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Der Telebasel Report vom 22. November 2017.

Basel

Report aus Rumänien

Jung, männlich, Rumäne – so beschreiben sowohl Polizisten wie auch Grenzwächter den typischen Kriminaltouristen in Basel. Aber warum ist das so? Warum gerade Rumänien? Der Telebasel Report sucht Antworten – direkt vor Ort – in Bukarest.

1.9 Millionen Menschen leben in Bukarest. Rumäniens Hauptstadt gehört zu den grössten innerhalb der Europäischen Union. Wie mittlerweile fast alle Grossstädte der Welt ist auch sie notorisch verstopft, eine träge Schlange aus Blech zieht wie eine Karawane durch die Strassen der Stadt. Hier sollen also die Einbrecher leben? Hier, in diesem von wunderschönen Altbauten geprägten historischen Zentrum? Die vielen verschnörkelten Gebäude und Kirchen haben Bukarest den Spitznamen ‹Little Paris› eingebracht – und tatsächlich: das kommt hin.

Der pompöse Ceaușescu-Palast in Bukarest – eines der flächenmässig grössten Gebäude der Welt. (Bild: Telebasel)

Verkehrte Welt in den «Bronx von Bukarest»

Nein, hier im Stadtzentrum scheint Kriminalität in weiter Ferne. «Du willst wissen, warum die Leute stehlen?», fragt Taxi-Fahrer Mihai, «dann musst du nach Ferentari», sagt er und fährt mich direkt ins 10 Minuten entfernte Stadtquartier.

Unterwegs erzählt er von Prostituierten, von Drogenabhängigen und vom Staat, der nicht für diese Leute sorge. Er nennt das Ferentari-Quartier «Bronx von Bukarest». Dort angekommen wird klar: Der Mann hat Recht.

Strasse in Ferentari – den «Bronx» von Bukarest. (Bild: Telebasel)

Was wir in Ferentari zu sehen bekommen, ist Menschen unwürdig. Abgemagerte Männer in verlotterter Kleidung starren aus baufälligen Hauseingängen, Frauen schieben riesige Karren mit gesammeltem PET durch die Strasse, «um ein wenig Geld zu verdienen», wie Mihai sagt.

Müllberge wohin das Auge reicht, Dreckig ein Euphemismus. «Sie stellen auf den Konsum von Drogen um, auf Prostitution und auf Diebstahl, das ist die Realität.» sagt Mihai. «Da sie nicht arbeiten, stehlen sie, um zu leben». Perspektiven gibt es für die Einwohner von Ferentari keine, «weil die Behörden nichts unternehmen wollen, um sie in die Gesellschaft zu integrieren», sagt Mihai.

Ein Mann sammelt Dreckwasser in Ferentari. (Bild: Telebasel)

West-Europa als letzte Chance

Mihai ist überzeugt, dass viele der Einwohner Rumänien verlassen, um sich im Ausland Essen und Drogen zu verschaffen. «Wenn sie ins Ausland gehen, tun sie dies, um zu stehlen, nicht um zu arbeiten», ist Mihai überzeugt. Wir verlassen das Epizentrum der «Bronx» und biegen um die Ecke. Zwei dürre Männer haben etwas Tank-ähnliches in Brand gesetzt, um sich daran zu wärmen.

Doch was wir in Ferentari zu sehen bekommen, ist nicht die ganze Realität. Auswandern tun längst nicht nur arme Teufel aus den «Bronx», sondern Rumänen aus allen Schichten. Mittlerweile leben über 4.5 Millionen Rumänen im Ausland. Der Grossteil davon sprachbedingt in Italien und Spanien, viele in auch in Frankreich. Das Rumänische steht dem Italienischen nahe und enthält viele Lehnwörter aus dem Französischen.

Rumänien-Experte Michael Derrer (l.) begleitet den Report in Bukarest. (Bild: Telebasel)

Was das alles mit dem Kriminaltourismus in Basel zu tun hat, erfahren Sie im Report vom 22. November 2017.

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