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Der Telebasel News Beitrag vom 26. Oktober 2017

Basel

Fame-Prügler steht vor Gericht

Nach einer Schlägerei am 13. Mai 2017 vor dem Fame steht am Donnerstag, 26. Oktober, ein 20-jähriger Ungare vor dem Basler Strafgericht. Er soll einen 24-jährigen Studenten so schwer verletzt haben, dass dieser noch immer in stationärer Behandlung ist.

Passiert ist alles am frühen Morgen des 13. Mai 2017, kurz vor halb vier Uhr. Der Angeklagte G.* sei mit seinem Bruder und einem Bekannten im Fame gewesen. Beim Rauchen vor dem Club sei G. vom sichtlich alkoholisierten J.* angesprochen und um eine Zigarette gebeten worden. Dabei wurde G. von J. umarmt, was dieser mit einer sehr abweisenden Reaktion quittierte. J. entfernte sich daraufhin.

Nur kurze Zeit später habe J. mit einem Begleiter die Disco verlassen und sei in Richtung St. Clara Kirche aufgebrochen. Im selben Moment habe auch der Angeklagte G. mit seinen beiden Begleitern das Lokal verlassen.

J. sei auf die Dreiergruppe um G. zugegangen und bat erneut um eine Zigarette. Dies schien dem Angeklagten G. nicht zu passen. Er verpasste J. einen heftigen Faustschlag ins Gesicht. «Dies tat er, obwohl er das hohe Risiko lebensgefährlicher Schlag- oder Sturzverletzungen von Hieben an den Kopf von alkoholisierten, übernächtigten und auf hartem Untergrund stehenden Personen kannte», schreibt die Staatsanwaltschaft in der Anklage.

J. stürzte daraufhin bewusstlos zu Boden und verletzte sich beim Aufprall am Hinterkopf. Der Beschuldigte und seine Begleiter verliessen den Tatort, ohne sich um den regungslos liegen Gebliebenen zu kümmern.

Noch immer in Behandlung

Durch den Sturz auf den Hinterkopf erlitt der 24-jährige J. eine lebensgefährliche Verletzung des Schädels mit Blutung und gesteigertem Hirndruck. Er sei bis zum 31. Mai 2017 im Universitätsspital Basel gewesen und würde seither in der REHAB Basel stationär betreut. J. leide an «leichten bis mittelschweren neuropsychologischen Minderleistungen und einer Fussheberschwäche links». Er sei noch immer im Invalidenstatus.

Der 20-jährige aus Ungarn stammende G. steht am Donnerstag, 26. Oktober 2017, vor dem Basler Strafgericht. Die Anklage: «Schwere Körperverletzung».

Tathergang ist unklar

Die Gerichtsverhandlung fand heute, 26. Oktober 2017, im Basler Strafgericht statt. Das Urteil wird allerdings erst morgen bekannt gegeben. Die Staatsanwaltschaft forderte dreieinhalb Jahre Freiheitsstrafe inklusive Landesverweis von fünf Jahren. Dies mit der Begründung, dass ein Grossteil der Familie des Angeklagten noch immer in Ungarn wohne, die Unterbringung also kein Problem sei. Die Verteidigung jedoch plädierte auf Freispruch. Der Angeklagte habe aus Notwehr gehandelt, da er vermutete, angegriffen zu werden.

Während der Gerichtsverhandlung wurde klar, dass der genaue Tathergang nicht vollständig wiederhergestellt werden konnte. Die jeweiligen Beteiligten berichteten unterschiedliche Dinge. Die einen meinten, dass das Opfer den Angeklagten absichtlich provoziert habe, die anderen leugneten dies jedoch. Was ausser Frage steht ist, dass der Angeklagte den 24-Jährigen zu Boden schlug. Dies gab er vor Gericht zu.

Das Opfer selber konnte an der heutigen Verhandlung nicht anwesend sein. Es sei während einer Operation an der Schädeldecke zu Komplikationen gekommen, welche noch nicht vollständig verheilt seien, hiess es im Gericht.

Schon früher auffällig

Der 20-jährige Angeklagte war der Justiz schon als Jugendlicher aufgefallen. Der Mann hatte weder in Ungarn, noch in der Schweiz seinen Schulabschluss gemacht. Er kam absichtlich zu spät und sei unmotiviert gewesen – beide Male brach er die Schule ab. Praktikas, welche er in der Schweiz begann, habe er abgebrochen. Desweiteren wurde er bereits wegen mehrfachem Raub verzeigt. Der Angeklagte habe das Opfer um Entschuldigung gebeten, er habe sich nur schützen wollen. Der 20-Jährige sagte vor Gericht, dass er kein «böser Mensch» sei.

Sowohl der Staatsanwalt als auch der Anwalt des Angeklagten wollten heute noch keine Äusserungen zum Fall machen. Dies würde erst nach der Urteilsverkündung gemacht. Bis dahin gilt die Unschuldsvermutung.

(*Namen der Redaktion bekannt)

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