nicht verantwortlich sind für diese Plakate, so nehmen wir sie doch zum Anlass für unsere heutige Aktion», heisst es in einer Mitteilung des Kollektivs, welches sich die heutige Aktion auf die Fahne schreibt.

Grosskonzerne am Pranger

Der politische Vorstoss der Basta-Grossrätin Tonja Zürcher und Konsorten handelt von der Haltung von multinationalen Konzernen mit Basler Hauptsitz gegenüber den Umwelt- und Menschenrechtsverletzungen. Dabei äussert sie sich kritisch gegenüber Unternehmen wie Syngenta, Novartis und Roche. Dabei bekommt auch die Basler Regierung ihr Fett ab – sie schaue liebe über die Schattenseiten hinweg, anstatt offen Kritik gegenüber den Chemiekonzernen zu äussern, um die in Basel ansässigen, gern gesehenen Steuerzahler nicht zu vergraulen.

Der Anzug fordert nun, dass der Regierungsrat prüft, ob «die passive Haltung der Regierung gegenüber den Umwelt- und Menschenrechtsverletzungen der in Basel ansässigen multinationalen Firmen geändert werden muss, um die in der Basler Verfassung verankerten Grundrechte und Ziele zu fördern» und «wie die Bevölkerung über den Umstand informiert werden kann, dass die Steuereinnahmen von in Basel ansässigen Firmen zumindest zum Teil auf Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörung beruhen».

Guerilla-Aktion mit Fake-Fotos

Tonja Zürcher sagt gegenüber Telebasel, sie habe nichts von diesem Banner gewusst, finde es aber «eine coole Aktion». Überrascht waren auch die Mitarbeiter der Geschäfte, die ihre Fenster am Morgen plötzlich von diesem Riesentransparent verdeckt vorfanden. Der Guerilla-Protest währte nicht lange: Kurz vor neun Uhr entfernten die Angestellten das  zehn auf sieben Meter grosse Banner am Gebäude wieder.

Ziemlich clever, aber auch dreist legten die Unbekannten nach ihrer Aktion noch einen drauf – mit Fake-News als Bonusmaterial. Sie narrten nämlich die Medien in einer Mitteilung. Dieser waren im Anhang echte Aufnahmen vom Banner am Marktplatz beigefügt, jedoch garniert mit Fotomontagen. Diese zeigen die gleichen Transparente, allerdings an Roche- und Novartisgebäuden.

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Zum Herunterladen:
Politischer Vorstoss von Tonja Zürcher

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