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Der Telebasel Report vom 13. September 2017.

Basel

Alles zur Rentenreform 2020

Die Berechnungen des Bundesamts für Sozialversicherungen malen ein düsteres Bild. Das BSV geht davon aus, dass die AHV-Kasse im Jahr 2035 jährlich rund 10 Milliarden Franken mehr ausgibt, als dass sie einnimmt. Der Betrag erhöht sich bis 2060 auf 17 Milliarden.

Vor allem aus vorrangig gewerkschaftlichen und linken Kreisen sind grosse Zweifel an der Richtigkeit dieser Berechnungen zu vernehmen. Solche Schreckensszenarien gäbe es schon seit der Einführung der AHV und trotzdem sei das System bis heute stabil geblieben. Dass dies so ist, hängt aber vor allem mit drei Faktoren zusammen: Erstens wird die AHV über den Bundesbeitrag schon heute durch Steuern mitfinanziert.

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Zudem wurde bereits ein Teil der Mehrwertsteuer für die AHV abgezwackt. Zweitens profitierte die Schweiz in der Nachkriegszeit von einer starken Zuwanderung. Und drittens sorgte dieselbe demografische Ausnahmesituation, die heute beinahe zum Kollaps führt, bisher dafür, dass das System über Wasser gehalten werden konnte – Stichwort Babyboomer. Ohne diese Faktoren wäre das AHV-System längst arg in Nöten.

Babyboomer: Ein Segen

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Babyboomer nennt man die Nachkriegsgeneration mit den Jahrgängen 1942 bis 1973, also die heute 43- bis 74-Jährigen. Die genaue Abtrennung variiert je nach Studie. Die Babyboomer sind eine Generation, die dank viel positiver Nachkriegs-Stimmung gezeugt wurde: Die Soldaten kehrten Heim vom Schlachtfeld, die Wirtschaft zog an wie noch nie und der Aufbruch war förmlich spürbar. Die Euphorie schien sich bis ins Schlafzimmer durchzuziehen. Die heutigen Grosseltern zeugten nämlich so viele Kinder wie noch nie eine Generation zuvor. Diese Ausnahmesituation war sowohl für die Babyboomer selbst wie auch für die AHV ein Segen: Erstere mussten pro Kopf extrem wenig für die Rente ihrer Eltern bezahlen, letztere profitierte natürlich von den vielen Einzahlungen.

Viele Babyboomer, wenig Kinder

Zum wirtschaftlichen Aufschwung dieser Zeit kam in den 70er-Jahren eine weitere einschneidende Neuerung: die Erfindung der Antibabypille. Als erste Generation überhaupt konnten die Babyboomer selbst entscheiden, ob und wie viele Kinder sie haben wollten. Die Geburtenrate (Bild 1) zeigt klar, wie sich die Generation entschieden hat: Nach dem Babyboom folgt die Baby-Flaute – die Geburtenrate bricht massiv ein. Auch diese Entscheidung hat massiv zum Wohlstand dieser Zeit beigetragen, denn Kinder sind nicht nur für jede einzelne Familie extrem teuer mit Ausgaben für Kleidung, Nahrung und den geforderten zeitlichen Investitionen, sondern auch für die ganze Gesellschaft über Bildungsausgaben usw.

Babyboomer: Ein Fluch

Und genau diese Kombination führt nun zu dieser extremen Schieflage der Vorsorgesysteme: Einer riesigen Generation, die in den nächsten Jahren Renten erhalten möchte, steht eine kleine Generation Kinder entgegen, die diese Renten finanzieren sollen. Mit dem Wechsel der Babyboomer von der Beitragsseite auf die Empfängerseite stösst das über das Umlageverfahren finanzierte AHV-System an seine Grenzen. Doch damit noch nicht genug: Die Babyboomer sind nicht nur extrem viele, sondern sie leben auch noch extrem lange. Ein Rentner von 1948 bezog im Schnitt 12.4 Jahre lang eine Rente. Der Rentner von 2050 jedoch gut 24 Jahre lang. Verdoppeln wird sich also nicht nur die Anzahl Rentner (von heute rund 1.5 Millionen auf 2.6 Millionen) sondern auch die Rentenbezugsdauer. Pikant: Während sich die Rentenbezugsdauer seit Jahren kontinuierlich steigert, hat sich an der Beitragsdauer seit 1948 nichts geändert: Männer zahlen seit jeher 44 Jahre ein, Frauen mittlerweile sogar ein Jahr weniger.

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Der Telebasel Report vom 14. September 2016 zeigt klar auf, dass es sich bei den Berechnungen von Bund und Fachleuten um keine politisch motivierte Schreckensszenarien handelt. Zudem wird klar, dass diese missliche Lage entgegen der landläufigen Meinung nicht rein zufällig entstand, sondern aus einer Kombination aus fehlender Information der Bevölkerung und politischem Versagen.

Im zweiten Teil des Reports wird dann am 21. September 2016 über die konkreten Lösungsansätze der Politik diskutiert und die Frage beantwortet, wer denn nun die gigantische Lücke finanzieren soll.

Mieses Spiel um Rentenreform 2020 – Telebasel Report Teil 1 vom 14. September 2016:

Mieses Spiel um Rentenreform 2020 – Telebasel Report Teil 2 vom 21. September 2016:

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