Ignazio Cassis bleibt Favorit. (Bild: keystone)

Schweiz

FDP geht auf’s Ganze

Die FDP tritt mit drei Kandidaten zur Bundesratswahl an. Die Fraktion hat am Freitag, 1. September 2017, in Neuenburg entschieden, den Tessiner Nationalrat Ignazio Cassis, die Waadtländer Nationalrätin Isabelle Moret und den Genfer Staatsrat Pierre Maudet ins Rennen zu schicken.

Das gab der Zürcher Nationalrat Beat Walti nach einer mehr als dreistündigen Sitzung der FDP-Bundeshausfraktion in Neuenburg bekannt. Der Entscheid für ein Dreierticket fiel knapp, mit 22 zu 19 Stimmen bei 1 Enthaltung. Der Vize-Präsident der FDP-Fraktion glaubt, dass es den doch zahlreichen Gegnern darum ging, eine Präferenz ausdrücken zu können.

Als solche nannte er die Vertretung der italienischsprachigen Schweiz, eine Frauenkandidatur oder ein junger, aber erfahrener Regierungsrat: «Alle, die eine dieser Qualitäten stärker gewichten wollten, hatten dem Zweierticket den Vorzug gegeben», sagte Walti. Es gebe objektive Unterschiede zwischen den Kandidaten. «Doch alle drei sind mitten in der freisinnigen Familie zu Hause und wohl aufgehoben.»

Zufriedene Gesichter

Dass es wegen des knappen Resultats zu Spannungen in der Fraktion kommen könnte, glaubt Walti nicht. Nach dem anschliessenden gemeinsamen Abendessen werde die Angelegenheit in aller Freundschaft beigelegt sein, sagte er.

Auch die Nominierten zeigen sich vor den zahlreich nach Neuenburg angereisten Medien zufrieden. «Ich freue mich, dass die Fraktion drei verschiedene Profile anbieten kann und der Bundesversammlung eine Auswahl ermöglicht», sagte etwa Cassis.

Vor der Entscheidung über die Nomination hatten sich alle Kandidierenden einer halbstündigen Anhörung der FDP-Fraktion stellen müssen. Bereits nach dem Verlassen des prunkvollen Sitzungszimmers im Neuenburger Luxushotel Beau-Rivage hatten sich alle drei angespannt, aber zuversichtlich gezeigt.

Nach dem Entscheid schaute auch Bundesrat Didier Burkhalter in Begleitung seiner Frau beim Nachtessen vorbei. Seiner Ansicht nach hat die Fraktion einen guten Entscheid getroffen. Die Bundesversammlung habe wegen der Qualität der Kandidaturen eine schwierige Auswahl zu treffen, sagte er auf Anfrage.

Chancen für wilde Kandidaturen gering

Den Nominierten stehen nun die Hearings in den übrigen Fraktionen bevor. Die Bundesversammlung wählt am 20. September. Der Berner Nationalrat Christian Wasserfallen erwartet nach dem Dreierticket keine Sprengkandidaten mehr. «Gegen diese drei Top-Kandidaten ist sowieso jede Sprengkandidatur chancenlos.»

Die Mitglieder der FDP-Fraktion stimmen dabei ohne Instruktion, wie Beat Walti betonte. Erfahrungsgemäss werde es aber in den nächsten Wochen im Hintergrund ‹Dynamiken› geben. In der Fraktion sei viel Sympathie für das Tessin spürbar, sagte der Aargauer FDP-Nationalrat Matthias Jauslin. «Das ist ein Penalty für die italienischsprachige Schweiz, jetzt liegt es am Tessin, diesen zu verwerten.»

Cassis bleibt Favorit

Der Entscheid der FDP-Fraktion für ein Dreierticket ist keine Überraschung. Cassis galt aufgrund seiner Herkunft als gesetzt: Das Tessin wartet seit nunmehr 18 Jahren auf eine Vertretung im Bundesrat.

Der 39-jährige Maudet, der im Kanton Genf für Wirtschaft und Sicherheit zuständig ist, gilt als fähig. Zudem ist er der einzige Kandidat mit Regierungserfahrung.

Moret ist die einzige weibliche Bewerberin. Ein reines Männerticket wäre auch parteiintern nicht überall gut angekommen. Die Zürcher FDP-Nationalrätin Doris Fiala, Präsidentin der FDP-Frauen, unterstrich den Anspruch der freisinnigen Politikerinnen: Dieser komme 28 Jahre nach dem Rücktritt von Elisabeth Kopp nicht zu früh, sagte sie der sda.

(sda)

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