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Der Telebasel News Beitrag vom 17. November 2017.
Basel

Schock-Video zeigt Angriff auf russisches Künstlerpaar

Der Vorfall liegt über ein Jahr zurück: Doch jetzt zeigt ein Video, wie die russische Künstlergruppe ‹Voina› von Linksautonomen gewaltsam aus ihrer Wohnung an der Wasserstrasse in Basel vertrieben wurde. Der grotesken Geschichte ging ein langer Streit voraus. Ab Montag, 20. November, stehen zehn Angeklagte wegen der Wohnungsstürmung vor Gericht.

Kinderschreie, Holzklötze als Wurfgeschosse, die Luft voll Pfefferspray – dann stürmen Vermummte die Wohnung der fünfköpfigen Familie, fesseln den Vater mit Klebeband. Die Mutter wird an den Haaren aus der Wohnung gezerrt, die verängstigt schreienden Kinder ebenfalls aus dem Haus gebracht.

Der Vorfall ereignete sich am 20. März 2016 in einem Haus der linken Genossenschaft ‹Gnischter› an der Wasserstrasse in Basel. Das Video ist starker Tobak – und zeigt doch nur eine Seite der Geschichte.

Russisches Künstlerpaar flieht in die Schweiz

Die Story hinter dem Video beginnt im Jahr 2015. Das Künstlerpaar Oleg Worotnikow und Natalja Sokol gehört zu den Gründungsmitgliedern des Künstlerkollektivs ‹Voina‹ (russ. für «Krieg»), das in ihrem Heimatland mit staatskritischen Kunstaktionen auf sich aufmerksam macht und den Ärger der russischen Machthaber auf sich zieht.

Auf Einladung des Cabaret Voltaire kamen (je nach Lesart «flüchteten») die beiden Künstler mit ihren drei Kindern in die Schweiz. Die verfolgten Künstler wollten sich fortan von hier aus ihrer Kunst widmen.

Schliesslich wurden Oleg Worotnikow und seine Familie nach Basel vermittelt. An die Wohngemeinschaft Gnischter an der Wasserstrasse – ehemals besetzte Häuser, die die linke Hausbesetzer-Szene in Basel schlussendlich vor dem Abriss retten konnte.

Die Verfolgten werden zu Gejagten

Doch bald bereuten die sozial eingestellten Wasserstrasse-Bewohner ihre Gastfreundschaft: Die russischen Künstler wurden von den Gastgebern als «rücksichtslos» und «manipulativ» wahrgenommen und sollen sich absolut unmöglich verhalten haben, schrieb die ‹Tageswoche› in einem viel beachteten Hintergrund-Artikel.

Mehrfach wurden die «Voinas»aufgefordert, die Wohnung endlich zu verlassen. Doch die russischen Künstler, ganz Anarchisten, weigerten sich standhaft.

Der Streit eskaliert

Schlussendlich beschliessen mehrere Bewohner der Wasserstrasse, dem Treiben ein Ende zu setzen. Sie wollen die Familie wenn nötig mit Gewalt aus der Wohnung kriegen.

Detailliert beschreibt die Anklageschrift der Basler Staatsanwaltschaft, wie die zehn Angeklagten die Wohnung stürmen und unter Einsatz von Holzschildern, Pfefferspray und Klebeband die beiden Künstler und ihre Kinder aus der Wohnung vertreiben (siehe Video oben). Eigentlich wollen die Vermummten ihre Spuren verwischen, indem sie Laptops, Kameras etc. mitnehmen.

Doch eine Kamera blieb von den Linksautonomen unbemerkt und dokumentierte die ganze Stürmung der Wohnung. Das Video gelangte in die Hände der alarmierten Polizei und der Ermittler. Und schliesslich fand die Aufnahme ihren Weg auf die Youtube, von den Künstlern selbst online gestellt.

Vermummte stürmen die Wohnung der Künstlerfamilie. (Video: Youtube)

Anklage wegen Entführung

Ab Montag, 20. November 2017, stehen nun 10 Angeklagte vor Gericht, die bei der Stürmung mitgewirkt haben sollen. Die Staatsanwaltschaft Basel-Stadt klagt unter anderem wegen Freiheitsberaubung, Entführung, Raub und Angriff. Sie fordert mehrheitlich eine bedingte Freiheitsstrafe von einem Jahr für die einzelnen Angeklagten, mit unterschiedlich langen Probezeiten. Für die Angeschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.

Telebasel berichtet auch über den Prozessbeginn am 20. November.

3 Kommentare

  1. Eine Familie besetzt eine Wohnung in einem besetzten Haus und wird von den linksautonomen Hausbesetzern brutaler rausgeschmissen, als es die Polizei könnte … die Ironie ist beispiellos.Report

  2. Wiso werden diese Personen nicht mit Fotos an den Pranger gestellt? Wenn ein Kampfsportler mit anderer Gesinnug einer organisiereten Kampfveranstaltung beiwohnt, zerreissen sich die Medien darum diese Person zu denunzieren.
    Traurig der Journalismus von heute.Report

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