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Der Telebasel Talk vom 9. November 2017 mit Michail Schischkin. (Bild: Evgeniya Frolkova).

Basel

Putin-Gegner eröffnet die BuchBasel

Wenn am Freitag das Literaturfestival BuchBasel eröffnet, wird ‹Moskau› zuschauen. Die Eröffnungsrede hält einer der meist gefeierten russischen Autoren der Gegenwart. In seiner Heimat gilt Michail Schischkin aber als ‹Nationalverräter›. Den russischen Präsidenten nennt er einen «Verbrecher und Kriminellen». Im Talk vom 9. November 2017 spricht Schischkin ab 18:40 Uhr u.a. über die BuchBasel.

Der 1961 in Moskau geborene Schriftsteller Michail Schischkin hielt seine Meinung über die ‹Diktatur› in seinem Heimatland nie zurück. Über den Ukrainekrieg schrieb er 2014 in der NZZ: «Den Verbrechern an der Macht gelang es, eine unverzeihliche Gemeinheit durchzuführen: Russen und Ukrainer gegeneinander aufzuhetzen, die Sprache nicht zu einem Mittel der Verständigung, sondern zu einer Waffe des Hasses zu machen».

In der russischen Zeitung Nowaja Gaseta stellte er 2005 eine niederschmetternde Diagnose: «Russland hat zu allen Zeiten nur dieses eine Gesetz gekannt: das Recht des Stärkeren. Und Stärke bemaß sich viel eher an schimpflichen, denn an ehrenwerten Kategorien. Es ist ein großartiges Land für die Starken und ein hundsmiserables für die Schwachen. So war es vor 1917, so war es danach, so ist es bis heute».

2013 lehnte er es ab, mit der offiziellen russischen Delegation auf der internationalen Buchmesse ‹BookExpo America 2013› in New York teilzunehmen. Auf die Einladung antwortete er in einem offenen Brief: «Die politische Entwicklung Russlands, und besonders die Ereignisse des letzten Jahres (im Zusammenhang mit den Präsidentschaftswahlen, die Redaktion), haben zu einer für seine Bürger und seine große Kultur absolut unannehmbaren und erniedrigenden Situation im Land geführt. Als Russe und als russischer Staatsbürger schäme ich mich ob der Ereignisse in meinem Land».

‹Nationalverräter› und preisgekrönter Bestseller-Autor

Umso mehr darf man gespannt sein, was Michail Schischkin morgen Freitag, 10. November 2017, zur Eröffnung des Literaturfestivals BuchBasel im Volkshaus um 18 Uhr zu sagen hat. Mit Schischkin spricht nicht nur der gelehrte Intellektuelle, Schriftsteller und Journalist, sondern auch ein Betroffener zum Basler Publikum. Sein Bruder war in einem russischen Gefängnis, ein Schulfreund fiel in Afghanistan. Laut SRF gilt er als ‹Nationalverräter›, was «regimenahe russische Literaturwissenschaftler immer von neuem» zu belegen versuchten, nicht zuletzt anhand seines Romans ‹Die Eroberung von Ismail›.

Eben für ‹Die «Eroberung von Ismail› erhielt er 2000 eine der wichtigsten Literaturauszeichnungen, den Booker-Preis. Den Roman, der dieses Jahr erstmals in deutsch erschien, bezeichnete die NZZ als «literarisch elektrisierend» und als Meisterwerk. Seine Bücher sind in Russland Bestseller. Für sie erhielt er mehrere internationale Auszeichnungen.

Seit 1995 in der Schweiz

Seit 2011 lebt der Autor von Weltrang im beschaulichen Kleinlützel. Telebasel porträtierte ihn 2012. Trotz seiner eindeutigen Haltung besuchte er gelegentlich Russland: «Ich bin 1995 ausgereist (in die Schweiz, die Redaktion), fahre nur mehr gelegentlich hin (nach Moskau). Dann bin ich immer sehr angetan, wie Moskau sich verändert: mehr Formen und Farben, Licht, schöne Menschen, Kinderspielplätze auf den Höfen. Aber wenn die Euphorie nachlässt, siehst du, dass sich in den grundlegenden Beziehungen zwischen den Menschen nichts geändert hat. Es ist ätzend und gefährlich, schwach zu sein. In Moskau wie nirgends sonst».

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