Featured Video Play Icon
Der Beitrag in den Telebasel News vom 3. Dezember 2017.

Basel

Steigende Krankenkassenprämien wegen zu vieler Profiteure?

Der ehemalige Basler Chefarzt Daniel Scheidegger kritisierte am 27. November 2017, in der ‹Neuen Zürcher Zeitung› das Schweizer Gesundheitssystem harsch. Gegenüber Telebasel nimmt der Basler Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger Stellung.

Daniel Scheidegger kritisierte, dass der Anstieg der Krankenkassenprämien stiegen, weil zu viele Akteure vom System profitierten – von Ärzten über Apotheken bis zu den Krankenkassen. Sein Lösungsvorschlag: Die Kantone sollen im Gesundheitswesen ihren eigenen Weg einschlagen. Der Basler Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger begrüsst den föderalistischen Ansatz, ist mit Scheideggers Lösungsansätzen aber nur bedingt einverstanden.

Baselland und Basel-Stadt mit gemeinsamen Weg

«Ich kann mir das sehr gut vorstellen. Es ist ein richtiger Vorschlag», sagt Engelberger. Wir seien in der Schweiz ja föderalistisch organisiert. So hätten die Kantone ein Eigenleben. Zudem: «Wir machen das auch schon. Mit dem Kanton Basellandschaft sind wir dran, eine gemeinsame Gesundheitsversorgungs-Planung zu erarbeiten und die Spital-Fusion aufzugleisen», sagt Engelberger.

Das ausführliche Interview mit Gesundheitsdirektor BS Lukas Engelberger:

(Videl: Telebasel)

Neben zu vielen Akteuren, die vom Gesundheitssystem profitieren wollen, kritisierte Scheidegger in der ‹NZZ› die zu komplexe Struktur. «Das System ist so kompliziert, dass niemand wissen kann, was genau passiert, wenn wir eine Reform machen (…).»

Lukas Engelberger ist jedoch zuversichtlich, dass der eingeschlagene Weg der beiden Basel, der richtige sei. «Wir können relativ gut abschätzen, respektive sind zuversichtlich, dass wir einen Beitrag leisten zur Stabilisierung der Kosten.»

Lösungsvorschläge ok, aber…

Neben Kritik, liefert der frühere Basler Chefarzt Scheidegger auch gleich Lösungs-Vorschläge, um die Kosten in den Griff zu bekommen:

So will Daniel Scheidegger die Kostenexplosion des Schweizer Gesundheitssystem in den Griff bekommen. (Grafik: Telebasel)

Für Lukas Engelberger ein interessanter Ansatz, aber: «Ich bin noch nicht sicher, in welchen Fällen das praktikabel ist.» Eine Zweitmeinung koste ja auch – Zeit und Geld. Zudem bestehe die Gefahr, dass sich beide Ärzte nicht einig seien. Dann sei eine Drittmeinung nötig, was noch höhere Kosten verursache. «Ich wäre schon froh, wenn die Leute zu einem Hausarzt gehen, bevor sie für einen Eingriff einen Spezialisten aufsuchen», sagt Engelberger weiter.

«Zahl der niedergelassenen Ärzte limitieren»

Engelberger selber sieht die grosse Zahl an Ärzten in der Region als kostentreibendes Übel: «Wir würden gerne die Zahl der niedergelassenen Ärzte und ihrer Praxen limitieren. Wir hätten als Kanton gerne die Möglichkeit zu sagen, dass in einer bestimmten Fachrichtung keine weiteren Arzt-Praxen eröffnet werden, die zulasten der Krankenversicherung abrechnen».

Der Basler Gesundheitsdirektor sieht seine These durch Zahlen bestätigt. Denn es hätte sich gezeigt, dass es eine Korrelation zwischen der Zahl an Spezialisten und den Krankheitsfällen gibt – Je mehr spezialisierte Ärzte es gebe, desto mehr Krankheitsfälle würden verzeichnet. Dem Kanton seien im Moment jedoch die Hände gebunden. Das Bundesgesetz liesse keine Limitierung der Ärzte zu.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Was geschah bisher

Mehr aus dem Channel

Auch interessant