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Der Telebasel News Beitrag vom 18. September 2017.

Basel

Grundrechte für Affen bald Realität?

Primaten sollen Grundrechte erhalten. Dies fordert eine Gruppe rund um das Projekt ‹Sentience Politics› aus Basel. Die Initiative wurde jetzt bei der Basler Staatskanzlei eingereicht. Die Initianten wollen so Tierversuche an Affen verhindern. Doch was bedeutet das genau für den Zoo und die Pharmabranche?

Sophie Kwass ist Co-Geschäftsführerin von ‹Sentience Politics›. Das Projekt verfolgt altruistische Zwecke und setzt sich mit einer Volksinitiative für die Rechte der Tiere ein. Vor allem der Grundrechte der Menschenaffen. «Die Initiative fordert Grundrechte für Primaten, das bedeutet konkret das Recht auf Leben und das Recht auf körperliche und geistige Unversehrtheit. Primaten sind hochintelligente Tiere, sie können sich zum Beispiel mit dem Menschen durch Zeichensprache verständigen».

So sollen zum Beispiel keine Tierversuche mehr durchgeführt werden dürfen, die den Primaten körperlichen oder seelischen Schaden zufügen. «Das betreffe hauptsächlich die Pharmaindustrie. Im Moment ist es so, dass im Gesetz zwar die Würde des Tieres festgeschrieben wird. Aber für bestimmte Interessen kann trotzdem noch in das Wohlergehen der Tiere eingegriffen werden», so Kwass. Die gänzliche Verwendung von Primaten für Forschungszwecke soll aber nicht verboten werden, vorausgesetzt, die in der Initiative geforderten Grundrechte werde nicht tangiert.

Alternativen für Tierversuche

Sara Käch, Leiterin Kommunikation und Mitglied der Geschäftsleitung von interpharma betont klar, dass die Pharmabranche vermehrt versuche, Alternativen für Tierversuche zu finden. «Es ist aber in vielen Fällen noch so, dass Tierversuche gesetzlich vorgeschrieben sind, denn schlussendlich geht es um die Sicherheit der Patientinnen und Patienten», so Käch. In manchen Fällen könnte man auf solche Versuchen auch nicht verzichten. Das sei vor allem bei schweren Erkrankungen wie zum Beispiel Alzheimer der Fall, bei denen eine Therapie entwickelt werden müsse.

«Mit dieser Initiative würde hier in Basel die Forschung mit Primaten sehr stark eingeschränkt werden», sagt Käch. Das wäre ein negatives Signal für den Forschungsplatz.

Das ganze Interview mit Sara Käch. (Video: Telebasel)

Zolli kaum betroffen

Nicht betroffen von der Initiative sei der Zoo. «Solange die Primaten genügend Lebensraum haben, betrifft unsere Initiative den Zoo nicht», erklärt Kwass. Das bestätigt auch Zoodirektor Olivier Pagan gegenüber Telebasel:«Wir sind überzeugt, dass im wissenschaftlich geführten Zolli, das Wohlergehen aller Tier gesichert ist». Er ist aber auch der Meinung, dass die heute bestehenden Massnahmen genügen. «Wir haben in der Schweiz ein Tierschutzgesetz, das ist eine der strengsten, die es auf der Welt gibt», so Pagan weiter. Selbstverständlich werde auch der Zolli Basel kontrolliert. Der Direktor betont aber ganz klar, dass der Zoo Basel, wie aber auch Zoo Schweiz, diese Initiative eher skeptisch, wenn nicht gar ablehnend betrachten.

Das ganze Interview mit Olivier Pagan. (Video: Telebasel)

3000 Unterschriften waren für das Zustandekommen der Initiative nötig. «Schon nach wenigen Monaten hatten wir über 3000 Unterschriften», sagt Kwass. Das war bereits im November 2016. Am Dienstag, 12. September 2017, reichten die Initianten die Initiative für die Grundrechte für Primaten dann bei der Basler Staatskanzlei offiziell ein. Vors Volk kommt sie frühstens 2019.

Im Talk vom 19. September 2017 spricht zudem Rolf Zeller, Vorstandsmitglied Verein ‹Forschung für Leben› unter anderem darüber, ob wir Tiere für unsere Forschung quälen dürfen. 

2 Kommentare

  1. Richtig so! Affen sind uns Menschen (nicht nur genetisch) so nahe, dass es höchst fragwürdig ist, wenn ihnen praktisch keine Rechte zugestanden werden. Ein Recht für Menschenaffen auf ein unversehrtes Leben ist also definitiv ein wichtiger Schritt weg von einer speziesistischen Gesellschaft.Report

    1. Achtung! Bei dieser Initiative geht es nicht nur um Menschenaffen, sondern um alle Affen.
      Menschenaffen werden in Europa schon viele Jahre lang nicht mehr in der Forschung eingesetzt und in der EU ist der Einsatz sogar verboten.
      Was für die Forschung, auch an verbreiteten und schweren Erkrankungen (HIV, Ebola, Querschnittslähmung, Alzheimer, Parkinson, etc.) notwendig ist sind Versuche mit Rhesus-Affen und Krallenaffen. Sie nehmen zwar nur einen sehr kleinen Anteil der Tierversuche ein, sind aber dafür von so grosser Bedeutung, dass ein Verbot nur zu einer Verlagerung ins Ausland (vor allem China baut seit einigen Jahren seine Affenforschung massiv aus) führen würde.Report

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