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Der Telebasel Talk mit Uwe Heinrich und Alfred Schlienger vom 20. November 2017.

Basel

Orgasmus auf Rollschuhen: 40 Jahre ‹Junges Theater Basel›

Wer es erlebt hat, vergisst es nicht mehr: Ueli Jäggi fegt als leibgewordener Orgasmus auf Rollschuhen über die Bühne. Das war 1977 - und eine Starteruption des ‹Jungen Theater Basel›. Zum 40 Jahre Jubiläum erschien das Buch ‹Forever Young›. Am Samstag, 25. November, startet die neue Produktion ‹Don't Feed The Troll›. Im Talk Theaterleiter Uwe Heinrich und Theaterexperte Alfred Schlienger.

Erst mal persönlich: Ich war 15 Jahre alt, mein Körper irritierte mich mit ganz neuen Sensationserlebnissen. Da nahm uns die Lehrerin in das Stück des noch ganz neuen ‹Jungen Theater Basel› mit. Und da fuhr doch tatsächlich ein schlaksiger Kerl mit umgebundenen Ballonen auf Rollschuhen über die Bühne: Ein Orgasmus! Ich reagierte cool, altklug, sagte «so blöd, kindisch» oder ähnlich. Aber meine Ruhe war hin.

(Bild: Junges Theater/Peter Schnetz)

Dicke Hintern und Oralsex

In ‹Kasch mi gärn ha› quengelte eine junge Frau über ihren neuerdings dicken Hintern (ich kriegte rote Ohren), erklärte eine andere Oralsex (sie wurden noch röter), lümmelte der junge Dany Levy herum (den fand ich super!), und eben Ueli Jäggi, den ich später in Marthaler-Stücken auf der Bühne bewunderte. Das alles weiss ich noch nach 40 Jahren. Es war das vielleicht wuchtigste Theatererlebnis meiner Jugend. Die redeten so wie ich. Die redeten über das, was mich umtrieb. Die sagten mir: Sex ist erlaubt!

Dani Levy und Sarah Spale

Seither hat das ‹Junge Theater Basel› eine ganze Reihe von Bühnen- und Filmkarrieren mitinitiiert: Die erwähnten Dani Levy und Ueli Jäggi, später folgten Michael Koch (‹Achtung, fertig, Charlie!›), Rafael Sanchez, der als Regisseur in Basel seine Karriere startete, der Slam-Poet Laurin Buser. Oder auch Sarah Spale, die derzeit als Titelheldin mit dem vielgelobten SRF-Thriller ‹Wilder› jeweils am Dienstagabend die halbe Schweiz tiefer ins Sofa drückt.

Sarah Spale im Telebasel Talk(Video: Telebasel) 

Bei allem, was sich seither am ‹Jungen Theater Basel› in den 40 Jahren seines Bestehens geändert hat: Geblieben ist die Lust auf aktuelle Themen und frische, ungestüm laute und physisch heftig ausgespielte Eigenkreationen: Um die Hasskommentare im Internet geht es in der neuen Produktion ‹Don’t Feed The Troll›, die am Samstag, 25. November, Premiere feiert. Ein Besuch setzt einen auf den Stand, was die heutigen Jugendlichen über Video-Postings, Haters und Freunde zu sagen haben. Regisseurin Suna Gürler entwickelte das Stück aus Interviews.

Alfred Schliengers

Die Arbeit und die Geschichte des ‹Jungen Theater Basel› würdigte der Theaterexperte Alfred Schlienger, bekannt als Rezensent der NZZ oder der Programmzeitung, im prächtigen Band ‹Forever Young› mit tollen Bildern, anspruchsvollen Interviews und vielen, vielen wissenswerten Details. Das Weihnachtsbaumbuch für alle, die für sich in Anspruch nehmen, am Basler Theaterleben interessiert zu sein. Es wird wohl auf Jahrzehnte das must have-Standardwerk zum ‹Jungen Theater Basel› sein.

 Uwe Heinrich, der das Junge Theater Basel schon seit dem Jahr 2000 leitet, und Alfred Schlienger, am 20. November 2017 ab 18:40 Uhr stündlich im Telebasel Talk.

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