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Der Telebasel Report vom 6. September 2017.

Basel

Angst vor Digitalisierung? Teil 3

Der Logistik-Branche stehen spannende Jahre bevor – dank der Digitalisierung. Lastwagen, Camions oder das ‹Pöstler-Töffli› werden schon bald durch Drohnen, Lieferroboter und autonome Fahrzeuge ersetzt. Entsprechend gross ist aber auch die Angst vor dem Jobverlust.

Laut einer McKinsey-Studie aus dem Jahr 2016 werden bereits im Jahre 2025 80 Prozent aller Pakete automatisiert ausgeliefert werden. Die sogenannte ‹Letzte Meile›, also die Zustellung des Pakets an die Haustür, wird praktisch vollständig von Drohnen und Robotern übernommen.

Und tatsächlich: Die jüngsten Ereignisse rund um Drohnen- und Roboter-Versuche der Schweizerischen Post stützen diese These vollumfänglich. Stellt sich beispielsweise die Zusammenarbeit der Post mit Jelmoli als Erfolg heraus, wird es rasant vorwärts gehen. Vielleicht noch nicht auf öffentlichem Grund, aber zumindest auf Firmengeländen sind kleine Lieferroboter bereits im Einsatz.

Lieferroboter ‹deep-tc› wartet am Aeschenplatz brav, bis er die Strasse überqueren kann. (Bild: Telebasel)

Lieferroboter auf Chemie-Campus

So arbeitet das Basler Roboter-Startup ‹Deep-tc› bereits an einem konkreten Plan mit einem grossen Basler Chemie-Unternehmen. Dieses plant, die Auslieferung von heiklen Dokumenten oder Forschungssubstanzen auf dem Firmengelände schon bald durch Lieferroboter abzuwickeln.

Das Potenzial ist riesig: Im Chemie-Park Leverkusen zum Beispiel werden so täglich 800 Pakete auf dem Firmengelände transportiert. Auch im öffentlichen Sektor sei man bereits in Verhandlungen «mit einem grossen Schweizer Logistik-Unternehmen», sagt Deep-tc-Mitgründer Andi Zaugg gegenüber Telebasel.

Mit Laser und Kamera scannt ‹deep-tc› permanent die Umgebung und erkennt so sämtliche Gegenstände. (Bild: Telebasel)

‹Deep-tc› – ein Jobkiller?

Weltweit gäbe es zurzeit lediglich drei weitere Firmen, die einen ähnlich fortgeschrittenen Lieferroboter anbieten würden, erklärt Andi Zaugg. Entsprechend gut stehen die Chancen für das Basler Start-Up. Zurzeit sei man noch daran, die Finanzierung zu sichern. 2,4 Millionen Schweizer Franken brauche man, um einen voll funktionsfähigen Prototypen zu entwickeln.

Läuft alles wie geplant, könne man bereits im Oktober dieses Jahres mit einem achtköpfigen Team in neuen, eigenen Büros starten. Während Deep-tc also Leute anstellt, zittern manchem Pöstler die Knie. «Wohl zurecht», sagt Andi Zaugg. Im Interview erklärt er, wieso er trotzdem kein schlechtes Gewissen hat:

Deep-tc Mitgründer Andi Zaugg im Telebasel-Interview. (Bild: Telebasel)

Telebasel: Herr Zaugg, haben sich die Lieferroboter erst einmal bewährt, verliert nicht mehr nur ein Pöstler seinen Job, sondern tausende.
Zaugg: Ja, auf jeden Fall. Wir müssen diese Diskussion tatsächlich führen in unserer Gesellschaft. Das wird nicht heute oder morgen erfolgen, aber in den nächsten fünf Jahren werden wir definitiv soweit sein.

Können Sie verstehen, dass das den Leuten Angst macht?
Definitiv. Jedoch wird in den nächsten fünf bis zehn Jahren auch sehr viel Neues aufgehen. Da wird erstmal noch nicht viel wegfallen. Längerfristig gesehen aber schon. Ich sehe das aber als Chance für die Gesellschaft, wenn wir wiederkehrende Prozesse automatisieren können. Ich hoffe, dass wir uns dann auf andere Dinge konzentrieren können.

Wie soll das denn funktionieren, wenn die Arbeitslosigkeit Überhand nimmt?
Was oft diskutiert wird ist eine Steuer auf autonome Roboter oder allgemein auf automatisierte Prozesse. Mit diesem Geld könnte man dann die Arbeitslosenversicherung finanzieren. In aller Konsequenz taucht dann auch das Bedingungslose Grundeinkommen wieder auf.

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In aller Kürze:

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