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Der Telebasel Talk mit Saïda Keller-Messahli vom 5. September 2017.

Basel

Ist Basel eine islamistische Drehscheibe?

Sie ist die grosse Unbequeme in der heftig geführten Islam-Debatte; die Muslima Saïda Keller-Messahli legt sich an mit extremistischen Imamen und kritisiert einen zu toleranten Umgang der Behörden mit den ‹Intoleranten›. Im Talk spricht die fundierte Islamkennerin über ihr erstes Buch ‹Islamistische Drehscheibe Schweiz›, am 5. September ab 18:40 Uhr.

Morddrohungen und Terrorismus

Sie erhält Morddrohungen, Freunde empfehlen ihr Polizeischutz. Mit ihrer unverhohlenen Kritik aus unverhülltem Antlitz ist Saïda Keller-Messahli das rote Tuch islamistischer Imame und deren Verbände. In ihrem neuen Buch ‹Islamistische Drehscheibe Schweiz› deckt sie deren Finanzierung und internationalen Beziehungen auf (Medientext weiter unten). Deren Ziel: «Dabei geht es (…) primär darum, den Wahhabismus – die saudische Auslegung eines Islam, wie er in der Frühzeit praktiziert wurde – in Europa zu verbreiten.» Der mit dem Thema befasste Theologe Bruno Amatruda schätzt es als «umfassendsten und detailliertesten Bericht zur salafistischen und islamistischen Szene in der Schweiz» ein, und erkennt ein «besorgniserregendes Muster». Keller-Messahli schreibt nämlich: «Einen grossen Einfluss auf diese gefährliche Entwicklung des Terrorismus ‹im Namen Allahs› üben zahlreiche salafistische Moscheen vor allem in Deutschland, Österreich und der Schweiz aus, indem deren Imame junge Menschen zu radikalisieren versuchen».

Naivität der Behörden

SRF bezeichnet Saïda Keller-Messahli als eine der landesweit besten Kennerinnen der Islam-Szene, sie ist regelmässiger Gast in Talk-Runden, ihr Buch erscheint beim NZZ-Verlag. Aber ein Dorn im Auge ist die etablierte Expertin jedoch nicht bloss Islamisten vom Schlag eines Nicolas Blancho (Präsident des Vereins Islamischer Zentralrat Schweiz) sondern vor allem auch linken PolitikerInnen, denen Keller-Messahli Naivität oder konfliktunwilliges Verhalten vorwirft.

So hat man der Unbequemen etwa die Jihadismuskurse für das Strafvollzugspersonal sistiert, berichtet der Tagesanzeiger. Sie habe in den Kursen nicht «die Prinzipien der Integration» und Religionsfreiheit vertreten. «Kurz zuvor hatte sie Pöschwies-Direktor Andreas Naegeli darauf hingewiesen, dass in Regensdorf Imame mit salafistischem Hintergrund und von Erdogans Gnaden ­tätig sind.» Keller-Messahli hält es für «verantwortungslos, mit linker Integrations­romantik radikale Tendenzen wegzureden».

Handschlag-Affäre in Therwil

Auch die Region Basel kommt in Keller-Messahlis Buch zur Sprache: Die Therwiler Handschlagaffäre, die sie keineswegs so auf die leichte Schulter nimmt wie mancher hiesige Kommentator, «denn die politische Linke sowie die Grünen üben sich nach wie vor in notorischer Verweigerung eines nüchternen Diskurses ausgerechnet über jene Themen, die gerade Rot-Grün am Herzen liegen sollten, und zwar die vollwertige Anerkennung der Frau als selbstbestimmtes und freies sowie an der Gesellschaft partizipierendes Wesen.»

In einem anderen Kapitel widmet sie sich der laut Keller-Messahli «offiziell» von der «Islamischen Weltliga» finanzierten König-Faysal-Moschee an der Basler Friedensgasse. Das Problem: «Die Islamische Weltliga finanziert nämlich nicht bloss Moscheen, wie diejenigen in Basel und Genf, sondern auch Trainingslager und Koranschulen in Pakistan und in Afghanistan, wo jungen Männern radikale Ideologien eingeimpft werden.»

Islamisten in Basel

Dass in Basel in den vergangenen Jahren immer wieder Islamisten aktiv waren, ist bekannt. An einem «Lies!»-Stand auf dem Claraplatz wurden neben dem Koran auch üble Hetzschriften verteilt. In einer Moschee an der Elsässerstrasse, so der SRF-Dok-Film «Hinter dem Schleier», wurde gepredigt, die Ungläubigen seien «niedriger als Vieh». Im letzten November wurde ein von den Behörden als gefährlich eingestufter, irakischer Jihad-Rückkehrer aus seiner Ausschaffungshaft im Bässlergut entlassen. Er soll an einem ‹Basler Salafisten›-Netzwerk beteiligt gewesen sein.

Wie beurteilt Saïda Keller-Messahli die gegenwärtige Lage und das Vorgehen der Behörden in der Schweiz und der Region? Was will sie mit ihrem Buch erreichen? Im Talk nimmt die Autorin Stellung, am 5. September 2017, um 18:40 Uhr und ab 19:10 Uhr stündlich.

Hier der Medientext zu ‹Islamistische Drehscheibe Schweiz› von Saïda Keller-Messahli:

Medieninformation
WIDERSTAND GEGEN DEN SALAFISMUS IN EUROPA

Ein Blick hinter die Kulissen der Moscheen

Zürich, im August 2017: Die Angst vor islamistischen Terroranschlägen in Europa greift um sich. Salafistische Wanderprediger und radikale Imame versuchen in Moscheen, mittels «Lies!»-Ständen und sogenannter Seelsorge in Gefängnissen, Flüchtlingsunterkünften und an Schulen Einfluss zu nehmen. Saïda Keller-Messahli befasst sich seit Jahren mit den Islamverbänden und deren Moscheen in Deutschland, Österreich
und der Schweiz. In ihrem Buch deckt sie auf, wer hinter dem politischen Islam steckt, wie die Verbände organisiert sind und was Europa unternehmen kann, um den gemässigten Muslimen den Rücken zu stärken.

Viele Europäerinnen und Europäer gehören der islamischen Religion an. Sie wollen nach aufgeklärten, modernen Massstäben in Frieden
und Freiheit leben und ihrem Glauben nachgehen. Tun sie das beispielsweise in liberalen Moscheen wie der kürzlich in Berlin eröffneten Ibn-Rushd-Goethe-Moschee, werden sie von konservativen Glaubensgenossen beschimpft und bedroht. Die Imamin Seyran Ates muss rund um die Uhr von der Polizei beschützt werden, weil eine Fatwa dazu aufruft, «alles zu tun, um zu verhindern, dass wir weiterexistieren» (Tages-Anzeiger, 23. Juli 2017). Die europäischen Staaten zögern noch immer, Massnahmen zur wirksamen Prävention gegen den radikalen Islam zu ergreifen. Stattdessen üben sich die politischen Verantwortlichen in Arglosigkeit und überlassen das Feld extremistischen Brandstiftern. Wie Gottlieb Biedermann drücken sie ihnen die Streichholzschachtel in die Hand und verschliessen die Augen vor dem Offensichtlichen. Sie nehmen damit in Kauf, dass sich die extreme Auslegung des Islam relativ ungestört in unserer liberalen Gesellschaft ausbreitet.

Salafismus in Deutschland, Österreich und der Schweiz

Woher kommen die extremen Muslime, was streben sie an, wie sind sie organisiert, wie gehen sie vor, wer finanziert sie? Saïda Keller-
Messahli liefert in ihrem Buch Islamistische Drehscheibe Schweiz die Antworten. «Einen grossen Einfluss auf diese gefährliche Entwicklung des Terrorismus ‹im Namen Allahs› üben zahlreiche salafistische Moscheen vor allem in Deutschland, Österreich und der Schweiz aus, indem deren Imame junge Menschen zu radikalisieren versuchen», schreibt sie in der Einleitung. «Dabei geht es (…) primär darum, den Wahhabismus – die saudische Auslegung eines Islam, wie er in der Frühzeit praktiziert wurde – in Europa zu verbreiten.»

Gesteuert werden viele Moscheen in der Schweiz von der Union Albanischer Imame in der Schweiz UAIS, in Deutschland und in Österreich vorwiegend von der türkischen Religionsbehörde Diyanet. «Das den demokratischen Staaten heilige Prinzip der Religionsfreiheit hat es zugelassen, dass die meisten Moscheen de facto eine Parallelgesellschaft aufbauen konnten, abseits von jeder demokratischen Kontrolle. Jahrzehntelang wurde hier ungestört ein Diskurs der Abschottung gepflegt, und radikale Prediger saudischer Prägung reisen heute frei ein und aus», schreibt die Autorin.

Muslime wollen zur europäischen Kultur gehören

Der Islam ist längst in Europa angekommen, ihn abzulehnen wäre töricht. Genauso wenig ist es eine Option, unsere Werte einer aufgeklärten Gesellschaft zur Disposition zu stellen, ist Saïda Keller-Messahli überzeugt. «Das hier vorliegende Werk will einerseits einen Weg weisen, der den Muslimen Europas das Bewahren ihres Glaubens in der aufgeklärten Gesellschaft ermöglicht, andererseits den mit einem ihnen gänzlich
fremden Religionskonzept konfrontierten Europäern Verständnishilfe liefern. Dabei stellt sich nicht die Frage, ob Muslime in der europäischen Kultur leben können. Diese ist durch die normative Kraft des Faktischen längst beantwortet. Es stellt sich vielmehr die
Frage, ob Muslime zu dieser europäischen Kultur gehören, in ihr ankommen können», schreibt der deutsche Politiker Ali Ertan Toprak
im Vorwort.

Damit das gelingt, müssen die aufgeklärten Kräfte aller Religionen in Europa für die Freiheit kämpfen. Saïda Keller-Messahlis Buch zeigt,
wo und wie damit angefangen werden kann.

Die Autorin Saïda Keller-Messahli (* 1957) ist eine tunesisch-schweizerische islamische Menschenrechtsaktivistin und Gründerin und Präsidentin des Forums für einen fortschrittlichen Islam.

1 Kommentar

  1. Wer gegen den CH-Staat kämpfen will oder die hiesige offene demokratische Gesellschaft ablehnt und verachtet, kann das in seinem Heimatland tun, aber ohne CH-Sozialleistungen. Gleiches gilt auch für andere zugewanderte Kriminelle die hier ohnehin nur von der Soziallhilfe leben.Report

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