Featured Video Play Icon
(Video: zVg/Beat Kälin)

Schweiz

17-Jähriger attackiert Passanten mit Beil

Bei der Gewalttat in Flums SG sind sieben Personen und ein achtmonatiges Kind verletzt worden. Der mutmassliche Täter, ein 17-jähriger Lette, ging mit einem Beil auf die Opfer los. Er war bereits zuvor durch Gewaltfantasien aufgefallen.

Die Sicherheitskräfte gehen von einem Einzeltäter aus. Ein terroristischer Hintergrund ist laut einer Medienmitteilung der Kantonspolizei St. Gallen von der Nacht auf Montag nicht festzustellen.

Die Südostschweiz berichtete, der Angreifer habe seine Opfer zufällig ausgesucht und zitiert dabei Bruno Metzger von der Kapo St.Gallen. Weitere Details will die Polizei am Montagvormittag publizieren.

Nach bisherigen Erkenntnissen griff der 17-Jährige auf dem Postplatz mehrere Passanten an. Danach flüchtete der Mann mit einem gestohlenen Fahrzeug und verunfallte. Er rannte dann zu Fuss zu einem Tankstellenshop, wo er weitere Personen verletzte.

Eine Blutlache vor dem Tankstellenshop in Flums. (KEYSTONE/Eddy Risch)

Die Kantonspolizei St. Gallen nahm den Jugendlichen laut dem Communiqué nach Taser- und Schusswaffengebrauch fest. Die Ermittlungen unter anderem zu den verletzten Personen,  sowie zum mutmasslichen Täter dauerten in der Nacht an.

Auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda wollte ein Sprecher der Kantonspolizei St. Gallen daher noch keine Angaben zur Schwere der Verletzungen von Personen, zu denen auch der Täter gehört, sowie weiteren Details zum Tathergang beziehungsweise zum Tatmotiv machen.

20 Minuten schreibt, es habe vor dem Angriff einen kleinen Brand im Haus des Tatverdächtigen gegeben. Allerdings sei noch unklar, ob der Brand mit dem Axt-Angriff des 17-Jährigen zusammenhängt. Ein Nachbar soll gegenüber 20 Minuten gesagt haben, es habe ein Problem mit der Heizung gegeben.

In der Nacht nahmen Sicherheitskräfte laut Medienberichten weitere Grosseinsätze vor. So sei ein Helikopter über Flums geflogen und unter anderem ein Wohnhaus mit Zusammenhang zum mutmasslichen Täter durchsucht worden.

Kleiner Brand vor Attacke

Die St. Galler Kantonspolizei informierte am Montag über die Geschehnisse des Vorabends. Es kam am Wohnort des 17-Jährigen zunächst zu einem Feuerwehreinsatz. Der kleine Brand war bereits von Bewohnern des Hauses gelöscht worden.

«Ob der Brand einen Zusammenhang mit den nachfolgenden Gewalttaten hat, wissen wir nicht», sagte Sigi Rüegg, stellvertretender Kommandant der Kantonspolizei St. Gallen, vor den Medien.

Acht Personen verletzt

Kurz nach 20 Uhr kam es am Postplatz der Rheintaler Gemeinde Flums zur ersten Beil-Attacke. Der 17-jährige Lette griff ein Ehepaar von hinten an, dass mit ihrem achtmonatigen Kind unterwegs war. Der 35-jährige Mann wurde schwer verletzt, seine 30-jährige Frau befindet sich mit unbestimmten Verletzungen im Spital.

Das Baby fiel aus dem Kinderwagen. Es sei vom Täter jedoch nicht verletzt worden, teilte die Polizei mit. Das Baby sei zur Überwachung im Spital.

Die Teilnehmer der Pressekonferenz der Kantonspolizei St. Gallen am Montag, 23. Oktober 2017. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Hilferufe vor der Tankstelle

«Zwei Passanten griffen beherzt ein», sagte Rüegg. Der 72-jährige Mann und die 59-jährige Frau wurden vom Täter ebenfalls mit dem Beil angegriffen. Dabei wurden sie leicht verletzt. Sie konnten das Spital bereits wieder verlassen.

Der Angreifer flüchtete mit dem Auto der Passanten Richtung Walensee. Weit kam er aber nicht; nach wenigen hundert Metern verursachte er einen Selbstunfall. Der 17-Jährige liess das demolierte Auto stehen.

Der nächste Tatort befindet sich ebenfalls in Flums. Wahrscheinlich zu Fuss sei der Jugendliche dann zu einer Tankstelle gerannt, so Rüegg. Drei Frauen, Passantinnen im Alter von 21, 27 und 44 Jahren, wurden dort von ihm mit dem Beil angegriffen. Die leicht verletzten Frauen konnten sich im Tankstellenshop in Sicherheit bringen.

Polizisten, die sich in der Nähe befanden, wurden auf die Hilferufe vor der Tankstelle aufmerksam und reagierten. Der mutmassliche Täter versuchte, erneut ein Auto zu entwenden und zu flüchten.

Erst nach einem Taser- und Schusswaffeneinsatz konnte er festgenommen werden. Bei der Tankstelle stellte die Polizei ein Beil sicher. Es dürfte sich um die Tatwaffe handeln. Die Polizei machte keinen weiteren Angaben über den Zustand der Opfer. Der Täter, der schwer verletzt wurde, wird im Spital überwacht.

Angreifer ist durch Gewaltfantasien aufgefallen

Über das Motiv sei noch nichts bekannt, sagte Stephan Ramsayer, Leitender Jugendanwalt bei der St. Galler Staatsanwaltschaft. Am Montagnachmittag werde der Jugendliche erstmals einvernommen und Untersuchungshaft beantragt.

Der mutmassliche Täter stammt aus Lettland und kam vor rund vier Jahren im Rahmen eines Familiennachzugs in die Schweiz. Er absolviere hier eine handwerkliche Lehre, hiess es an der Medieninformation von Polizei und Staatsanwaltschaft vom Montag in St. Gallen.

Der junge Mann war bereits im letzten Juni der Jugendarbeit durch Anspielungen auf Gewalt aufgefallen. Später erfolgte zum gleichen Thema eine Meldung der Berufsschule. Die Kriseninterventionsgruppe des Schulpsychologischen Dienstes begann mit Abklärungen. Dabei sei der Jugendliche eng begleitet worden, erklärte Stephan Ramseyer, Leitender Jugendanwalt des Kantons St. Gallens.

Keine akute Gefährdung Dritter

Mitte September wurde dann in Zusammenarbeit mit Polizei und Staatsanwaltschaft darüber entschieden, ob eine akute Gefährdung Dritter vorliegt. Dabei sei man zum Schluss gekommen, dass keine Zwangsmassnahmen angezeigt seien. Der Jugendliche habe keine konkreten Drohungen, etwa gegen andere Personen ausgestossen, stellte Ramseyer fest.

Weitere Alarmzeichen lagen offenbar nicht vor: Der 17-Jährige habe sich in der Schule, aber auch an der Lehrstelle unauffällig verhalten, schilderte der Jugendanwalt. Er ist nicht vorbestraft und es habe «keine Gewaltvorgänge» gegeben.

Der Jugendliche und seine Eltern hätten sich bei den Gesprächen kooperativ verhalten. Unter anderem sollte dabei geklärt werden, ob eine psychiatrische Unterbringung in Frage kommt. Dieser Entscheid war bis zur Tat am Sonntagabend noch nicht gefallen.

 (sda)

Update folgt….

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Was geschah bisher

Auch interessant