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Der Telebasel News Beitrag vom 11. Oktober 2017.

Basel

Mägge Geissmanns letzte Gant

Nach knapp 40 Jahren fiel heute bei Markus Geissmann der letzte Hammer. Seine Karriere als Versteigerer endete mit einer Überraschung seiner Kollegen.

Mittwoch, 11. Oktober 2017, punkt 10.00 Uhr im Basler Ganthaus auf dem Dreispitzareal:  Nach 37 Jahren, 800 Versteigerungen und 3’160 Konkursinventaren ruft der Dritte Gantbeamte Markus Geissmann zum letzten Mal eine Gant aus. Er wird mit Versen, Blumen und Weinflaschen von Kollegen und Kunden verabschiedet. Es kullern auch ein paar Tränchen über seine Wangen.

Die letzte Gant von Markus Geissmann: 

«Emotionen, Emotionen»

Nach dem ersten Teil der letzten Gantveranstaltung von Geissmann zeigte er sich gerührt. «Emotionen, Emotionen, es war schön», sagt er ganz gerührt ob denn Schnitzelbänken seiner Kollegen. Von der Einlage seines Kollegen und des Chefs wusste er nichts, die Überraschung war gelungen.

Dass er nun das letzte Mal Gegenstände versteigert, sei schon speziell. «Es fühlt sich so an wie beim ersten Mal: ganz speziell.» Dies sei auch mitunter der Grund warum er seine Arbeit so gerne ausübe: «Ich lerne auch nach knapp 40 Jahren jeden Tag etwas Neues. Man hat nie alles Wissen über die Gegenstände, welche versteigert werden.»

Erinnerungen an seine erste Gant habe er aber keine speziellen mehr. Vielmehr erinnert sich Geissmann an eine Gant ausserhalb des Ganthauses.

Gant im Sex-Shop

Die meisten Gants finden im Ganthaus oder auch über eine Auktionsplattform im Internet statt. In gewissen Fällen wird die Versteigerung aber auch vor Ort durchgeführt. So auch damals, als Geissmann sich in Mitten von «spezieller Bekleidung und Spielzeug» wieder fand. Die Gant wurde in einem Sex-Shop abgehalten. «Das war schon speziell, das war krass.»

Eine andere eher tragisch Begebenheit, die Geissmann in Erinnerung blieb, war der Gang zu einem in finanzielle Schieflage geratenen stadtbekannten Restaurant. Geissmann und seine Kollegen sollten bestimmte Wertgegenstände zwecks Verpfändung durch seine Dienststelle, dem Betreibungs- und Konkursant (BKA), requirieren. Doch der Koch des Lokals wusste von der zu vollstreckenden Betreibung nichts und war an jenem Vormittag wie gewohnt am Kochen für den Mittagstisch. «In solchen Situationen müssen wir von Amtes wegen hart bleiben», entsinnt sich Geissmann zurück. Der Koch musste also die halbgare Suppe wohl oder übel aus dem inventarisierten Topf umgiessen und den Betreibungsbeamten übergeben.

Verschiebung der Gant ins Internet

In Markus Geissmanns 37-jährigen Zeit beim BKA habe sich einiges verändert. So nähme das Papier bei der Bearbeitung der zu verwertenden Wertgegenständen immer mehr ab. Trotzdem glaubt Geissmann nicht an das Ende der klassischen Gant, denn: «Es gibt ja einen Markt. Wir sind immer platsche voll.»

Dass er nun die Seiten wechseln wird und in Zukunft selber Mitbietet, glaubt er indes nicht. «Ausser es wäre einmal irgend etwas, was ich dringend haben müsste.»

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