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Telebasel Report vom 29. November 2017.

Basel

Rumänien-Report Teil 2

«Das sind die, die am Boden hocken und Musik machen – sicher auch einbrechen», meint eine Dame in der Telebasel Umfrage. Gefragt war einzig, was ihr zum Thema «Rumänien» in den Sinn kommt. Mit diesem Stigma leben viele ehrliche und fleissige Rumänen in Basel.

Die Umfrage auf dem Barfi war simpel: Die Befragten sollten einzig angeben, was ihnen beim Begriff «Rumänien» als erstes in den Sinn kommt. Mit einer beängstigenden Selbstverständlichkeit gab die grosse Mehrheit der Befragten an: «Diebstahl» oder «Einbrecher». Nur wenige waren selbst einmal da oder haben eine positive Assoziation: «An Rumänien habe ich schöne Erinnerungen, da würde ich gerne mal wieder hin», sagt etwa ein Herr. Er bleibt die Ausnahme.

Software Architekt Codrin Bucur ist Rumäne und lebt seit über fünf Jahren in Basel.

«Ich habe mein ganzes Leben lang hart gearbeitet»

Codrin Bucur lebt seit über fünf Jahren in Basel. Die Novartis hat den versierten Software Architekten einst von ihrer Niederlassung in Boston nach Basel geholt. Der Rumäne ist voll des Lobes für seine neue Heimat, zumindest solange, bis er auf die Vorurteile der Schweizer und Schweizerinnen gegenüber seinem Land angesprochen wird: «Das ist schlimm. Ich habe mein Leben lang hart gearbeitet, habe über 30 Länder gesehen. Wer auf der Welt herumkommt lernt, dass man keine Stereotypen haben darf». Er mag es nicht, wenn man von den «kommunistischen Russen» oder den «Mafiosis aus Italien» spricht: «Jeder Mensch ist anders. Nicht einfach alle Amerikaner sind Lügner».

Auch Valentin Munteanu lebt seit rund fünf Jahren in Allschwil und fühlt sich wohl in der Schweiz.

Nicht alle Rumänen sind Romas

Das schlechte Image der Rumänen hängt unter anderem mit dem Verhalten einiger Romas in der Region zusammen. Die Volksgruppen, für die man früher den Begriff ‹Zigeuner› verwendete, ist bekannt dafür, die Grenzen des Gesetzes öfters einmal auszuloten: «In gewissen Teilen der Roma-Bevölkerung gehört es beinahe schon zur Kultur, mal etwas zu stehlen. Sicher nicht bei allen, aber bei gewissen Gruppen ist das so», sagt etwa Rumänien-Experte Michael Derrer. Nur: Die «Gypsys», wie sie sich selbst gerne nennen, haben mit Rumänien eigentlich gar nicht viel am Hut. Dass derart viele Romas in Rumänien leben, ist reiner Zufall. Auch die ähnlichen Namen, «Rumänen» und «Romas», sind reiner Zufall: «“Roma“ heisst in ihrer Sprache soviel wie „Mann“. Ihre Sprache ist aber völlig anders, sie sehen anders aus, sie haben eine andere Religion», sagt Valentin Munteanu von der Gruppe «Rumänen in Basel».

Taxi-Fahrer Mihai zeigt uns die «Bronx» von Bukarest.

Romas auch in Rumänien am Rande der Gesellschaft

Wie bei uns leben die Romas auch in Rumänien selber am Rande der Gesellschaft. Viele haben keine Schuldbildung, leben ausserhalb der Stadt und verdienen sich ihren Lebensunterhalt im besten Fall mit Musik und Gauklerei, im schlechtesten Fall durch Einbrüche und Diebstahl. «Aber nicht alle Romas sind kriminell», sagt etwa Valentin Munteanu. «Viele sind Profi-Musiker oder bauen Metall-Geräte, die arbeiten ganz normal». In Rumänien selbst sind die Meinungen zu den Romas geteilt. Seit einigen Jahren ist es von Seiten Regierung nicht mehr erwünscht, sich öffentlich abfällig über Romas zu äussern. Viele sind daher vorsichtig geworden. Dennoch merkt man ihnen an, dass sie immer noch Mühe haben mit den Romas im Land. «Die wollen gar nicht arbeiten. Lieber stehlen sie, nehmen anderen Leuten ihre Sachen weg, anstatt zu arbeiten», sagt etwa Taxi-Fahrer Mihai.

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