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Der Beitrag in den Telebasel News vom 30. November 2017.

Basel

«Die Jungen sollen sich nicht verführen lassen»

Die Ausstellung ‹The Last Swiss Holocaust Survivors› nähert sich in einer Porträt-Serie den letzten in der Schweiz lebenden des Holocaust an. Telebasel traf zwei der porträtierten Personen an der Vernissage am 29. November 2017.

An der Ausstellung ‹The Last Swiss Holocaust Survivors› an der Universität Basel werden 14 Gesichter gezeigt. Es sind Menschen, welche den Genozid während dem Nationalsozialismus überlebt haben. Sie gehören zu den letzten Zeitzeugen, welche heute in der Schweiz leben. Daneben gibt ein Porträtfilm eindrücklich ihre Geschichten wieder.

Flucht ins Kloster

Telebasel traf im Rahmen der Vernissage zwei Basler Überlebende. Dazu gehört Christa Markovits  aus Ungarn. Sie rettete sich als junges Mädchen in Budapest vor der Verfolgung.

«Irgendwie hat meine Mutter das organisiert, dass wir in das Kloster Sacré-Coeur in Budapest gehen konnte und das stand unter schwedischem Schutz.» Es waren 100 Kinder, die alle jüdischer Abstammung waren», erinnert sich die heute 81-Jährige. Sie selber sei zwar katholisch getauft gewesen. Für die sogenannten Rassengesetze der Nationalsozialisten habe dies jedoch keine Rolle gespielt.

Sie selber sieht ihr Schicksal als glücklichen Zufall – sie habe das Glück nicht verdient. In der Zeit des Zweiten Weltkrieges seien ihre Cousine, ihre Tante  und ihr Onkel allesamt ermordet worden.

1956 Flüchtete sie schlussendlich in die Schweiz, wo sie Physik studierte und beim Paul Scherrer Institut tätig war. Es sei nun wichtig über die Vergangenheit zu sprechen. Denn: «Die Jungen sollen sich nicht verführen lassen.»

450 Zeitzeugen leben in der Schweiz

Noch würden laut der Stiftung Gamaraal ungefähr 450 Holocaus-Überlebende in der Schweiz wohnen. Laut Einschätzung der Stiftung soll die Dunkelziffel aber  höher sein. Sie verbleiben, um die schreckliche Geschichte der Vergangenheit der heutigen Menschen in Erinnerung zu behalten. Doch was wenn die letzten Zeugen sterben? Wie kann ihre Geschichte in Erinnerung bleiben?

Der gebürtige Slowake Ivan Lefkovits macht sich ebenfalls seine Gedanken dazu: «Holocaust ist etwas insofern Einzigartiges, da es ein industrielles Morden war», sagt der Immunologe. Es sei so einmalig, dass man es nicht mit anderen Geschehnissen vergleichen könne. «Und wenn diese Leute wie ich nicht mehr da sind,dann bleiben diese einzelnen Dokumente.» Das Problem: Diese Dokumente würden im Moment zu wenig stark genutzt, um die Erinnerung an das Geschehene weiterzugeben.

Zeitzeugen als Hebeleffekt

Demnach sieht Lefkovits in der Schweiz einen grossen Handlungsbedarf im Unterricht zum Thema Holocaust. Schilderungen von Zeitzeugen seien dabei immens wichtig. Dabei nennt er ein Beispiel aus Berlin, wo Schüler jeweils in Dreiergruppen die Biografie eines Überlebenden dokumentierten und in der Schule präsentierten. «Wenn diese drei Leute über meine Geschichte absolut alles wissen, dann kann das einen Hebeleffekt haben für die nächste Generation.»

Ivan Lefkovits erlebte den Holocaust hautnah mit. Der 80-Jährige wude 1944 mit seiner Mutter und seinem Bruder nach Bergen Belsen und Ravensbrück deportiert. Ivans Bruder wurde später ins Männerlager gesteckt und getötet. Lefkovits und seine Mutter überlebten. 1969 kam er nach Basel.

‹The Last Swiss Holocaust Survivors› ist ein Projekt der 2014 gegründeten Gamaraal Foundation mit Sitz in Zürich. Die Stiftung unterstützt zum einen bedürftige Holocaust-Überlebende, zum anderen engagiert sie sich im Bereich Holocaust Education.

Good to know:

‹The Last Swiss Holocaust Survivors›

  • Ausstellungsdauer: vom 30. November bis 24. Dezember 2017.
  • Ort: Kollegienhaus der Universität Basel.
  • Öffnungszeiten: Mo-Fr, 07:00 Uhr bis 20:20 Uhr.
  • Eintritt: Gratis.
  • Mehr Infos hier.

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