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Der Telebasel News Beitrag vom 7. Oktober 2017.

Baselland

Wer löscht, wenn es brennt?

Stellen Sie sich vor, es brennt und niemand löscht das Feuer – dieses Problem haben die Baselbieter Gemeinden. Deshalb suchen jetzt verschiedene Gemeinden nach neuen Lösungen.

Die Feuerwehren im Baselbiet haben ein klares Ziel. Zehn Minuten nach dem Eingang es Alarms sollen mindestens acht Einsatzkräfte am Ereignisort eintreffen. In der Regel wird dieses Ziel auch erreicht. Doch es wird immer schwieriger genug Feuerwehrleute aufzutreiben. In der Nacht ist dies weniger ein Problem. Die Feuerwehrangehörigen im Milizdienst sind dann häufig zu Hause und können innert kürzester Zeit ausrücken. Tagsüber sieht dies jedoch anders aus. Viele Leute arbeiten heute nicht mehr im eigenen Dorf und können deshalb nicht so rasch am Einsatzort sein. Laut dem stellvertretenden Feuerwehr-Inspektor Daniel Goepfert betrifft dies vor allem Gemeinden im Oberbaselbiet. Aber auch im Unterbaselbiet haben die Feuerwehren zu kämpfen. Hier kommt hinzu, dass viele Leute mit den Öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit fahren und deshalb mehr Zeit für die Anfahrt benötigen.

Gemeindemitarbeiter zum Feuerwehrdienst verpflichten

In Pratteln hat der Einwohnerrat Ende August ein Postulat an den Gemeinderat überwiesen, welches verlangt, dass der Gemeinderat die Möglichkeit prüft, Gemeindemitarbeiter zum Dienst in der Feuerwehr zu verpflichten. Laut Daniel Goepfert würden bereits rund zehn andere Gemeinden im Kanton ihre Angestellten zum Feuerwehr dienst motivieren.

SVP Einwohnerrat Urs Schneider, welcher das Postulat formuliert hat und selber in der Leitung der Feuerwehr tätig ist, begründet seinen Schritt folgendermassen: «Das Problem haben wir in der Feuerwehr schon länger erkannt. Und es hat sich in den letzten Jahren einfach etwas zugespitzt. Und im Moment haben wir noch genügend Leute durch den Tag, das ist so, aber dies wird sich in den nächsten Jahren möglicherweise verändern, noch zuspitzen».

Feuerwehrkommandant Stefan Bielser teilt die Meinung seines Feuerwehrkollegen Urs Schneider. Kurzfristig bestehe kein Grund zur Panik, doch längerfristig müsse die Einsatzfähigkeit gewährleistet werden: «Momentan haben wir eine gute Abdeckung mit den Leuten. Also es reicht noch. Aber je nach dem wo die Leute arbeiten gehen, wo sie hingegen um zu wohnen, ergibt sich das Leute weg gehen. Und durch das haben wir dann weniger, welche durch den Tag einsatzbereit sind».

Gemeinde ist in der Pflicht

Das Postulat richtet sich an alle Angestellten der Gemeinde. Nicht etwa nur an Mitarbeiter des Werkhofs. Für Stefan Bielser mache eine solche Beschränkung auch keinen Sinn, denn auch Büroangestellte könnten durchaus Dienst in der Feuerwehr leisten. «Alle, die sich bereit dazu fühlen Dienst zu machen, kommen in Frage. Es gibt natürlich noch gewisse Hürden die erfüllt werden müssen. Sie dürfen keine Höhenangst haben, sie müssen atemschutztauglich sein, sie müssen ihre Kurse besuchen können und sie müssen beim Arzt eine Tauglichkeitsprüfung machen.» Was Kommandant Bielser besonders stört: Von den 75 Feuerwehrleuten, welche die 250-300 Einsätze pro Jahr zusammen meistern, sei nur einer bei der Gemeinde angestellt. Alle anderen arbeiten bei Unternehmen oder sind selbstständig tätig. Stefan Bielser: «Es geht darum, die Gemeinde, welche als Institution dazu verpflichtet ist, die Feuerwehr aufrecht zu erhalten, ihre Leute auch freistellt, um Feuerwehrdienst machen zu können». Der zuständige Gemeinderat Urs Hess (SVP) hat auf Anfrage mitgeteilt, dass der Gemeinderat nun ein Jahr Zeit habe, um auf das Postulat zu reagieren. Das Gremium stelle aber bereits auf Frühling oder Sommer 2018 eine Antwort in Aussicht.

Auch der Kanton sucht nach neuen Lösungen

Auch der Kanton habe erkannt, dass die Piket-Bereitschaft der Feuerwehren tagsüber zu einem Problem werden kann. Nach Angaben des stellvertretenden Feuerwehr-Inspektors Daniel Goepfert seien zurzeit verschiedene kantonale Stellen daran einen Lösungsvorschlag auszuarbeiten: «Wir müssen sicherstellen, dass in den nächsten 5, 10, 20 Jahren das Feuerwehrwesen auch so funktioniert. Mit den entsprechenden Veränderungen die wir heute einfach so haben. Und das müssen wir nun erst mal analysieren, beurteilen und danach entscheiden wir». Zur Diskussion stehe ein Modell mit festangestellten Feuerwehrleuten, welche tagsüber einsatzbereit sind. Diese würden auf einzelne Stützpunkte im Kanton verteilt und würden die Einsatzbereitschaft sicherstellen. Dabei handle es sich aber nicht um das Modell einer Berufsfeuerwehr. Denn die Piket-Kräfte würden auch weiterhin von den Milizkräften unterstützt. Und währen den Nachtstunden wären weiterhin nur die bisherigen Kräfte im Einsatz.

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