Björn Borg wird vom ‹Transformers›-Star Shia LaBeouf gespielt. (Bild: keystone)

Schweiz

Borg gegen McEnroe

John McEnroe, vermeintlicher Rüpel aus New York, trifft auf einen, als unterkühlte Kampfmaschine geltenden Björn Borg: Und das in einem Film, der zeigt, wie gut Tennis im Kino funktioniert.

Eigentlich liebt das Kino Sportduelle. Man denke nur an die zahllosen Boxerfilme à la ‹Rocky›. Tennis indes, bekannt für mehrstündige Schlachten zweier Sportler, die sich auf Sand oder Rasen gegenüberstehen, wurde bisher vom Film eher stiefmütterlich behandelt.

Nun aber laufen innerhalb weniger Wochen in den Schweizer Kinos gleich zwei Filme an, die sich dem ‹weissen Sport› widmen. Ab dem 23. November duellieren sich auf grosser Leinwand Emma Stone und Steve Carrell in ‹Battle of the Sexes›.

Ab dem heutigen Donnerstag läuft ein Film in den Kinos, der bereits im Titel darauf verweist, dass es hier um zwei absolute Giganten des Tennis geht: ‹Borg/McEnroe›. Das Werk eröffnete Ende September das 13. Zurich Film Festival, ‹Battle of the Sexes› lief ebenfalls im Festivalprogramm.

Regisseur Janus Metz nimmt uns in seiner schwedisch-dänisch-finnischen Koproduktion ‹Borg/McEnroe› mit zurück ins Jahr 1980. Zurück zu einem der legendärsten Tennis-Matches überhaupt: dem Wimbledon-Final zwischen dem Schweden Björn Borg dem Amerikaner John McEnroe. Während dieser vom US-Mimen Shia LaBeouf (‹American Honey›) verkörpert wird, schlüpft der Schwede Sverrir Gudnason in die Rolle des Björn Borg.

(Video: Youtube / Kinocheck)

Alles dreht sich um das eine Spiel

Vorangestellt sind dem 100-Minüter Worte eines weiteren Tennis-Helden: «Tennis ist wie die Sprache des Lebens», so Andre Agassi. Recht schnell macht der mit famoser Musik unterlegte Film denn auch klar, dass das Leben der beiden Sporthelden abseits des Platzes hier von genauso grosser Bedeutung ist, wie der Kampf um den kleinen, damals in Wimbledon noch weissen Filzball.

Wimbledon, die wohl heiligste Stätte des Tennis, ist Austragungsort des Duells, um das herum dieser Film gestrickt ist: Am 5. Juli 1980 schickte sich der als unterkühlt geltende, ob seiner Haarpracht jedoch wie ein Rockstar daherkommende Borg an, zum fünften Mal das auf Rasen ausgetragene Turnier gegen den als Heisssporn verschrienen McEnroe zu gewinnen. Es sind viele Rückblenden, über die sich Regisseur Metz allmählich an diesen Titelkampf herantastet.

Rückblenden, die vor allem davon erzählen, wie aus dem kleinen Björn (im Film gespielt von Björn Borgs echtem Sohn) eine Sportikone wurde. Vor allem Borgs neurotisches Verhältnis zu seinem Trainer (Stellan Skarsgård) wird intensiv beleuchtet.

McEnroes Vita wird indes weit weniger behandelt. Über weite Strecken mutet ‹Borg/McEnroe› denn auch wie ein Psychogramm Björn Borgs an. Das ist nicht schlimm und bei einer nordischen Koproduktion auch kaum verwunderlich – manch Freund jedoch des 1959 in Deutschland geborenen Amerikaners wird sich im Kino eine fairere Gewichtung wünschen.

Überraschend klug und melancholisch

Beide Hauptdarsteller, Shia LaBeouf als der Amerikaner und Gudnason als der Schwede, machen ihre Sache gut. Schaut man sich alte Fernseh-Bilder des Wimbledon-Duells im Netz an, verblüfft vor allem die Ähnlichkeit Gudnasons mit dem tatsächlichen Björn Borg des Jahres 1980.

Wie sehr es Metz – dies ist der erste Langspielfilm des dänischen Regisseurs – hier um Borg geht, zeigt sich auch daran, dass er dessen Trainer von einem so charakterstarken Mimen wie Stellan Skarsgård (‹Nymphomaniac›) spielen lässt.

Sportfilme neigen dazu, den oder die jeweiligen Protagonisten zu glorifizieren. Hier findet eher das Gegenteil statt: Nicht nur, dass es dem Film gelingt, den unglaublichen Druck spürbar zu machen, unter dem Profisportler auch zu Beginn der 1980er standen. Metz zeigt uns Björn Borg und John McEnroe niemals als strahlende Helden eines Sports, der ungemein viel an körperlicher und mentaler Fitness verlangt.

Phasenweise gar wirken die beiden rund um den Globus verehrten Top-Sportler wie mentale Wracks. Zu Beginn etwa gibt es eine Szene, die Borg dabei zeigt, wie er in Monaco Liegestütze auf einer Balkon-Balustrade macht: ein beeindruckendes, hoch ästhetisches Bild, von Kameramann Niels Thastum so fotografiert, dass man fürchten muss, Borg wolle sich vom Balkon stürzen.

In jedem Fall ist ‹Borg/McEnroe› ein sehenswerter, ein überraschend kluger, ja melancholischer, kaum je auf billige Effekte setzender Sportfilm. Und auch wenn es nicht nur die auf dem Rasen von Wimbledon spielenden Szenen sind, die hier begeistern, muss man sich doch fragen, weshalb das Kino gerade dem Tennissport bislang so wenig an Aufmerksamkeit geschenkt hat.

(sda dpa)

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