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Der Telebasel Report vom 25. Oktober 2017.

Basel

Zu Besuch im Sex-Shop

Alleine in den letzten fünf Jahren mussten in Basel fast zehn kleine Sex-Shops die Segel streichen. Sei es Ericas Erotik-Shop an der Missionsstrasse oder der Magic-X-Store bei der Messe. Doch es gibt sie noch. Zwei, drei sind noch da. Der Report hat sie besucht!

«5 für 2» steht auf einem ausgedruckten Papier im Schaufenster des ‹Little Shop of Erotik› an der Feldbergstrasse. Zwei DVDs bezahlen, fünf mitnehmen. «Anders bekommst du die Ware nicht mehr weg», sagt Francis Kessler. Kessler ist seit 14 Jahren Besitzer des kleinen Sex-Shops im Kleinbasel. Er gehört zu den letzten Mohikanern, die in Basel noch ein Sex-Lädeli betreiben. Und eben, die DVDs bereiten ihm am meisten Sorgen: «Mein Vorgänger hat VHS-Kassetten noch für 395 oder sogar 495 Franken verkauft. Da hat ein einziger Kunde dann mal schnell drei, vier solcher Kassetten gekauft». Heute sei alles anders. 30, wenn es gut kommt, vielleicht 40 Franken heuscht Francis für die neue Ware, ältere Filme kann man für wenige Franken bekommen. Zum Glück hat er noch seine Video-Kabinen, sagt er: «Die werden immer noch rege benutzt – gibt halt immer noch genügend Männer, die zu Hause nicht schauen dürfen, was sie gerne würden».

Francis Kessler in seinem «Little Shop of Erotik» (Bild: Telebasel)

Wenn schon DVD, dann Klassiker

Video-Kabinen hat Stephan Müller im Gundeli leider keine. Sein Laden war Jahre lang bekannt für eine der grössten Porno-Sortimente der Region – daher auch der Name ‹Pornoshop›. In Müllers Regalen stehen abertausende von Sexfilmen: von uralten Heidi-Verfilmungen mit dem speziellen Etwas, über Avatar in der Sex-Version, findet man alles. Auffallend: Wer trotz kostenlosen Porno-Clips auf einschlägigen Portalen wie ‹Youporn› oder ‹Pornhub› noch DVDs kauft, der kauft meist die Klassiker: «Heidi, Schulmädchen-Report – alles, was halt auch ein wenig Handlung hat», sagt Müller. Viele seiner Kunden könnten mit den über-expliziten «Rein-Raus-Pornos» aus dem Internet nichts anfangen. Müller findet die ‹Youporn›-Clips eigentlich ganz passabel, versteht aber, dass DVDs immer noch ihren Reiz haben.

Immer noch gigantische Auswahl an DVDs im «Pornoshop» im Gundeli (Bild: Telebasel)

Online-Konkurrenz erbarmungslos

Die Konkurrenz aus dem Internet ist denn auch das grösste Problem der Sex-Lädeli. «Früher bestand 80 Prozent unseres Umsatzes aus dem DVD-Verkauf. Heute sind es vielleicht noch 20 Prozent», sagt etwa Martin Scheibler vom ‹Gay-Mega-Store› im Gundeli. Die Suche nach Gründen kann man getrost weglassen – sie liegt auf der Hand: Seit 2006 das Gratis Online-Portal ‹Youporn› lanciert wurde, blieb in der Branche kein Stein auf dem anderen. Plötzlich konnte jedermann von seinem Computer aus hunderttausende von Porno-Clips anschauen – jederzeit, überall, kostenlos. Scheibler und sein Partner haben deshalb schon früh umgestellt: Im Angebot sind nicht mehr nur DVDs, sondern auch Bademode, Boutique-Artikel oder Bücher. Auch deshalb ist ihr ‹Gay-Mega-Store› einer der erfolgreichsten und grössten weltweit.

Auch bei den Sex-Toys unter Druck: Anbieter wie Amorélie oder Amorana drängen in den Markt.

Weitere Schliessungen in Sicht

Kleine Shops wie Kesslers ‹Little Shop of Erotik› oder Müllers ‹Pornoshop› haben die Umstellung etwas verschlafen. «Mittlerweile habe ich ein kleines Online-Sortiment, aber damit bin ich natürlich viel zu spät», sagt etwa Kessler. Entsprechend garstig sind auch deren Zukunftsaussichten. Francis Kessler verrät deshalb bereits: «Auch ich werde bald schliessen – wahrscheinlich verkaufe ich das Haus und den Laden und wandere gleich aus». Nicht viel besser sind die Nachrichten für den ‹Peepstore› im Steinenbachgässlein. Ende 2018 soll die ganze Liegenschaft saniert werden. Ob es im neuen, schmucken Gebäude immer noch Platz für einen Sex-Shop hat ist derzeit fraglich. Damit ist eine kleine aber umso originellere Spezies tatsächlich langsam vom Aussterben bedroht.

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